Schwarz und Weiß (Personifizierung von Gegensätzen)

Schwarz ist oftmals seht traurig, weil alles von ihm verschluckt wird. Niemand ist lange bei ihm. Deswegen fühlt er sich oft alleine. Damit hat er allerdings umgehen gelernt.
Seine lichtabsorbierende Fähigkeit nutzt er, um die ein oder andere Person schlanker wirken zu lassen. Auch Rockstars fühlen sich in Schwarzs Nähe wohler. Durch ihn scheinen sie gefährlich und auch düster.

Auch das Dunkle bedient sich den vielen Eigenschaften. So wird Schwarz für satanistische Rituale, Einbrüche, Morde und andere Gewalttaten verwendet.
Das aber gefällt Schwarz ganz und gar nicht. Er möchte kein Symbol des Bösens sein. Eigentlich möchte er viel lieber für seine anderen Fähigkeiten berühmt sein. Schließlich verdankt der Mensch ihm allein, dass Nachts die Sterne sichtbar sind, dass wir Konturen erkennen und das geschriebene Wort auf einem Blatt Papier lesen können. Auch unser ständiger Begleiter, der Schatten wird durch Schwarz erst real.

Zum Glück gibt es Weiß, die Zwillingsschwester von Schwarz. Mit ihrem erhellenden Wesen muntert sie ihren Bruder – wann immer er traurig ist – auf. Sie bringt Licht ins dunkle Chaos, damit Schwarz sich wieder sortieren kann. Sie sieht sich als sein ganz persönliches Gegenstück, denn ohne ihn könnte sie mit ihrer hellen Ausstrahlung gar keine weißen Sterne an den Himmel zaubern.

Sie ist grundsätzlich positiv gestimmt und versucht mittels ihrer Talente, die Menschen glücklich zu machen. An den Wohnzimmerwänden gepinselt, scheinen die Räume durch Weiß viel größer und als Papier kann sie jedem die Möglichkeit bieten, aus einer Idee ein Meisterwerk, zu schaffen. Auch Frauen lieben Weiß, gerade an einem ganz besonderen Tag in ihrem Leben. Da darf weiß auf dem Körper einer Braut, als Kleid getarnt sogar beim Ja-Wort dabei sein. Weiß, das lebensfrohe Gegenstück zum depressiven Schwarz.

 

#Texter #Personifizierung #Gegensätze #Unterschiede #Fantasy

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Freiheit im Winterland

Eine Fantasy-Kurzgeschichte für Träumer

Die Flügel flattern unentwegt. Die kleine Lichterfee hat sich in einem Baum verfangen und versucht sich schon seit unzähligen Minuten zu befreien. Ihre grünen Flügel, die im Licht durchsichtig schimmern, haben sich in den Ästen eines ihr unbekannten Baum verfangen. Denn Lerona, die Lichterfee aus dem schönen Salamland, das geprägt von Hügeln und Tälern ist, ist dabei einen großen Fehler zu begehen, auch wenn sie selbst vollkommen überzeugt davon ist, das Richtige zu tun. Noch einmal möchte sie versuchen, sich aus dem feinen Ästen, zu befreien. Sie holt tief Luft, streift sich eines ihrer brauen Locken zur Seite und konzentriert sich auf das Schlagen ihrer Flügel. Vor lauter Anstrengung wird ihr Kopf, der durch ihre leicht gebräunte Haut nur selten eine andere Farbe einnimmt, rot wie die Feuerdrachen Tomaten in ihrer Heimat.

Es hat keinen Zweck!“ denkt sich Lerona.

Ich bin bis ans Ende meiner Tage hier gefangen! Ach Mutter hatte Recht, ich hätte nicht fliegen dürfen. Ich hätte nicht einfach davonfliegen dürfen. Aber mir bleibt doch keine andere Wahl. Ich kann nicht mehr zurück, nicht in diese Welt.“

Eine Träne läuft über ihr Gesicht und ihre grünbraunen Augen beginnen sich im Tränenwasser zu spiegeln, sodass es scheint, als wären ihre Augen in einem kostbaren Glas eingeschlossen. „Ist den niemand hier?“, schreit sie, als sie bemerkt, dass es um sie herum immer dunkler wird. „Ich verachte die Dunkelheit! Warum habe ich nur die Grenzen von Salamland verlassen? Ach wäre ich nur zu Hause, dann könnte ich in der immer scheinenden Sonne liegen und den kleinen Schmetterlingen zu schauen.“ Die Nacht bricht ein, Lerona ist noch immer in den Ästen gefangen. Sie versucht sich die Angst zu nehmen, indem sie über ihren Weg mit sich selbst philosophiert. Sie möchte sich Mut machen und an ihrer Mission festhalten, auch wenn ihr gerade einfach nur nach ihrem warmen Bett ist. „Komm schon Lerona, du wolltest das alles! Also lass dich jetzt nicht von ein paar Ästen und der Dunkelheit unterkriegen!“, sagte sie zu sich selbst.

Gerade als sie einen dickeren Ast zu ihrer Rechten mit den Fußen zu sich her zog, brüllte ihr eine sanfte Männerstimme mit einem sarkastischen Unterton, ein lautes „Hallo“ ins Ohr. Vor lauter Schreck beginnt sie so stark mit ihren Flügeln zu schlagen, dass die Äste darin nachgeben und sie loslassen. Sie fällt in die Tiefe und ihre Schreie hallen als Echo wieder. Ihre Flügel scheinen durch den Schock blockiert. Nur noch wenige Meter trennen sie vom kalten, harten Boden, der sie und auch ihre wunderschönen Flügel in Teile zerschlagen wird. Sie fällt in Ohnmacht.

