Radikalisierung Schwache Mitte – starke Extremisten

Linksextreme, Rechtsextreme und religiöse Extremisten – sie sind in jedem Staat zu finden, organisieren sich meist in Gruppen und rufen in der normativen Mitte Angst hervor.

Extremisten vertreten Meinungen und Haltungen, die fernab der gesellschaftlichen Mitte anzufinden sind. Kein Mensch wird als Extremist geboren, allerdings können wir alle uns zu einem entwickeln!

Ein Extremist ist der Auffassung, dass nur eine Wahrheit, eine Weltanschauung existiert, nach der sich die wenigsten halten. Ein Extremist interessiert sich nicht für die Meinungen anderer, er lebt seine eigene. Wann auch immer er kann, äußert er Kritik gegenüber der vorherrschenden Weltanschauung und kämpft je nach Ernsthaftigkeit seiner politischen oder religiösen Haltung gegen die Norm an.

Mit dem voranschreiten der Individualität wächst auch das Bedürfnis nach einer eigenen Meinung und eigenen Werten. Die starke Mitte verliert an Einfluss. Abspaltungen, Subkulturen und kleine Gesellschaften holen auf. Die Stimme des Einzelnen gewinnt an Bedeutung, die der großen Allgemeinheit nimmt ab.

In der Politik ist das Wort Extremist negativ behaftet und macht den Anschein, das Extremismus mit Verbrechertum gleichzusetzen ist.

Der Autor Klaus Kunze allerdings beleuchtet in seinem Werk „Mut zur Freiheit“, den Extremismus von einer anderen Seite. So schreibt er in dem Buch auf Seite 77 „Die semantische Erfindung des Extremismus ist ein Kind polemischer Bedürfnisse wie jeder politische Begriff. Den Gegner plakativ schon mit einem Schlagwort zu diskriminieren hat Tradition.“

Liegt er mit dieser Aussage im Recht oder zählt er auch nur zu den vielen Extremisten, die ihre Haltung relativieren wollen?

Eine entgegengesetzte Haltung zur aktuellen politischen Mitte muss für mich nicht unbedingt mit Extremismus zusammenspielen auch, wenn es gerne von der Politik als solche bezeichnet wird. Schließlich muss nicht immer alles okay sein, was die Politik oder Gesellschaft als Norm oder Richtig definiert. Eine andere Haltung, die der Allgemeinheit nicht schadet, ihr im Gegenteil sogar hilft, allerdings der Politik schadet, halte ich für erstrebenswert.

Wir leben im 21. Jahrhundert, indem der Mensch verstärkt seine Unabhängigkeit als Individuum spürt. Nur logisch, dass gerade diese Unabhängigkeit ich in einer starken Haltung oder einem ernsthaften Glauben zeigt, oder?

Das Wort Extremist, darf wie viele andere Begriffe an neuem Status gewinnen, also sich neu definieren und an die Gesellschaft von heute anpassen. Auch seinen negativen Mantel sollte der Begriff verlieren, stattdessen sollte er genauer betrachtet werden. Die eine Mitte, den einen Rechtensektor und die Linksextremisten gibt es schon lange nicht mehr. Heute verschwimmen die Gesinnungen und sind nicht mehr so einfach zu klassifizieren.

Die normative Mitte darf ihre Angst ablegen und den Menschen als das sehen, was er ist: Ein Wesen mit ausgeprägtem Ego, starkem Willen und dem Wunsch zur Freiheit. Dies muss nicht immer radikal oder bedrohlich sein.

 

Mehr Artikel findet ihr im neuen TheCrazyLife Magazin 🙂

 

Liebe Grüße eure

Sahra-Latifa A. Warrelmann

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Entschleunigung – Stoppt den Alltagsstress Der Leistungsdruck der Moderne macht krank

Hausaufgaben, die an einem Tag nicht zu meistern, Klausuren und Prüfungen in kurzen Abständen und Arbeitsaufgaben, die eine Person alleine übernimmt, obwohl mindestens drei notwendig wären – Stress, Müssen, Schnell, Erschöpfung, das sind die Keywords im Kopf des modernen Menschen.
Bereits nach der Grundschule setzt der Stress bei den kleinen Bürgern unserer Gesellschaft ein. Eine Klausur nach der anderen soll die Kinder auf das harte Berufsleben vorbereiten. Die Lernzeiten nach der Schule dauern immer länger an, sodass Zehnjährige Freizeit meist auch nur an den Wochenenden erleben. Vollkommen ausgelaugt denkt am Wochenende jedoch kaum noch einer an Action, Familienzeit oder Spaß. Hier heißt es dann, das Liegengebliebene der Woche abzuarbeiten, den Einkauf zu erledigen, Wäsche zu waschen und sich auf die kommende Woche vorbereiten. Schafft man es, für ein paar Minuten, vielleicht auch ein paar Stunden zu entspannen, klopft schon die nächste Hiobsbotschaft an der Tür.

Wer Ruhe und Auszeit im Alltag kennt, zählt mittlerweile zu den privilegierteren Menschen und muss, wie es in den Diskussionsforen heißt, eine Menge Zeit haben. Über 60% der deutschen Bevölkerung berichten von Leistungsstress und sehr hohen psychischen Anforderungen. Sie beobachten ein zunehmendes Ungleichgewicht ihrer psychischen Verfassung. Das ergeht aus der Stressstudie der TK aus dem Jahr 2016.

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Stress im Übermaß gefährlich, ja sogar tödlich.

Steht der Mensch permanent unter Strom ist er ganz gleich ob alt oder jung anfällig für Krankheiten. Stress fördert und ruft psychische wie physische Krankheiten hervor. Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Kopfschmerz ist bereits Normalität in den Bevölkerungen weltweit. So sehr, dass Medikamente den Alltag begleiten und in fast jeder Tasche anzufinden sind. Eine Tablette später und der Schmerz verschwindet, die Ursache bzw. Krankheit allerdings bleibt. Wir nehmen den täglichen Stress hin und sind die immense Belastung längst gewöhnt, wodurch Stresssymptome oder Erkrankungen in vielen Fällen erst sehr spät auffallen. Krankheiten wie Burn-Out, Herzerkrankungen u.s.w. konnten sich allerdings bereits in uns manifestieren.
Es ist normal, das man seit Wochen unausgeschlafen zur Arbeit geht oder die Schule besucht.

Was wir nicht als ungewöhnlich wahrnehmen, dem schenken wir kaum Beachtung. Die Gefahren von Stress, seine Auswirkungen und die Behandlung werden in der Gesellschaft zwar groß diskutiert, doch so richtig findet das Thema noch keinen wirklichen Anklang in der Bevölkerung. Noch zu häufig nimmt man die Anforderungen der Zeit auf die leichte Schulter und überschätzt seine psychische Stabilität.
Der menschliche Körper und sein Geist können zu Hochleistungen im Stande, allerdings nur, wenn die perfekte Balance zwischen Stress und Ruhe gewährleistet wird. Von daher – Handy aus, die Arbeit weit weg und ab in den Entspannungsmodus. Entschleuningung heißt die neue Devise, für ein ausgeglichenes und glückliches Leben.