Die Vögel zwitschern, die Luft ist warm und riecht nach süßem Wasser, als wäre ein See in der Nähe. Weit und breit gibt es nichts als eine Grasweide zu sehen. In der Mitte des Feldes sind die Grashalme verbogen und formieren sich zu einem Kreis. Lerona liegt wie ein Baby zusammengekauert im Gras. Ihre Flügel sind zerkratzt und an einigen Stellen angerissen. Auch ihr Körper ist mit blauen Flecken versehen.

„Alles ist schwarz um mich herum. Wo bin ich? Ich kann meine Augen nicht öffnen. Jede Faser in mir schmerzt. Wo bin ich? Was ist passiert? Halt, steckte ich nicht in den Ästen fest? Meine Flügel! Ich spüre meine Flügel nicht mehr!“ 

Vor lauter Sorge um ihre Flügel, richtet sich Lerona ruckartig auf. Ihr Gehirn beginnt zu pochen und sich an ihre Schädeldecke zu drücken. Ihr wird schwindlig. Sie fällt zu Boden. Einige Stunden später öffnet die kleine Lichterfee erneut ihre Augen. Dieses mal allerdings sanft. Als ihr bewusst wurde, dass sie gestürzt ist und dabei nicht nur Prellungen aufweist, sondern auch ihre Flügel angeschlagen sind, schießen Tränen aus ihr heraus.

„Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wie konnte ich nur so blöd sein und auf eine solch gefährliche Reise aufbrechen. Eine Reise ins Ungewisse und wofür? Für ein bisschen mehr Selbsterkenntnis, um meine wahre Bestimmung zu finden? Ich hatte meine wahre Bestimmung bereits. Zu Hause in Salamland. Ich war verlobt mit diesem wunderbaren Mann, und das nicht nur einfach einen Mann, nein, den! Jasper, der Prinz von Heping! Wow, was für ein Elf. Niemand war so talentiert wie er es war, wenn es um Musik ging. Niemand hatte mich jemals so mit seinen Blicken anziehen können. Aber abgesehen davon, war ich in der Forschung gerade dabei einen Durchbruch zu erreichen. Mann, ich hatte Jahre in mein Studium investiert, ich hatte sogar auf meine Feenstaub Ration verzichtet, um meine Studie weiterhin am laufen zu halten. Es wäre nicht mehr viel nötig gewesen, dann hätte ich nicht nur das Heilmittel finden können, nein ich hätte damit…

Na ja ganz egal. Hätte, Hätte. Fakt ist. Ich liege hier in irgendeinem Grasloch. Warte mal, wie bin ich hier eigentlich her gekommen. Der Boden auf den ich viel war doch erdig und hart!“

Bähm. Ein Schmerz durchfährt Leronas Kopf. Es fühlt sich an als hätte ihr gerade jemand ein Stein mit der Spitze, in einer Wucht auf den Hinterkopf geschlagen. Erneut fällt sie zu Boden. Dieses mal ist sie nicht nur ein paar Stunden bewusstlos. Drei Tage dauert es bis sie wieder ihre Augen öffnet, das allerdings nicht ohne Grund. Das wackeln und knarren eines alten Holzwagens hat sie geweckt. Ihr kleiner Körper, der durch die Anstrengung der letzten Tage sehr mitgenommen aussieht, rollt durch die Bewegung, des Wagens auf der Ablage hin und her. Sie bekommt gar nicht mit, dass sie von ein paar Waldelfen, die auf der Weide auf Jagd waren, gefunden wurde. Die Jäger sind mit samt Beute und Lerona im Gepäck auf dem Weg in die Stadt. Dort warten bereits elfische Heiler auf die verletzte Lichterfee.

In einer kleinen violette Hütten, die über den Bäumen schwebt und mit vielen Lichtern geschmückt ist, wird Lerona versorgt. Fünf Elfen mit unterschiedlichen Kräften stehen um das Bett aus Maisblättern, herum. Jeder von ihnen muss ganze drei Feenstaubrationen aufbrauchen, bis die geschwächte junge Feenfrau wieder zu Kräften kommt. Ihre Flügel waren so stark beschädigt, dass das Kräftezentrum im linken Gehirnareal ein biochemischen Kurzschluss verursachte. Das passiert dann, wenn Feen stark traumatisiert wurden, meist durch eine Beschädigung der Feenflügel. Sie sind quasi die Essenz der Feen und Elfen Kräfte und auch der Grund, weshalb sie letztendlich Feen/Elfen genannt werden. Ansonsten sind sie ja nur kleine Menschen. Zumindest fühlte sich Lerona, wie ein wertloser kleiner Mensch, als sie von einem der Heiler erfuhr, dass sie wohl nie wieder fliegen kann und das alles wegen ihrer Bestimmung. Wo war sie nun ihre Bestimmung? Soll es das gewesen sein, ist sie den weiten Weg in Richtung Winterland gereist, um ihren wahren Wert zu erfahren, dabei hat sie noch nicht einmal Winterland erreicht. Ohne die mahnenden Worte der Heiler zu beachten läuft sie einen kleinen Weg in Richtung Wald entlang. Sie sollte sich zur Ruhe legen, sich schonen und sich zu den hängenden Schlafhütten bewegen. Ohne Flügel ist das ein Weg der mindestens drei Tage andauert. Bis sie angekommen ist, stürzt sie bestimmt erneut ab, weil ihr Körper die Anstrengungen nicht mehr aushält. Klar sie hätte auf einen der Schmetterlinge reiten können, aber fliegen ohne selbst zu fliegen, ist als würde man nur beim Essen zu sehen als es selbst zu essen. Folter in Leronas Augen. Kurz bevor sie den Wald erreicht, kommt sie an einem von Blumen umringten Tümpel vorbei. Sie läuft zu einem großen Stein der am Wasserrand liegt. Für einen Moment hält sie inne und beobachtet die kleinen Wellen auf dem grünen Wasser, die von kleinen Wasserbewohnern geschlagen werden. Sie beschließt auf dem Stein für einen Augenblick auszuruhen. Eine kurze Weile hat sie die Wasserbewohner beobachtet, bis sie einfach nur noch einen Punkt fokussierte und ihn anstarrte. Würde man sie fragen, hätte sie keine Antwort darauf, was sie fokussierte. Sie war einfach nur weg und leer. Die innere Leere wurde unterbrochen, als sie durch ein hartnäckiges Stupsen an ihrer Schulter gestört wurde. Sie dreht sich um und erstarrt als sieht wer sie da gerade angestupst hatte. Ein Elf, dessen Flügel gestutzt wurden, schaut sie mit seinen mandelförmigen, großen brauen Augen tief an. „Wo bin ich?“ fragte Lerona ohne nachzudenken. Ich muss ins Winterland, so schnell wie möglich. Der Elf streckt seine Arme aus. Schau dich doch um, du bist im Winterland. Lerona blickt sich um, ein Lächeln huscht ihr das erste Mal seit langem übers Gesicht.

Es schneit.

#Fantasy #Peaceandlove #Geschichten #Träumen #Kurzgeschichten

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Ein letzter Brief

I need her! No, I don´t want her! Get out of my mind. Fuck get out of my mind!

E: „William ist alles okay bei dir? William hörst du mir überhaupt gerade zu?“

W: „Entschuldige, hast du etwas gesagt? Ich war gerade in Gedanken.“

E: „Ja, das ist mir aufgefallen! Du hast nun über drei Minuten einfach in die Leere gestarrt. Ist wirklich alles in Ordnung mit dir?“

William beachtet die Worte seiner Begleiterin nicht. Stattdessen kramt er aus seiner Hosentasche zwei 5-Euro-Scheine heraus. Er legt sie auf den Tisch neben dem Kaffee, den er halb ausgetrunken hatte. Emely, seine Begleiterin und Arbeitskollegin, sitzt ihm gegenüber und beobachtet sein Handeln wortlos. Ohne seiner Begleiterin eines Blickes zu würdigen, streift er seine Jacke über und richtet seinen Kragen nach oben,  sodass nur noch die obere Hälfte seines Gesichts zu erkennen ist. Noch einmal versucht Emely seine Gedanken zu erfassen.

E: „Was ist den los William? Wo willst du denn jetzt hin?“

Wieder richtet er den Kragen seines Mantels auf, dreht ihr den Rücken zu und lässt sie mit einem leise gemurmelten >Entschuldigung< stehen. „Halt! William, du kannst nicht mehr zurück! William, vergiss es! William, komm zurück!“, ruft Emily ihm nach. Doch vergebens. William läuft ohne sich umzudrehen in Richtung Hauptstraße.

What have I done? Why did I left her? It´s my fault! It´s all my fault! No, it was her! She was hurting me…

Wie betrunken takelt er in Gedanken versunken über die Hauptstraße. Aus heiterem Himmel schlägt er sich die Hände auf den Kopf und schreit: „GO OUT OF MY MIND!“ Die Passanten schauen den Mann im Mantel geschockt, verwundert und entsetzt an, ihn aber kümmern weder ihre Blicke noch ihre Vermutungen. Nach zehn Minuten Fußweg biegt er in eine Querstraße ein – eine Sackgasse. Am Ende der Straße liegen Trümmer, wo einst ein großes Gebäude stand. Jetzt ist davon nur noch Schutt und Asche übrig. Auf einem Schild nicht weit von den Trümmern entfernt sind folgende Worte eingraviert: Ehemaliges Office of Arts. Wir gedenken an unsere verstorbenen Mitarbeiter, die aufgrund verspäteter Evakuierung ihr Leben verloren.

Tränen laufen über sein Gesicht. It´s my fault. I could have saved her, but I left her! Aus seinem Mantel zieht er einen Brief. Die Worte sind kaum noch lesbar, da sie durch Tränen auf dem Blatt Papier verwelkten. Dennoch versucht er die Zeilen still zu lesen. Er möchte sie noch einmal in Erinnerung rufen, ihr noch einmal Nahe sein. Während er die Zeilen liest, stellt er sich vor, wie sie an ihrem Schreibtisch sitzt. Der Tisch, an dem sie früher gemeinsam saßen und philosophierten.  Er ruft sich ihre Erscheinung vor Augen. Wahrscheinlich verfasste sie unter Tränen, den letzten Brief an ihn.

Dear William,
When I saw you for the first time, I realized that you are the man I want to share my life with. You are the man with whom I want to share experiences, even my whole self. But you did not want to see who I am to you. You did not want to see me as a whole. You kept me at a distance and pushed me away from you. That’s why I go back to Germany and take the job in the „Office of Arts“.
Now we go different ways, because we never really went common ways.
I wish you all the best. Take care of yourself.
Loreen.

 

 

Danke fürs Lesen.

Peace and Love ❤

Sahra-Latifa

Interessierst du dich für das Thema Vertrauen? Dann könnte dich dieser Beitrag interessieren 🙂   Vertrauen – ein kostbares Gut!

Am Ende siegt die innere Schönheit

Ein Leben unter einer eifersüchtigen und narzisstischen Stiefmutter kann der wahr gewordene Albtraum für ein Kind sein. Gastautorin Schneewittchen schreibt in unserem Magazin über ihre Eindrücke während der Tyrannei ihrer Stiefmutter.