Artikel aus dem TheCrazyLife Magazin

Liebe Grüße eure

Sahra-Latifa A. Warrelmann

 

Schaut doch auf meiner Homepage vorbei und informiert euch über das neue The CrazyLife Magazin. (www.thecrazylife.de)

 

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Freunde, die vorhersehbaren Spiegel deiner Persönlichkeit!

Ist Freundschaft vorhersehbar und was sagen unsere Freunde über uns aus?

Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens (er)kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast. – Albert Einstein –

Boah! Mein Kumpel nervt mich total. Immer muss er mit seinem „Egoverhalten“ anecken. Er stellt sich immer in den Vordergrund und muss immer an erster Stelle stehen. Das dachte ich nach einem Besuch bei einem Kumpel. Er ging mir mit seiner Überheblichkeit auf die Nerven. Die Gespräche waren Monologe und die Toilette konnte ich auch nicht aufsuchen. Jedes Mal, wenn ich aufstand, kam er mit einer neuen Geschichte auf mich zu und weil wir gerade schon standen konnte er mir ja auch gleich etwas zeigen. Man, warum hat man solche Menschen in seinem Freundeskreis? Der passt doch gar nicht zu mir und gestresst bin ich auch total oft, wenn wir Zeit miteinander verbringen. Komischerweise habe ich dennoch häufig mit ihm Kontakt. Merkwürdig.

Wir sind niemals unter den falschen Menschen, wir sind uns lediglich ihrer Funktion noch nicht bewusst.

Freunde sollen eine Funktion haben? Ist das nicht zu funktionell gedacht? Schließlich verbinden wir mit ihnen oftmals starke Gefühle in jeglicher Richtung, oder?

Wir wollen uns alle weiterentwickeln, Wünsche erfüllen und Ziele erreichen. Wir haben alle diese eine Vorstellung, von der wir hoffen, dass sie eines Tages in Erfüllung geht. Denken wir an sie, empfinden wir Freude, ganz gleich wie lange das Gefühl andauert.
Im Alltag allerdings nehmen wir die Menschen in unserer Umgebung eher unterbewusst wahr oder halten sie womöglich noch für überflüssig, obwohl sie alle eine Rolle spielen. Auch wenn wir das vielleicht nicht auf den ersten oder zweiten Blick erkennen, helfen sie uns, unsere Ziele zu erreichen. Das erkennen wir meist erst dann, wenn sie nicht mehr Teil unseres Alltags sind. Wir beginnen sie zu vermissen, mehr noch wir vermissen das, was sie in uns auslösen. Das, was wir in ihrer Gegenwart empfanden und wie dies, auf irgendeine Weise unser Leben beeinflusste.
Wie die alte Dame im Café, die jeden Tag einen kurzen Moment Mitleid hervorruft und einen daran erinnert, dass man alles daran setzt, später nicht alleine seine Stunden verbittert im Café absitzen zu müssen, wie sie es jeden Morgen, an der gleichen Stelle sitzend und schon fast blind aus dem Fenster schauend, macht. Oder die Gute-Nacht-Nachricht eines Freundes, die einen irgendwie mit einem warmen Gefühl einschlafen lässt. Aber auch der Kumpel erfüllt seinen Zweck, den, dass er pausenlos von sich spricht und es einem somit ermöglicht still zu sein. Durch ihn kann man einfach mal zuhören und muss nicht von sich sprechen, wenn einem sowieso gerade nicht danach ist, sondern Gesellschaft Vorrang hat.
Fallen diese schon gewohnten Figuren weg, erkennen wir ihre Bedeutung, sei ihre Rolle noch so klein in unserem Lebensfilm. Wir verstehen, dass er oder sie auf irgendeine Weise in unserem Leben gewirkt hat und uns in diesem Moment ein Stückchen näher an die Ziele gebracht hat.
Schließlich sind wir, egal wo wir uns gerade befinden, deshalb dort, weil wir dort sein wollen und es uns ein Stückchen näher an diese eine Vorstellung bringt.

Geht man nicht deshalb zur Arbeit, weil man schon lange von einer Reise träumt, eine größere Wohnung beziehen möchte oder sich das Konzert des Lieblingskünstlers leisten möchte? Nimmt man nicht deshalb Kontakt zu anderen Menschen auf, weil wir glauben, mit ihnen unsere Ziele erreichen zu können oder ein Bedürfnis durch sie gestillt werden kann? Bedürfnisse wie das nach Liebe, Nähe, Austausch oder das der Motivation in Form eines Trainingspartners.

Das unsere Freunde einen Grund in unserem Leben haben glauben auch die US-Forscher Nicholas A. Christakis von der Universität Yale und James H. Fowler von der Universität Kalifornien. Sie haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass die DNA unserer Freunde, der DNA unserer Familienangehörigen ähnelt. Freunde sind uns genetisch ähnlich, so wie wir zu unseren Cousins und Cousinen vierten Grades. Ein Mensch, der nicht mit uns verwandt ist, den wir auch auf dem anderen Teil des Globus kennenlernen könnten, kann eine hohe genetische Schnittmenge mit uns aufweisen. Auch die DNA-Sequenzen, die für die Geruchswahrnehmung verantwortlich sind, stimmen bei Freunden überein, was die Studie der Forscher zeigt.

Freunde können sich demnach nicht nur riechen, sie sind auch in ihrer DNA ähnlich.

Nach Meinung der US-Forscher steckt die Evolution dahinter. Bei der Bildung des Sozialverhaltens haben sich wahrscheinlich auch Freundschaften entwickelt. Als die ersten Menschen das Feuer nutzten, war es hilfreich sich mit den Artgenossen zusammenzuschließen, die dasselbe Ziel verfolgten, nämlich das der Wärme und des Schutzes. Jemand, der ohne Licht und warmes Feuer auskam und vielleicht noch ein ausgezeichneter Krieger war, sah keine Notwendigkeit darin Holz zu hacken, Steine zu sammeln und ein Feuer zu entfachen. Andere aber brauchten das Feuer, schlossen sich zusammen und unterstützten sich, um ihr Ziel zu erreichen und die Chance ihr Überleben zu sichern, zu erhöhen.

Also doch alles funktionell?! Unsere Freunde, nur ein Abbild unserer Sehnsüchte, Erfahrungen und Zeile! Haben wir dann überhaupt in der Hand wer in unser Leben tritt?

Anhand der Ergebnisse konnten Christakis und Fowler Freundschaften auch prognostizieren. Sie konnten aus der DNA herauslesen, wie zwei Menschen zueinander stehen oder welche Verbindungen sie miteinander haben könnten, sollten sie noch keinen Kontakt zueinander gehabt haben. Die Erfolgsprognose der Quote war so hoch wie etwa die der Krebsprognose.