Ich war gerade mal sieben Jahre alt als mich meine Stiefmutter von einem unserer Jäger töten lassen wollte – und das weil sie glaubte, dass ich hübscher sei als sie es jemals sein wird.

Meine Stiefmutter, eine schrecklich hübsche Frau. Sie litt so sehr unter Komplexen, die sie natürlich nicht nach außen trug. So wunderhübsch sie auch war, so verbittert und innerlich kalt war sie. Ich weiß nicht warum sie sich selbst nicht akzeptieren konnte. Schließlich wurde sie von allen Frauen im Lande beneidet. Sie war die Frau, die meinen Vater heiraten durfte. Sie war die Frau mit Engelsgesicht, die sich Königin nennen durfte.

Nach dem Tod meiner Mutter hatte keiner vermutet, dass mein Vater noch einmal heiraten würde, so traurig wie er war. Meine Mutter war nicht nur seine große Liebe, sondern auch seine Stütze in allen Belangen. Sie war liebenswürdig, hatte für unser Volk immer Zeit und betrachtete niemanden jemals von oben herab. Sie aß mit den Bauern zu Mittag und hatte keine Scheu sich gemeinsam mit unseren damaligen Bediensteten, die Hände schmutzig zu machen. Sie war der Meinung, dass wir alle Menschen sind. Alles was uns unterscheidet, sind die Aufgaben die wir bewältigen müssen. Aber nur weil jemand besser zum herrschen geeignet ist, bedeutet das nicht, dass er auch besser ist. Mein Vater schätzte ihre Art und beteuerte in seinen Tagebüchern immer wieder, wie sehr er Mutters äußere aber auch innere Schönheit liebte. Ja sie strahlte förmlich.

Meine Stiefmutter mochte vielleicht einmal diese Ausstrahlung besessen haben, ich aber habe sie nie wirklich gespürt. Sie hatte zu mir schon als Kind eine Distanz aufgebaut und mich zu unseren Hausmädchen in einem Raum ganz weit über den Dächern der Stadt bringen lassen. Sie konnte und wollte mich nicht sehen. Heute glaube ich es lag daran, dass ich meiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ähnelte und sie wusste, dass sie ihr niemals ähneln könnte. Sie war zu verschlossen, es mangelte ihr an Selbst- und Nächstenliebe. Vielleicht aber lag es auch daran, dass sie selbst keine Kinder bekommen konnte und dadurch glaubte, mein Vater würde sie verlassen. Ja, vielleicht hat gerade das sie verängstigt und verunsichert. Vielleicht hat sie deswegen, mich nicht ansehen können, weil ich sie an Ihre Unfähigkeit erinnerte. Mein Vater hätte sie sicherlich nicht verlassen. Er liebte sie, auch wenn sie es ihm nicht glaubte. Sie unterstellte ihm ständig untreue, warf eine Frau nach den anderen in den Kerker. Angeblich wegen Hochverrats oder sonstige Belangen, die ich allerdings bis heute bezweifle. Meiner Meinung nach war es ihre Eifersucht, die sich zu diesem Handeln trieb. Wie auch der Tod meines Vaters. Es war schrecklich. Er wurde brutal getötet. Ich bekomme noch heute Gänsehaut wenn ich daran denke. Auch wenn niemals ihre Schuld bewiesen wurde, bin ich sicher, dass meine Stiefmutter daran beteiligt war. Sie hatte ihm nie geglaubt, ständig gab es Streit. So viele Male drohte sie ihm an, ihn zu töten, wenn sie ihn mit einer andern Frau sehe. Wer weiß, auf welche wahnhaften Gedanken, sie gekommen ist. Aber nun denn, das ist Geschichte und nicht mehr zu beweisen schließlich sind beide mittlerweile tot.

Meine Kindheit war kein wirkliches Zuckerschlecken, auch wenn man das als Prinzessin eines Königreichs, das mehrere Länder umfasst vermuten könnte. Nach dem Tod meines Vaters blieb mir einzig und allein meine Stiefmutter, wenn man sie überhaupt als Mutter bezeichnen könnte. Ich glaube das Leben mit ihr wäre nicht all zu schlimm geworden, hätte ihr Wahn nicht voll und ganz in krankhafte Züge angenommen. Im Schloss gab es einen Raum, den keiner außer sie betreten durfte. Absolut keiner. Ein Bauers Junge hatte sich einmal versehentlich in den Raum gewagt, weil er sich verirrt hatte. Ohne Erbarmen hat sie ihn Vier teilen lassen. Alle mussten als Mahnmal zusehen. Dabei war der Junge gerade einmal sieben Jahre alt. Ich hatte nie verstanden was sie darin suchte oder sich darin verbarg. Sie verbrachte darin oft Stunden. Manchmal wenn ich nicht schlafen konnte und es im ganzen Schloss totenstill war, lief ich in den Gängen umher. Ging ich an dem verbotenen Raum vorbei, konnte ich sie irgendetwas von Schönheit murmeln hören. Hin und wieder fluchte sie und ein paar Stunden später landete eine Frau oder junges Mädchen meist wunderschön auf dem Scheiterhaufen oder wurde auf andere Weise brutal getötet. Die Männer wurden allesamt verschont, sodass schnell unter unserm Volk Gerüchte von böser Magie und teuflischen Ritualen aufkamen. Familien trauten sich nicht mehr Mädchen zur Welt, zu bringen und ließen ihre Töchter meist nach der Geburt töten, um plötzliche Hinrichtungen zu vermeiden. Die Männer, die nicht bereits Frauen an den Scheiterhaufen verloren hatten und deshalb todtraurig waren, zogen in andere Königreiche um dort ihre Liebe finden zu können. Da sich die Bevölkerung schmälerte, wurden die Ressourcen knapper, den es gab keine Arbeiter mehr, die das ganze Reich verwalteten und ohne Ressourcen gab es weder schöne Kleider, Make-Up noch teures Parfüm für meine edle Königs Stiefmutter. Dass, das ihr nicht passte spürte das Volk recht schnell, denn sie lies Mauern rund um unsere Länder errichten, positionierte Soldaten an den Grenzen, die den Befehl trugen, jeden zu töten, der das Königreich verlassen wollte. Mit Ausnahme von Händlern, Booten oder sonstigen Partnern.

Ich habe diese Schreckensherrschaft glücklicherweise nie erlebt, denn bereits Jahre zu vor wurde ich von unserem Jäger im Wald ausgesetzt. Eigentlich sollte er mich töten. Doch er war ein Freund meiner Eltern. Als er in meine Augen sah, brachte er es einfach nicht übers Herz. Also rannte ich tief in den Wald. Natürlich hatte ich bitterlich Angst. Ich war gerade mal sieben. Als die Nacht einbrach, stürzte ich und wachte am nächsten Tag in einem kleinen Häuschen mit Inventar, dass so groß war, wie ich auch, auf. Kleinwüchsige Menschen aller Länder, die ausgesetzt wurden, weil sie auf die Bevölkerung seltsam wirkten hatten mich gefunden. Sie nannten sich selbst Zwerge und arbeiteten in Mienen. Ein Glück für sie, denn dort gruben sie Edelsteine, Gold und andere Wertmetalle ohne Ende aus. Das machte sie reich und so konnten sie ihr kleines, geräumiges Häuschen versteckt im Wald errichten. Sieben waren es insgesamt. Sie zogen mich auf und halfen mir zu vergessen, nicht nur das sie retteten mein Leben. Ich konnte in ihrer Bibliothek das Lesen lernen und von wilden Abenteuer erfahren. Ich lernte Sprachen und verbrachte so viel Zeit wie möglich in der Natur, sodass ich nach ein paar Jahren, fast jedes Tier benennen konnte und irgendwie auch ihre Sprache verstand. Es war eine befreiende, ja sogar belebende Zeit, die ich schätze und wovon ich heute profitiere.

Dieses Glück war kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag zu Ende. Drei verschiedene Frauen, die sich später als eine und meine Stiefmutter entpuppten, wickelten mich in ein Gespräch ein. Das erste Mal wurde mir ein vergiftetes Riemen geschenkt und angelegt, das zweite Mal war es ein in Gift getränkter Kamm der mein Haar und somit meine ganze Blutbahn vergiftete. Wodurch ich jedes Mal kurz vor dem Tode stand. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und ich wäre an dem Gift gestorben, das meine Kehle zuschnürte, jedes meiner Muskeln zum Zucken brachte und mich fühlen lies, als würde ich lebendig skalpiert werden. Jedes Mal fand mich Grindel, der Zwerg der aus einer Ärzte-Familie stammte und mehr Wissen besaß, als ich es jemals erlangen konnte. Er wusste schnell anhand meiner Symptome welches Gift mir verabreicht wurde und gab mir das Gegengift. Es dauerte Wochen bis ich mich von den Qualen erholte. Traumatisiert von den Frauen/meiner Stiefmutter zog ich mich ins Haus zurück. Ich wollte niemanden mehr sehen und traute keinem Menschen mehr, der über 140 cm groß war. Bis eines Tages eine alte Frau, die sich ebenfalls als meine Stiefmutter in Verkleidung entpuppte, wie wild an unserer Tür klopfte und bitterlich um Hilfe schrie. Ich konnte keinem Hilfeschrei aus dem Weg gehen also sah ich aus dem Fenster nach was geschehen war. Vor unserer Tür lag eine ältere Dame gestürzt und mit Blut übersehen. Meine Stiefmutter hatte sich absichtlich nicht nur das Bein gebrochen, sondern einen Knochen herausschauen lassen, damit ich ihr vertraute. Sie erzählte mir eine Geschichte von einem wilden Tier, das sie verfolgt hatte, während sie versucht aus meiner alten Heimat zu fliehen, wegen der schrecklichen Missstände. Natürlich hatte ich sofort Mitleid mit ihr und fühlte mich an meine Vergangenheit erinnert. Ich konnte nicht anders als sie ins Haus zu bitten und sie zu versorgen. Als Dank meiner Hilfe, schenkte sie mir einen Apfel aus ihrem Rucksack, den sie, wie sie sagte als Proviant bei sich trug. Ich wollte ihn zunächst nicht annehmen, weil ihren letzten Apfel nicht essen wollte. Doch sie bestand darauf und schlug vor ihn mit mir zu teilen. Also aß ich eine Hälfte und sie die andere. Als ich bei meinem letzten Biss angekommen war, veränderte sich ihr Blick und das wusste ich wer sie war und das ich mit dem Apfel den Tod zu mir genommen hatte. Es dauerte ein paar Sekunden und das letzte was ich spürte war wie mein Kopf auf den Boden aufprallte.