Wer in unser Leben tritt, beziehungsweise, wem wir gestatten darin wirken zu dürfen, scheint bereits in unserer DNA vorbestimmt zu sein. Vielleicht riechen wir unsere potenziellen Freunde in einem Raum voller Unbekannter, noch bevor es uns bewusst ist, welche Rolle sie in unserem Leben einnehmen werden. Noch bevor wir mit dem Verstand einem Menschen eine bestimmte Funktion zusprechen, hat unsere DNA bereits die Verbindung zu ihm oder ihr erkannt oder sie womöglich bewusst gelegt. Auch wenn die Wissenschaft noch nicht weiß, wie der menschliche Organismus dies bewerkstelligt, scheint doch eines immer deutlicher zu werden: keine Begegnung ist falsch und geschieht ohne Grund. Wir können nur noch nicht verstehen, welcher Grund dahinter steckt. Wie auch ich erst verstehen musste, dass mein Kumpel mein Bedürfnis nach einfacher Gesellschaft stillt.

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Rezension Peaceful Warrior – Der Pfad des friedvollen Kriegers

„Sag mir, dass du jemand sein willst, der seinen ganzen Verstand und seinen Körper auf eine Art und Weise verwendet, zudem die meisten Menschen nie den Mut hätten und ich bilde dich aus, Dan und mache dich zu einem echten Krieger.“ -Zitat aus dem Film.

„Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Victor Salva mit Nick Nolte als Sokrates und Scott Mechlowicz in der Rolle des Dan Millman ist ein US-amerikanisches Sportdrama, aus dem Jahr 2006.

Dan Millman ist ein erfolgreicher Sportstudent. Er kommt gut bei den Frauen an, wird von seinem Vater finanziert und steht kurz davor sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Alles scheint im Leben des überheblichen jungen Mannes perfekt zu laufen. Dan Millman lebt riskant, ist stur und setzt wann immer er möchte seinen Willen durch, auch wenn das bedeutet seine engsten Freunde zu verlieren. Er fühlt sich mit seinem Verhalten immer im Recht, auch wenn er Grenzen aufgezeigt bekommt. Einzig und allein die schlaflosen Nächte bremsen den jungen Sportler aus und tragen dazu bei, dass er nicht in der Lage ist sein volles Potenzial auszuschöpfen. Dan eckt mit seinem Auftreten an, lediglich ein grauhaariger Tankwart, der von Dan wegen seiner mysteriösen Erscheinung, Weisheit und seinen Talenten Sokrates genannt wird, schafft es den sonst so willensstarken Studenten zum Klo putzen zu bewegen.

D“er Pfad des friedvollen Kriegers“ ist ein, auf dem autobiografischen Roman basierter Film, des Autors Dan Millman, welcher als junger Student trotz eines heftigen Unfalls, der sein Leben veränderte unvorstellbare sportliche, wie mentale Leistungen vollbrachte. Das alles mit Hilfe des durchsetzungsfähigen Sokrates, welcher ihm lehrte seine inneren Grenzen zu überwinden, sich seinen Ängsten zu stellen, sich in Geduld zu üben und das große Ganze stets im Auge zu behalten. Das Sportdrama vermittelt den Leidensweg des jungen Studenten in spannend aufgebauten Szenen, die den Zuschauer jedes Mal aufs neue mitreißen.

Ein Film, der zum Nachdenken anregt.

Die weisen Worte des Sokrates hallen selbst Wochen, nachdem man den Film gesehen hat im Kopf nach. Durch den Kampf des Sportstudenten, der im Laufe des Films einige Höhepunkte und Tiefpunkte erlebt, fühlt man sich an das eigene Leben erinnert, das gerne ebenfalls wie eine Achterbahnfahrt verläuft. Scott Mechlowicz spielt seine Rolle authentisch. Mal zweifelt er an sich und ist kurz davor alles kurz und klein zu schlagen, mal scheint es als würde sein Hochmut ihn das Leben kosten und in einem anderen Moment zeigt er sich vollkommen demütig. Man kann seine innere Auseinandersetzung nachempfinden, die er in Kauf nimmt um seine Ziele zu erreichen und seine Träume zu verwirklichen. Das Sportdrama, das sich nicht so einfach in ein Genre stecken lässt, da es sowohl etwas von einer Komödie als auch Thriller Stimmung hat, spornt zur inneren Veränderung an und regt die eigene Motivation an.

„Peaceful Warrior-Der Pfad des friedvollen Kriegers“, ein außergewöhnlicher Film, der für Sportliebhaber, Philosophie-Fans und alle die daran interessiert sind, ihren Horizont zu erweitern und ihr inneres Potenzial zu entdecken, geeignet ist. Er zeigt, wozu der Mensch im Stande ist, wenn er an sich glaubt, seinen Müll im Kopf loslässt und beginnt sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu fokussieren.

 

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Aus der Zerstörung zum Leben

Eine junge Mutter ist am Ende ihrer Kräfte. Nichts in ihrem Leben scheint ihr Freude zu bringen, nichts scheint sie am Leben zu halten. Der Alltag ist geprägt von Selbstmordversuchen, blutigen Rasierklingen und Ausbrüchen der Zerstörung. Ihr letzter Versuch aus dem Leben zu scheiden, legt den Grundstein ihrer neuen Persönlichkeit.            – Von Sahra-Latifa A. Warrelmann

Alles ist ruhig, nur durch den Fernseher wird der Raum beleuchtet. Dennoch ist das Chaos durch das schwache Licht erkennbar. Auf dem Boden liegen Kleidungsstücke, manche sind zerschnitten, manche zerrissen. CD-Hüllen sind überall verteilt und Papier bedeckt den Boden. Die Luft riecht nach kaltem, abgestandenem Rauch und Schweiß. Die Fenster sind geschlossen und die Rollläden heruntergelassen, sodass kein Licht von außen das Wohnzimmer erhellt. Ein schriller Schrei unterbricht die Stille. Im Film, der nur nebenbei läuft wird gerade ein Mann umgebracht, der schon seit Stunden von seinem Angreifer verfolgt wird. Ein passender Film, zu der Szene, die sich in der Realität abspielt. Unberührt von dem Schrei sitzt eine Frau zusammengekauert in der Ecke und sticht mit einem Messer auf Bilder in einem Bilderrahmen und Kuscheltiere ein. Ihre Haare sind zerzaust, das Gesicht und die Hände voller Blut. Aus ihrer Nase läuft Sekret und ihre Augen sind durch Tränen feucht. „Alles muss weg! Alles muss raus! Ich brauche gar nichts! Ich bin gar nichts! Was weiß der schon, was wissen die schon?! Wozu soll ich all den Scheiß hier brauchen. Wozu soll ich all die Erinnerungen brauchen?! Ich will sowieso nicht mehr, verdammt ich kann doch nicht mehr!“, sagt sie leise schon beinahe im Mantra vor sich hin. Um so öfter sie die Sätze wiederholt, desto  energischer sticht sie auf alles ein, was sie um sich herum finden kann. Wieder hallt ein Schrei durch den Raum, dieses Mal stammt der Schrei nicht aus dem Fernseher, sondern von der jungen Frau in der Ecke. Während sie sich mit beiden Händen an den Haaren zieht, den Kopf zu Boden senkt und ihren Mund weit aufreißt, versucht sie immer wieder Schreie loszuwerden, doch sie verstummen schon in ihrer Kehle. „Ich kann nicht mehr, bitte erlöse mich! Bitte ich kann nicht mehr!“, murmelt sie, während sie immer noch fest an ihren Haaren zieht. Vollkommen verzweifelt und erschöpft sinkt sie in das vor ihr liegende Chaos. In Embryonalstellung liegt sie auf Glassplittern, zerrissenen Bildern, geköpften Teddybären, zerschnittenen Kleidungsstücken und schaut dabei auf ihre Unterarme, die sie mit einer Rasierklinge wenige Minuten zuvor aufgeschnitten hat. Noch immer fließt das Blut langsam aus ihren Adern. Auch wenn sie weiß, dass die Schnitte sie nicht töten, beruhigt es sie ihr Blut zu sehen, denn es ist ihr Blut: ein Ausdruck des Hasses, Hass der sich gegen sie selbst richtet und im ganzen Raum spürbar ist. 
Jeder der diesen Raum betritt, kann sofort die Essenz der Verwesung, des Leids und des Hasses wahrnehmen. Die Frau, die in dem Wohnzimmer liegt, das auch aus einem Horrorfilm entspringen könnte versucht mit aller Gewalt sich selbst und ihre Vergangenheit auszulöschen. Sie möchte nichts mehr von sich übrig wissen, nichts von ihr in Erinnerung behalten und sich selbst in einem Albtraum verwandeln, der in irgendeinem Kopf hin und wieder herumspukt. Nichts darf von ihr übrig bleiben, nicht einmal sie selbst, auch wenn sie dazu noch nicht den Mut hat. Den Mut, die Klinge so tief zu ziehen, dass so viel Blut aus ihren Adern strömt, dass sie einfach nur noch für immer schlafen kann. Auch wenn es nichts gibt, wonach sie sich in diesem Moment mehr sehnen würde. Wobei, vielleicht doch. Denn tief in ihr steckt ein Wunsch, ein Wunsch, von dem sie glaubt, dass sich, wenn er in Erfüllung geht alles ändern wird und sie endlich glücklich wird. Doch sie glaubt nicht daran, dass er wahr werden könnte. Sie glaubt nicht daran, dass tatsächlich jemand durch die Tür treten würde, der sie in den Arm nimmt und ihr sagt: „Du bist gut so wie du bist! Ich verstehe deinen Schmerz, ich verstehe dein Leid! Steh auf und wir schaffen es gemeinsam.“ Sie hat schon lange aufgegeben, schon lange den Glauben an die Wand genagelt und darüber eine Decke gehängt.
Seit beinahe 10 Jahren findet sie sich fast täglich am Ende ihrer Kräfte wieder. Es vergeht kaum eine Woche in der sich nicht versucht, sich auf irgendeine Weise das Leben zu nehmen. Drei Jahre zuvor hatte sie die wohl heftigste Selbstmord-Versuch-Phase hinter sich und eigentlich hatte sie sich danach geschworen, nie wieder so mit sich umzugehen.
Es war in Berlin und es war Sommer. Ein grauenhafter Sommer, indem sie die einzige Entscheidung fällte, die sie noch heute bitter bereut. Nach einer kuriosen Beziehung, die so schnell ihr Ende gefunden hatte, wie sie auch begonnen hatte, traf sie einen verheerenden Entschluss: ihr Sohn sollte in eine Inobhutnahme. Sie hatte sich natürlich lange darüber Gedanken gemacht und eigentlich wollte sie ihn nur für ein Wochenende abgeben, da sie mit ihren Nerven durch all die Strapazen fertig war und einfach mal etwas Ruhe brauchte, um durchzuatmen. Sie hatte keine Verwandten oder Freunde in Berlin, weil sie gerade erst in die große Hauptstadt gezogen war, also sollte eine vorübergehende Inobhutnahme ihres Sohnes, ihr wieder Kraft schenken. „Einfach mal durchatmen, einfach mal auf andere Gedanken kommen und den Kleinen nicht mit meinen Tränen und meiner Leere konfrontieren. Klar habe ich mich um ihn gekümmert und auch alles für ihn stehen und liegen gelassen, es hat ihm an nichts gemangelt, aber ich war fertig. Einfach nur fertig und wollte nicht, dass er unter meiner Depression leidet. Ich wollte nicht, dass er mich weinen sieht, dass er sich um mich sorgt. Also habe ich ihn in die Wohngruppe gebracht.“, erzählt sie unter Tränen. Auch wenn es nur eine vorübergehende Unterbringung sein sollte, wusste sie schon bereits auf dem Weg, dass sie ihren Sohn so schnell nicht wieder sehen würde. „Er schrie, er weinte und er sah mich an mit einem Blick, den ich noch heute zu verdrängen versuche, weil er mir mein Herz aufreißt und mir Tränen in die Augen schießen lässt. Er konnte nicht verstehen was passiert und wollte nur bei mir bleiben. Ich aber ging.“, sagt sie mit gebrochener Stimme. Auf dem Nachhauseweg kam sie an einem Geschäft vorbei und kaufte sich für 100 Euro Alkohol und Rasierklingen. Das ganze Wochenende betrank sie sich und versuchte, sich das Leben zu nehmen, doch sie konnte nicht, weil sie wusste, dass sie sich am Montag wieder um ihren Sohn kümmern sollte. Doch dieser sollte nicht mit so einer Mutter zusammenleben, einer Mutter die in ihren Augen auf allen Ebenen versagt hatte. Also rief sie das Jugendamt an und sagte, dass sie nicht kommen könne und ihr Sohn dort bleiben müsse. Mit Absicht versäumte sie alle Termine, die in den kommenden Tagen vereinbart wurden, damit sie als unzuverlässig galt und eine Rückführung ausgeschlossen wurde. Denn auch wenn sie ihren Sohn über alles liebte, hasste sie sich noch mehr und dieser Hass, war Gift für ihren Sohn. Kein Kind der Welt, sollte erleben wie seine Mutter leidet. Kein Kind der Welt sollte die Depressionen einer Mutter miterleben müssen, davon war sie überzeugt. Sie glaubte nicht daran, dass sie von der psychischen Krankheit geheilt werden würde, sie glaubte nicht daran, dass sie irgendwann doch noch die Kurve bekommen sollte, so wie sie es mit der Geburt ihres Sohnes geschafft hatte.