Dieses Mal wusste keiner meiner Ziehonkels, wie ich die Zwerge nannte, was mit mit geschehen war auch all die anderen, die sie Befragten, konnten sich keinen Reim daraus machen. Sie glaubten ich sei tot, auch wenn etwas ihnen sagte das ich es nicht bin, zumal mein Körper nicht verweste, selbst nach Wochen nicht. Also packten sie mich in einen gläsernen Sarg und bewachten ihn rund um die Uhr, in der Hoffnung ich würde irgendwann erwachen. Zwei Jahre vergingen und ich war immer noch totschlafend. Bis mein heutiger Mann vorbeikam. Er hatte sich mit zwei seiner Botschafter auf den Weg gemacht um unbekannte Gebiete zu erforschen und ist bei unserer kleinen Hütte vorbei gekommen. Als er den Sarg und mich sah, konnte er nicht anders als stehen zu bleiben. Er hatte einen solchen Sarg schon einmal gesehen, aber das war Jahre her. In seinem Königreich hatten okkultistische Gruppen mit Giften hantiert und dabei ein Gift gebraut, dass ihre Gegner in einen toten Schlaf versetzte. Somit wollten sie die verfeindeten Familien abschrecken und leiden lassen indem sie auf ewig um ihre Liebenden trauern mussten, sie aber niemals ganz in die Ewige Ruhe entlassen konnten. Der Tote war auf ewig verdammt in einer Zwischenwelt zu leben, ähnlich eines ewig andauernden Traumes. Auch ich durfte und musste ewig träumen und glaubt mir liebe Leser, das ist lange nicht so grandios wie es scheinen mag. Es ist ein Fluch, nicht mehr aufwachen zu können.

Als mich mein Mann näher ansah, war ihm sofort klar wie er mich heilen konnte, denn die Wissenschaftler seines Vaters hatten jahrelang an einem Heilmittel gearbeitet und das erfolgreich. Ein Bote machte sich auf dem Weg und nach drei Tagen war das Heilmittel bei meinen Onkeln eingetroffen. Natürlich war mein Mann keinen Schritt von meinem Sarg gewichen. Zwei Tage nachdem sie mir das Heilmittel verabreicht hatten, erwachte ich und man, war ich froh, den gerade wollte mich ein Dinosaurier lebendig fressen.

Zu meinem Schutz wurde ich in das Königreich meines heutigen Mannes gebracht und rappelte mich ein paar Monate lang auf. Anders als in den Geschichten und Märchen die über mich geschrieben wurden, heiratete ich nicht bereits kurz nach meiner Wiedererweckung sondern erst zwei Jahre später. Auch den Tod meiner Stiefmutter hatten weder ich noch mein Mann veranlasst. Sie starb aus eigener Hand. Einer unserer Boten war mit einer kleinen Armee von Soldaten auf den Weg zu meinem alten zu Hause um meine Stiefmutter in Haft zu nehmen. Sie sollte vor Gericht gestellt werden. Was er dort fand, musste ich mit eigenen Augen sehen, um es zu glauben. Die Mauern vor den Grenzen waren nicht mehr bewacht worden, die Menschen ausgehungert und am Boden kauernd. Überall waren Scheiterhaufen, Folterbänke und Blutleichen zu sehen, selbst welche die schon seit Monaten vertrocknet waren. Der Königshof sah aus wie eine riesengroße Schlachterei, alles mit Blut und Leichen übersehen. Flugblätter zeugten von den Gräueltaten meiner einstigen Stiefmutter. Sie hatte Männer und Frauen ausbluten lassen, in dem Blut zu baden oder es zu trinken. Sie wollte um jeden Preis jung und schön bleiben. Ganz gleich was es kostete. Und der Raum, der Raum der niemand betreten durfte, entsprach ihrer Seele voll und ganz. Die Wände waren bemalt mit Fragen wie: Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Darunter fand man meist in roter Schrift: ICH! ICH BIN und bleibe die Schönste! Notizen stapelten sich wo sie sich Frauen mit ihren Namen notiert hatte, die sie für hübscher empfunden hatte. Sie schrieb auf, was sie schöner machte und was ihr den Grund gab sie allesamt zu töten. Auf einen riesengroßen Spiegel hatte sie ein Gesicht aufgemalt und Fett geschrieben, dass sie niemals so schön sein wird wie Schneewittchen! Daneben war ein Bild von mir und meiner Mutter, dass sie ebenso beschriftete mit den Worten, töte alle! Nicht nur die Mütter sondern auch die Töchter, denn sie werden alle schöner sein! In einer Badewanne fand man sie, komplett zerschnitten und in ihrem eigen Blut. Sie hatte wohl ihr eigenes Antlitz nicht mehr ertragen. Der Wahn hatte sie vollkommen eingenommen.

Heute ist von alledem nicht mehr zu sehen. Mein Mann und ich zogen in mein altes Schloss. Zum Glück hatten meine sieben Zwerge ein Teil ihres Vermögens mir zur Hochzeit geschenkt. So konnten wir den Neuanfang finanzieren und mein altes zu Hause neu aufblühen lassen. Mein Mann und ich herrschen wie meine Eltern es vor meiner Geburt taten. Mit Liebe, Respekt und Verantwortung. Natürlich haben wir eine schwere Aufgabe angenommen, da unser Volk schwer traumatisiert ist, doch sie sehen in mir etwas, dass sie bei meiner Stiefmutter schwer vermisst haben, die innere Schönheit, die nach außen strahlt.