Als sie mit 15 Jahren schwanger geworden war, hatte sie alle schlechten Angewohnheiten beiseite gelegt, wieder die Schulbank gedrückt und diese als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Nach der mittleren Reife hatte sie das Gymnasium besucht und das alles als alleinerziehende junge Mutter. Von diesem Ehrgeiz war in Berlin allerdings nichts mehr zu spüren oder zumindest nicht mehr in einer positiven Form. Aus einem Wochenende ohne Sohn, wurden zwei Wochen. Nun stand für sie fest, dass es kein zurück mehr gab. Sie hatte sich für den Weg entschieden, also wollte sie ihn auch gehen. Den Weg der Selbstzerstörung. Innerhalb von drei Monaten tat sie Dinge, die sie eigentlich hätten töten sollen, doch sie starb nicht. All ihr Geld investierte sie in Schlaftabletten, Alkohol, Drogen (diese konsumierte sie dort zum ersten Mal), Rattengift, Waschpulver, Rohreiniger und Spritzen. Jeden Tag zog sie sich alles rein, was sie nur fand und war nichts zur Hand spritzte sie sich Waschpulver und Alkohol. Die Venen wären dabei jedes Mal beinahe geplatzt. Es brannte als würde sie gerade Feuer verschlucken, doch der Schmerz war nichts gegen den Schmerz, den sie in sich spürte. Dennoch wachte sie nach Tagen, Stunden oder Minuten der Ohnmacht wieder auf. Sie zog sich Plastiktüten über den Kopf, sprang von Brücken und wurde immer wieder in die psychiatrische Notaufnahme gebracht. Dort konnte sie aber meist nach einem kurzen Gespräch wieder gehen, weil sie den Psychologen vormachte, sie hätte ja Ziele, sie wolle ihren Sohn bald wieder zu sich holen und hätte sich nur von einer Brücke gestürzt, die Medikamente genommen oder was auch immer getan, weil ihre Emotionen übergelaufen waren. Ihr wurde geglaubt, aber vielleicht hatte man sich auch nicht dafür interessiert. Also wurde sie mit einer Empfehlung, zu einem Ambulanten Psychologen zu gehen, wieder nach Hause geschickt. In das Zuhause, dass sie schon vollgekotzt hatte, die Raten nicht mehr zahlen konnte und Männer ein und aus gingen, welche sie für Sex bezahlten, weil sie das Geld versoffen hatte und die Erniedrigung am ganzen Leib spüren wollte. Sie hoffte, dass irgendwann einer dabei sein würde, der in Wirklichkeit ein Serienkiller war oder den sie solange Provozieren konnte, bis er sie tot prügelte. Aber das war nie der Fall. Ganze drei Monate dauerte die Phase der Selbstzerstörung an, ganze drei Monate in welchen sie 30 Tage lang nichts aß, 7 Tage lang keinen Schluck trank und dazu noch jeden Tag Löffel mit Salz schluckte, was sich anfühlte, als würde ihr Hals aus Schmirgelpapier mit Glassplittern bestehen. Schrecklich. Jeder Schluck, war eine Qual. Selbst als sie es nicht mehr aushielt und an den Wasserhahn an der Badewanne kroch, weil sie kaum noch Kraft hatte zu laufen, konnte sie die Tropfen nur einzeln und dosiert durch ihre Kehle herunterlaufen lassen, da es sich anfühlte, als würde sie Metall mit einer scharfen Kante schlucken. Nach den drei Monaten waren ihre Arme übersät mit Narben, ihre Beine zwei mal gebrochen und ihr Gewicht auf 43 KG reduziert. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und sie hätte ihr Ziel erreicht. Doch es sollte nicht so sein. Nachdem sie zum X-ten Mal einen Sturz über 30 Meter, manchmal auch mehr je nach Brücke, überlebt hatte, obwohl sie sich fallen ließ, gab sie auf. „Es sollte nicht sein. Egal was ich tat und ich tat wirklich alles, nichts funktionierte. Ich lebte weiter. Unter Schmerzen, aber ich war am Leben. Also rief ich meine Mutter an, erzählte ihr, die Situation und bat sie meinen Sohn zu sich zu holen. Gott sei dank, tat sie das auch. Es vergingen noch ein paar Wochen, bis mein Sohn und ich wieder in Baden-Württemberg lebten, doch seither ist nichts mehr wie es vorher einmal gewesen war. Ich bin zwar nicht in Berlin gestorben, also mein physischer Körper, aber einen Teil von mir, einen sehr wichtigen Teil von mir, habe ich dort begraben.“, erzählt sie während sie dabei ins Leere starrt.
Noch immer ist der Fernseher, das einzige was den Raum beleuchtet, doch die Frau mit dem zerzausten Haar ist mittlerweile in die aufrechte Position gewechselt. Sie schaut in den Spiegel, der an der Wand hängt und betrachtet sich wie eine fremde Person. Das Blut an ihrem Unterarm ist schon getrocknet. „Nein, so möchte ich nicht mehr leben! So möchte ich nicht mehr sein! Ich hatte mir geschworen, mir nie wieder auf diese Weise zu schaden!“, sagt sie zu sich selbst. Sie öffnet die Fenster. Kalte Nachtluft durchströmt den Raum, sodass sie das erste Mal seit Stunden wieder das Gefühl hat lebendig zu sein. Noch geschwächt räumt sie das ganze Chaos zusammen, öffnet die Wohnzimmertür und läuft in die Küche um eine Mülltüte zu holen. Mit der Mülltüte in der Hand geht sie zurück ins Wohnzimmer und wird beim eintreten von ihrem eigenen Geruch der Verwesung eingehüllt. Sie verzieht ihr Gesicht und hält sich vor Ekel die Hand vor die Nase. Es dauert ein paar Stunden, bis von dem Chaos nichts mehr zu sehen ist und sie in die Badewanne steigen kann um auch sich selbst rein zu waschen. Frisch gebadet und in bequemer Kleidung setzt sie sich in das Wohnzimmer, das noch immer leicht nach kaltem Rauch riecht aber schon einladender wirkt. Aus der Kommode holt sie sich einen Block und einen Stift. Den Fernseher schaltet sie aus und dafür ihr Handy ein, um ihre Lieblingsmusik laufen zu lassen. Auf einem leeren Blatt notiert sie sich ihre Ziele, Wünsche und Träume und schreibt in fetten und großen Buchstaben: „Es kann nicht mehr so weiter gehen! Ich brauche Hilfe!“
Dies war der Tag an dem ich für mich erkannte, dass ich nur dann glücklich werde, wenn ich beginne mich selbst zu lieben. Wenn ich anfange, mir selbst meine beste Freundin zu werden und endlich mir selbst verzeihe. Dieser Tag ist nun über drei Jahre her.Alle 11 Monate regenerieren sich die Körperzellen, bis auf Zähne und bestimmte Knochenteile. Das Ich, welches Zerstörung und Auslöschung lebte, ist heute nicht mehr existent. Alles was noch von der Frau von vor drei, zwei oder einem Jahr übrig ist, zeichnet sich auf meinem Unterarm ab oder ist noch in meinen Träumen real, der Rest hat sich zu dem geformt was ich heute bin. Sahra-Latifa Anita Warrelmann, die positive Lebensfrau, die sich selbst liebt und für ihren Sohn endlich die Mutter sein kann, die er schon immer verdient hat.

 

 

Artikel aus dem Magazin „THECRAZYLIFE“ mehr auf: www.thecrazylife.de

In der Rolle einer Mutter – Interview mit Maren Albers (Name geändert)

In vielen Frauen wächst irgendwann einmal der Wunsch heran, Mutter zu werden. Dabei stellen sie sich vor wie es ist, ihr kleines Baby zu füttern, es durch die ersten Entwicklungsjahre zu begleiten und immer wieder ein Lächeln ihres Kindes für ihren Einsatz zu ernten. Sie malen sich aus wie es ist, mit ihrem Fleisch und Blut zu spielen und ihm schöne Kleider anzuziehen. Eine Vorstellung, die der eines Kindes gleicht, wenn es gemeinsam mit seinen Kindergartenfreunden in der Puppenecke Mutter-Vater-Kind spielt, denn die Realität sieht meist doch ganz anders aus. Mutter sein ist schon während der Schwangerschaft eine Herausforderung und nach der Geburt ein Kraftakt. Was es bedeutet Mutter zu sein, erzählt Maren Albers (Name geändert) (44) aus Schwäbisch Hall. Sie ist vierfache Mutter und bereits Oma eines zehn jährigen Enkels, den sie seit einigen Jahren auch mit erzieht.

Ich treffe Maren in einem gemütlichen Café am Ende der Stadt. Es ist Dienstag und Fasching. Die Bedienung begrüßt uns freundlich in einem Clownskostüm.

CrazyLife: Hallo Maren, schön, dass du trotz deines turbulenten Alltags Zeit für das Interview findest. Mit 18 Jahren wurdest du das erste Mal Mutter und mit 34 Jahren das erste Mal Oma. Wie war es für dich erstmalig in die Rolle der Mutter zu schlüpfen und das relativ jung?

Maren Albers: Ich habe mich bereits in der Schwangerschaft auf meine Mutterschaft vorbereitet. Dazu habe ich mir viele Gedanken gemacht, mir vorgestellt, wie mein zukünftiges Leben als Mutter sein könnte. Allerdings war die Rolle der Mutter keine wirkliche Umstellung, da ich schon immer ein sehr fürsorglicher Mensch gewesen bin. Eine Umstellung wurde die Mutterrolle erst mit dem zweiten Kind. Auch wenn ich wusste, was auf mich zukommt, war es eine Herausforderung, zwei Kindern die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Jedes für sich ist anders und hat andere Bedürfnisse, das war schon schwierig. Vor allem, weil das erste Kind zunächst mit Ablehnung und Eifersucht auf den Familienzuwachs reagiert hatte.

CrazyLife: Das ist sicherlich ein Spagat, den man täglich leistet und unterschiedliche Aufgaben, die man täglich meistern muss. So schlüpfst du in die Rolle der Streitschlichterin, der Entertainerin und in viele mehr. Respekt, dass du all das in deinem jungen Alter gemeistert hast.
Was hat sich für dich als Mutter verändert? Trat etwas unvorhersehbares ein, etwas mit dem du so gar nicht als Mutter gerechnet hättest?

Maren Albers (lächelt): Mein Schlafverhalten hat sich geändert, so dass ich wegen jeder Kleinigkeit wach werde. Vor der Geburt meiner ältesten Tochter hatte ich sorge, dass ich sie nachts nicht hören würde, da ich eine Tiefschläferin war. Es gab nichts, was mich wecken konnte, wenn ich es nicht wollte. Diese Bedenken haben sich aber schnell erübrigt. Meine Tochter erblickte das Licht der Welt und mein Tiefschlaf verabschiedete sich. Außerdem habe ich das Leben als „Nicht-Mutter“ weniger ernst gesehen, als ich es heute empfinde. Bzw. früher habe ich die Dinge mit einer Leichtigkeit betrachtet. Alles kommt und geht, wenn ich etwas heute nicht schaffe, kann ich es morgen noch immer erledigen. Seit meiner Mutterschaft ist das ein wenig verändert. Natürlich sehe ich vieles immer noch leichter, gehe meine Aufgaben allerdings gewissenhafter an, aber das kann auch mehr mit dem menschlichen Reifeprozess zusammenhängen, als mit der Mutterrolle. Ansonsten konnte ich mit der Mutterrolle die Worte und Erziehungsmethoden meiner eigenen Mutter nachvollziehen. Als Kind konnte ich nicht verstehen, warum es wichtig ist regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten oder warum ich jetzt nicht noch das x-te Stück Kuchen verputzen sollte, heute als Mutter allerdings, kann ich es nachvollziehen. Kinder testen immer wieder Grenzen aus und zeigen einem auch die eigenen Grenzen, das ist richtig und wichtig. Dennoch gehören konsequentes Handeln und auch mal einen Punkt setzen, zur Erziehung dazu, das habe ich erst als Mutter realisiert.

CrazyLife: Ja, manchmal darf man erst in den Schuhen eines anderen Laufen, um zu verstehen, was es bedeutet seine Schritte zu gehen. Wie ist es bei dir, verhältst du dich in deiner Mutterrolle anders, als in deiner Rolle als Maren?

Maren Albers (schüttelt den Kopf): Nein, ich bin als Mutter dieselbe wie auch als Maren, meine Charaktereigenschaften sind dieselben. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon früh Verantwortung für meine jüngeren Geschwister übernommen habe, die fünf und zehn Jahre jünger als ich sind. Ich wurde auch früh mit in die Alltagsaufgaben mit einbezogen und habe mich um den Haushalt gekümmert, weshalb ich es gewohnt war für andere da zu sein.

CrazyLife: Wie sieht es mit deiner Persönlichkeit aus, hast du das Gefühl als Mutter einen Teil deiner Persönlichkeit zu verlieren oder sie sogar zu erweitern?