Liebe Grüße und eine schöne Zeit ❤

Sahra-Latifa Warrelmann

Stimmen des Hiers, die im Jetzt antworten

Είμαι εδώ! Είμαι εδώ!“, schreit eine tiefe Stimme aus der Ferne. Ich bin hier, lauten die Worte des Unbekannten, der vermutlich schon länger aus voller Leidenschaft heraus die immer selben Worte aneinanderreiht. „Είμαι εδώ!“, brüllt es wieder aus der Ferne. Dieses mal klangen seine Worte gequält und leiser als zu vor. Als würde im die Kraft fehlen. Noch einmal scheint er es versuchen zu wollen, denn nach dem letzten Schrei folgt ein weiteres „Είμαι εδώ!“ Dieses mal endete der Satz schon bei den Worten: Είμαι, die soviel wie ich bin bedeuten. Seite Stimme hat nun vollends kapituliert. Schade, denn nach wenigen Minuten beginnt mir das monotone und dennoch verzweifelnde Gebrüll zu fehlen. Erst jetzt tritt meine Sorge ein und ich wundere mich was mit ihm geschehen ist, dass er nach all den Rufen plötzlich verstummt ist. Vielleicht wurde er von jemanden gefunden, vielleicht ist er aber doch ertrunken? Waren seine Rufe Hilferufe oder dienten seine Schreie der Orientierung für einen Freund oder womöglich seiner Partnerin oder einen anderen Liebenden, der sich auf die Suche nach ihm machte? Egal, die Stimme ist verstummt, nun ist alles ruhig. Einzig allein die Meereswellen sind noch zu hören. Als seien sie dauerhaft wach. Ja, so ist es, alles verstummt einmal. Doch am Ende, wenn ich so das Meer betrachte, wie es Wellen schlägt und auf den Steinen aufschlägt, erkenne ich das niemals nichts los ist. Das nichts vergessen ist und alles von Dauer.

Peace and Love und einen wunderschönen Tag euch<3

Sahra-Latifa Warrelmann

Tollpatschiger Diener rettet Schneewittchens Leben! Ihre Widersacherin hat sich zu Tode getanzt!

Hallo ihr Lieben, ich hatte die Aufgabe das Märchen von Schneewittchen als Boulevardartikel zu verfassen. Nun möchte ich euch an einer etwas anderen Art des Märchens teilhaben lassen.

Ich hoffe ihr habt viel Spaß beim Lesen 🙂

Schneewittchen wurde durch einen tollpatschigen Diener ihres Gemahlen gerettet. Ihre Stiefmutter und gleichzeitig Widersacherin tanzte sich auf deren Hochzeit zu Tode.

Noch vor wenigen Tagen trauerten mehrere Königreiche, um den Tod der schönsten Prinzessin, die die Länder jemals gesehen hatten. Gestern aber feierte man nicht nur die plötzliche Wiederauferstehung der Königstochter sondern auch die eilige Hochzeit und den Tod ihrer von Eifersucht zerfressenen Stiefmutter.

Das arme Schneewittchen. Wuchs unter grauenhaften Verhältnissen auf. Ihre Mutter starb bei ihrer Geburt. Ihr Vater, ein König hatte schnell eine Neue unter der Haube. Wunderschön war sie, aber besessen. Niemand sollte in Konkurrenz, zu ihr stehen. Nicht mal ihre Stieftochter. Im Alter von sieben Jahren wurde Schneewittchen in den Wald verbannt. Dort sollte ein Jäger sie wie wildes Vieh töten. Die kleinen Organen sollten der Königin als Trophäe und Beweis dienen. Dem sentimentalen Jäger gelang das aber nicht. Er täuschte die Königin mit einem Schweineherz. Schneewittchen konnte im Wald entkommen und kam dort in einem Zwergenhaus unter. Traurig, da sie als Adlige von wilden Kleinwüchsigen aufgezogen wurde.

In ihrem Wahn hat die verrückte Königin das aber nicht mitbekommen. So glaubte sie über die Jahre, die Schönste zu sein. Das versicherte ihr zumindest ein verzauberter Spiegel. Schließlich war er dazu gemacht ständig die Wahrheit auszusprechen. Alle glaubten Schneewittchen sei tot. Bis vor zwei Jahren.

Spieglein, Spieglein, wer ist die Schönste im ganzen Land, fragte die verbitterte Königin ihren Spiegel. Der antwortete ihr kalt: Schneewittchen ist die Schönste, sogar um einiges schöner als Sie. Daraufhin hat sie wutentbrannt, die junge Frau im Wald aufgesucht. Als sie Schneewittchen lebendig vor sich sah beschloss, das eifersüchtige Frauenzimmer sie zu töten. Zunächst mit einem vergifteten Riemen. Später dann einem vergifteten Kamm. Die Zwerge bewiesen jedes Mal Intelligenz und retteten die wunderschöne Königstochter. Beim letzten Besuch der Königin, konnten die Zwerge, das schönste Mädchen der Länder nicht retten. Natürlich erschien die eifersüchtige Stiefmutter verkleidet. Sie lockte Schneewittchen mit einem verzauberten Apfel. Die naive junge Frau biss hinein und kippte scheinbar tot um.

Schneewittchen wurde in einem gläsernen Sag aufbewahrt. Zum Glück, denn das machte ein edler aber zu gleich naiver Prinz aus einem anderen Königreich, auf sie aufmerksam. Er war von der Schönheit der toten Königstochter besessen. Also beauftragte er seine Diener den Sarg mitsamt der Prinzessin auf sein Schloss zu bringen. Auf dem Weg dorthin passierte es dann. Ein tagträumender Diener ließ den Sarg fallen. Schneewittchen fiel dabei heraus und landete unsanft auf dem Boden. Zum Glück. Denn dabei löste sich das Apfelstück in ihrer Kehle. Wie ein Wunder erwachte Schneewittchen aus ihrem Totenschlaf. Der Prinz verlor keine Zeit und nahm die gerade erwachte Prinzessin mit auf sein Schloss.