Maren Albers: Sowohl als auch. Obwohl ich sagen würde, dass sich die Prioritäten verschieben. Zum Beispiel war ich, bevor ich Mutter wurde gerne künstlerisch tätig. Ich beschäftigte mich viel mit Zeichnen und Malen, wie auch mit dem Modedesign. Außerdem singe ich leidenschaftlich gerne und hätte mir auch eine professionelle Ausbildung in diesem Bereich gewünscht. Durch die frühe Schwangerschaft hieß es allerdings umdenken und mich an die neuen Umstände anpassen. Jede, die Mutter geworden ist kann, glaube ich, verstehen, dass man die ersten Monate fast ausschließlich mit der Versorgung seines Kindes beschäftigt ist. Kommt dann eines, zwei oder wie in meinem Fall drei dazu und das in kurzen Abständen, ist es kaum noch möglich seinen Talenten oder Fähigkeiten nachzugehen. Zumindest nicht mehr auf die Art und Weise, wie man sie vorher ausgelebt hatte. Also ja, ein Teil meiner Persönlichkeit oder das was mich früher ausgemacht hat, hat sich geändert. Es hat sich aber vielmehr verändert. Kreativ bin ich noch heute nur auf eine andere Art und Weise. So habe ich mich bei den Kindergeburtstagen ausgetobt, bei der Freizeitgestaltung und der Bewältigung des Alltags mit vier Kindern. So wurde aus der Kreativität und Kunst, die sich auf dem Papier ausdrückte, eine Kunst die sich in meinem Leben manifestierte und mich zur Überlebenskünstlerin formte. Ich habe durch meine Kinder meine Persönlichkeit entwickeln können, zwar nicht so wie ich es mir selbst als Kind ausgemalt habe, doch so wie es richtig ist. Wenn ich mein Leben so ansehe, dann gleicht es einer Autobahn, einer Lebensautobahn. Mit unzähligen Abzweigungen, Ausfahrten, die ich irgendwie alle genommen habe, aber dennoch bin ich immer wieder auf meiner Lebensspur gelandet.

CrazyLife: Das ist eine schöne Art seine persönliche Entwicklung zu betrachten. Nun hast du dich lange um die Erziehung deiner Kinder gekümmert und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt, bis zum Jahr 2009. In diesem Jahr hast du begonnen deinen Wünschen nachzugehen und hast im Alter von 35 Jahren noch einmal die Schulbank gedrückt und eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin begonnen. Wie war es für dich dieses Kapitel zu beginnen? Wie konntest du diese neue Herausforderung meistern? Schließlich waren deine Kinder selbst in der Pubertät und deine älteste Tochter ist mit 15 selbst zur Mutter geworden.

Maren Albers: Es war ganz und gar nicht einfach. Meine älteste Tochter, die in der Pubertät sehr schwierig war, hat glücklicherweise in einer Mutter-Kind-Einrichtung gelebt, weshalb ich mich um sie und meinen Enkel weniger sorgen musste, auch wenn man das als Mutter immer tut. Meine drei anderen Kinder befanden sich mitten in der Pubertät und brachten typische Probleme mit, die Kinder in der Pubertät mitbringen. Türen knallen, wenn man wütend ist, sich über zu wenige Klamotten in Kleiderschrank beschweren, die Musik bis nachts aufdrehen, weil man eben gerade in der Stimmung ist und so weiter, man weiß bei pubertären Kindern nie was in der nächsten Stunde passiert. Zum Glück waren derartige „Ausbrüche“ bei den Dreien, die zu Hause lebten im Rahmen. Die meiste Zeit haben sie sich an die Regeln des Haushalts gehalten und sind respektvoll miteinander umgegangen. Sie haben mich auch immer wieder unterstützt. In der Schule war es eine Umstellung für mich wieder lange zu sitzen und mich dabei mehrere Stunden auf den Unterricht zu konzentrieren, schließlich war ich es nun mehr als 16 Jahre gewohnt ständig in Bewegung zu sein und auf die Ereignisse zu reagieren. Mein Leben war turbulent und abwechslungsreich, da waren ruhige Stunden sitzend, eher die Ausnahme. Auch an die Zusammenstellung der Klasse musste ich mich erst gewöhnen, da der Großteil im Alter meiner Kinder war. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler hatten ganz andere Prioritäten, als ich sie hatte und legten einen anderen Fokus auf den Unterricht. Von den Meisten wurde der Ausbildungsgang nur deshalb gewählt, damit sie eine Ausbildung in der Tasche haben, was sie genau wollten oder wohin es sie in ihrem Leben führt, war einigen nicht klar. Aber wie soll man das auch in dem Alter wissen. Es war interessant zu sehen wie sich das Alter und die Lebenserfahrung auf eine Person auswirken. Dennoch war die Ausbildung kein Zuckerschlecken für mich, was man in meinem Alter meinen könnte. Ich war lange aus dem Schulalltag draußen, musste mich neu ans lernen, an Klausuren gewöhnen und die ein oder anderen alten Fertigkeiten auffrischen.

CrazyLife: Bewundernswert. Zwei Jahre nachdem du deine Ausbildung begonnen hattest und dich an die Rolle der Auszubildenden gewöhnen konntest trat eine weitere ungeplante Herausforderung in dein Leben. Du hast deinen drei jährigen Enkelsohn zu dir aufgenommen, nachdem er von seiner Mutter, deiner Tochter nicht mehr versorgt werden konnte. Er lebt bis heute bei dir. Mittlerweile ist er schon beinahe zehn Jahre alt, du hast deine Ausbildung mit sehr guten Noten beendet und deine Kinder sind schon junge Erwachsene im Studium und in der Ausbildung. Nun übst du als Oma die Rolle der Mutter aus, wie geht es dir damit?

Maren Albers: Die Anfangszeit war sehr schwierig, vor allem, weil mein Ekelsohn unter der Trennung von seiner Mutter und den neuen Umständen litt. Es dauerte Monate ihn an sein neues Leben zu gewöhnen und es ist, ehrlich gesagt, heute noch ein Kraftakt. Am Anfang hatte ich mir sogar überlegt meine Ausbildung zu beenden und mich nur auf den Kleinen zu konzentrieren, denn er tat mir leid und brauchte einfach volle Aufmerksamkeit. Natürlich machte mich das traurig und ich war auch enttäuscht, schließlich habe ich so lange für die Ausbildung gekämpft, die ich für mich tat, um nicht nur als Hilfskraft durchs Leben zu gehen. Zum Glück unterstützten mich mein Mann und meine anderen drei Kinder, die zu dieser Zeit alle im Haushalt lebten. Jeder von ihnen steckte zurück, packte mit an und trug zu einem fast reibungslosen Alltag mit bei, sonst wäre die Situation wohl nicht möglich gewesen. So hatte ich die Möglichkeit meine Ausbildung erfolgreich zu beenden. Auch als es danach um die Anstellung ging, hatte ich das Glück im ambulanten Bereich einer Einrichtung beginnen zu können, wodurch ich meine Arbeitszeiten relativ flexibel gestalten konnte und somit meine Arbeit auf die neuen Umstände anpassen konnte. Das ist für sich schon eine Herausforderung, doch für mich persönlich liegt die Schwierigkeit im sozialen Alltag. Bei der Erziehung meiner Kinder, war ich alleine für sie verantwortlich. Die Verantwortung für alle Angelegenheiten, die meine Kinder betrafen, lag bei mir. Die Entscheidung was sie tragen, welche Nahrung sie zu sich nehmen, wann sie zu Bett gehen, wie ich bei Krankheit auf sie zugehe, doch bei meinem Enkelsohn gibt es ja noch Mama und Papa. Beide sind im Alltagsgeschehen nicht beteiligt, doch sie sind die Eltern und sehen die ein oder anderen Dinge anders als ich. Das heißt für mich, in fast jeder Situation abzuwägen, was die Eltern wohl dazu sagen würden. Natürlich entscheide ich heute freier und mehr aus meinem Bauch heraus, als noch am Anfang. Letztendlich trage ich die Kämpfe bei Diskussionen aus, tröste ihn, wenn er geärgert wurde, lerne mit ihm auf Tests und Arbeiten und kümmere mich bei Krankheit um ihn. Dennoch sind seine Eltern immer präsent. Hat er warme Kleider an? Passt er auf, wenn er irgendwo hinaufklettert? Trägt er seinen Helm? Hoffentlich passiert dem Jungen nichts wenn er… tut, denke ich mir täglich. Mehr, als ich es bei meinen eigenen Kindern tat. Bei ihnen hatte ich die Haltung: Geht raus und lebt! Ihr müsst Fehler machen merken, dass die Kochplatte heiß ist, um aus euren eigenen Erfahrungen lernen zu können. Bei meinem Enkel hingegen fällt es mir schwer diese Leichtigkeit zuzulassen. Schließlich kommen die Eltern dann auf mich zu, wenn er sich bei einem Sturz verletzt oder in der Schule nicht die Leistung erbringt, die sie sich vielleicht wünschen. Ich trage also die Verantwortung anderer zu meiner eigenen, das ist die Schwierigkeit. Ich würde lieber die Rolle der Oma einnehmen, wie sie beispielsweise meine Tochter gerade ausübt. Sie ist da, schenkt ihm für eine bestimmte Zeit volle Aufmerksamkeit, unternimmt mit ihm, die aufregendsten Dinge, was sie auch kann, weil sie die Besuchszeiten auf ihn abstimmt. Sie muss sich wenig mit Diskussionen auseinandersetzen oder Konflikte lösen. Sie bekommt auch nicht den Ärger des Jungen ab, denn er hat, weil er nicht in einer klassischen Familiensituation lebt oder wenn er mal keine Lust auf das Gericht hat, das ich gekocht habe, weil er wie jedes Kind halt jetzt lieber Pizza essen möchte. Doch diese Rolle kann ich derzeit nicht ausüben, weil mein Enkel das von mir fordert, was er von einer Mutter fordert. Er braucht Grenzen, er braucht Struktur und einen geregelten Alltag, den ich ihm biete. Ich mache all das nicht, weil ich gerne noch einmal in die Rolle der Mutter wollte, sondern weil ich meine Tochter unterstütze, weil es für mich keine Option war, das ein Teil unserer Familie in einer Pflegefamilie kommt oder in einer Unterbringung aufwächst. Meine Motivation dabei, ist die Liebe zu meiner Familie.

CrazyLife: Ich bin gerührt von deiner Aufopferung, die es ja irgendwo auch ist und beeindruckt von deiner Stärke, die in dir lebt. Meinen Respekt an deine Leistung. Eine Frage aber bleibt mir noch: Woher nimmst du deine Kraft und wo bleibst du?

Maren Albers: Für mich gibt es wenig Zeit, daher bin ich um jedes Zeitgeschenk dankbar, das ich erhalte. Meine Kraft? Ich denke, die war schon immer in mir enthalten und ich bin überzeugt, dass ich sie von Gott bekommen habe. Schon in der kleinen jungen Maren war dies erkennbar. Wenn ich etwas möchte, dann muss ich mein Bestes tun um es zu erreichen. Ich möchte, dass es meiner Familie gut geht und ich möchte auch für mich, am besten noch bevor ich in Rente gehe, ein erfülltes und glückliches Leben. Daher setze ich alles daran, dass es auch so passiert.

Artikel aus dem TheCrazyLife Magazin mehr auf: www.thecrazylife.de

Simona Aurelia Maier Ein Strahlemensch, der nicht nur innerliche Barrieren bezwang

Blonde Locken, rote Lippen und ein Lächeln, das jeden in den Bann zieht. Simona Maier ist eine großgewachsene, sympathische Frau, die mit ihrer vielschichtigen Persönlichkeit überzeugt.

Die 27 Jahre junge Kurpfälzerin ist Winzermeisterin und Inhaberin ihrer eigenen Weinmanufaktur am Heiligenstein. Täglich arbeitet sie auf ihrem fünf Hektar großem Weinberg. Manchmal hilft ihre Mutter beim Pflegen und Kultivieren der Weinreben, doch den Großteil der Aufgaben, darunter die Herstellung und Vermarktung des Weines, übernimmt die taffe Frau alleine.

Ein eigenes Unternehmen zu führen ist nicht einfach. Es bedarf einer Menge Disziplin, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und einem eisernen Willen. Dass diese Eigenschaften in ihr vorhanden sind, beweist sie täglich und das nicht nur als Winzermeisterin, denn die einfühlsame Frau wurde im Körper eines Mannes geboren. Erst seit einem Jahr lebt sie amtlich als Frau.
Es dauerte 25 Jahre bis Simona ihre wahre Persönlichkeit, ihr wahres Ich nach außen tragen konnte und als die Person leben konnte, die sie im Inneren schon immer gewesen ist.

„Vor noch einem Jahr hättest du mich nicht so glücklich und strahlend vor der Kamera stehen gesehen.“, sagt sie während den Fotoaufnahmen und spielt damit auf die Strapazen der letzten Jahre an. Die Zeit vor und nach ihrem Outing, die hormonellen Veränderungen, die Suche nach passenden Ärzten und die alltäglichen Vorurteile gegenüber Transgender-Menschen zerrten an ihren Nerven.
Sie musste sich ein dickes Fell zulegen und sich darunter ihrer selbst ganz und gar bewusst werden. Das heißt: Zu ihrem wahren Ich zu stehen. Damit sie nicht nur ihrem Traum der vollkommenen Frau näher kommt, sondern auch in der noch immer konservativen Winzerbranche etabliert wird.

Simona Aurelia Maier gibt nicht auf und positioniert sich mit starkem Auftreten in der Gesellschaft. „Ich bin ich! Ich fühle mich als Frau und bin es auch. Durch meine Transsexualität bin ich keine andere Person, ich passe meinen Körper lediglich an meine Persönlichkeit an!“

Nicht viele Menschen wissen, wer sie sind, Simona Aurelia Maier aber hat sich ihr Leben lang mit ihrer Identität auseinandergesetzt und kann sich, nach kostspieligen Investitionen und innerem Bergeversetzen, ganz klar zu sich selbst positionieren. Somit ist sie nicht nur Vorbild für Transgender-Menschen, wie in der Jugendgruppe, die sie betreut, sondern vielleicht auch für alle anderen, die an sich zweifeln.

Photo by: Sahra-Latifa A. Warrelmann

Der Artikel stammt aus dem neuen „THE CRAZYLIFE MAGAZIN“. Mehr dazu auf: www.thecrazylife.de

Simona Maiers Homepage: http://weinmanufaktur-heiligenstein.de/presite/