Gestern feierten mehrere Königreiche die bizarre Hochzeit, die gleichzeitig ein Rachefest war. Denn auch die eifersüchtige Stiefmutter wurde eingeladen. Natürlich erschien sie. Sie musste in glühenden Schuhen solange Tanzen bis sie tot umkippte. Dabei schaute die ganze Gesellschaft zu.

Heute ein Tag später liegt die ehemalige Königin unter der Erde. Schneewittchen und ihr Mann haben vor wenigen Stunden einen Herrschaftsvertrag unterzeichnet. Jetzt herrscht das junge Königspaar über zwei Königreiche.

Peace and Love

Sahra-Latifa Warrelmann

Foto von: Favim.com

Freiheit im Winterland (Kurzgeschichte)

Die Flügel flattern unentwegt. Die kleine Lichterfee hat sich in einem Baum verfangen und versucht sich schon seit unzähligen Minuten zu befreien. Ihre grünen Flügel, die im Licht durchsichtig schimmern, haben sich in den Ästen eines ihr unbekannten Baum verfangen. Denn Lerona, die Lichterfee aus dem schönen Salamland, das geprägt von Hügeln und Tälern ist, ist dabei einen großen Fehler zu begehen, auch wenn sie selbst vollkommen überzeugt davon ist, das Richtige zu tun. Noch einmal möchte sie versuchen, sich aus dem feinen Ästen, zu befreien. Sie holt tief Luft, streift sich eines ihrer brauen Locken zur Seite und konzentriert sich auf das Schlagen ihrer Flügel. Vor lauter Anstrengung wird ihr Kopf, der durch ihre leicht gebräunte Haut nur selten eine andere Farbe einnimmt, rot wie die Feuerdrachen Tomaten in ihrer Heimat.

Es hat keinen Zweck!“ denkt sich Lerona.

Ich bin bis ans Ende meiner Tage hier gefangen! Ach Mutter hatte Recht, ich hätte nicht fliegen dürfen. Ich hätte nicht einfach davonfliegen dürfen. Aber mir bleibt doch keine andere Wahl. Ich kann nicht mehr zurück, nicht in diese Welt.“

Eine Träne läuft über ihr Gesicht und ihre grünbraunen Augen beginnen sich im Tränenwasser zu spiegeln, sodass es scheint, als wären ihre Augen in einem kostbaren Glas eingeschlossen. „Ist den niemand hier?“, schreit sie, als sie bemerkt, dass es um sie herum immer dunkler wird. „Ich verachte die Dunkelheit! Warum habe ich nur die Grenzen von Salamland verlassen? Ach wäre ich nur zu Hause, dann könnte ich in der immer scheinenden Sonne liegen und den kleinen Schmetterlingen zu schauen.“ Die Nacht bricht ein, Lerona ist noch immer in den Ästen gefangen. Sie versucht sich die Angst zu nehmen, indem sie über ihren Weg mit sich selbst philosophiert. Sie möchte sich Mut machen und an ihrer Mission festhalten, auch wenn ihr gerade einfach nur nach ihrem warmen Bett ist. „Komm schon Lerona, du wolltest das alles! Also lass dich jetzt nicht von ein paar Ästen und der Dunkelheit unterkriegen!“, sagte sie zu sich selbst.

Gerade als sie einen dickeren Ast zu ihrer Rechten mit den Fußen zu sich her zog, brüllte ihr eine sanfte Männerstimme mit einem sarkastischen Unterton, ein lautes „Hallo“ ins Ohr. Vor lauter Schreck beginnt sie so stark mit ihren Flügeln zu schlagen, dass die Äste darin nachgeben und sie loslassen. Sie fällt in die Tiefe und ihre Schreie hallen als Echo wieder. Ihre Flügel scheinen durch den Schock blockiert. Nur noch wenige Meter trennen sie vom kalten, harten Boden,der sie und auch ihre wunderschönen Flügel in Teile zerschlagen wird. Sie fällt in Ohnmacht.

Die Vögel zwitschern, die Luft ist warm und riecht nach süßem Wasser, als wäre ein See in der Nähe. Weit und breit gibt es nichts als eine Grasweide zu sehen. In der Mitte des Feldes sind die Grashalme verbogen und formieren sich zu einem Kreis. Lerona liegt wie ein Baby zusammengekauert im Graß. Ihre Flügel sind zerkratzt und an einigen Stellen angerissen. Auch ihr Körper ist mit blauen Flecken versehen.

Alles ist schwarz um mich herum. Wo bin ich? Ich kann meine Augen nicht öffnen. Jede Faser in mir schmerzt. Wo bin ich? Was ist passiert? Halt, steckte ich nicht in den Ästen fest? Meine Flügel! Ich spüre meine Flügel nicht mehr!

Vor lauter Sorge um ihre Flügel, richtet sich Lerona ruckartig auf. Ihr Gehirn beginnt zu pochen und sich an ihre Schädeldecke zu drücken. Ihr wird schwindlig. Sie fällt zu Boden. Einige Stunden später öffnet die kleine Lichterfee erneut ihre Augen. Dieses mal allerdings sanft. Als ihr bewusst wurde, dass sie gestürzt ist und dabei nicht nur Prellungen aufweist, sondern auch ihre Flügel angeschlagen sind, schießen Tränen aus ihr heraus.

Was habe ich mir nur dabei gedacht? Wie konnte ich nur so blöd sein und auf eine solch gefährliche Reise aufbrechen. Eine Reise ins Ungewisse und wofür? Für ein bisschen mehr Selbsterkenntnis, um meine wahre Bestimmung zu finden? Ich hatte meine wahre Bestimmung bereits. Zu Hause in Salamland. Ich war verlobt mit diesem wunderbaren Mann, und das nicht nur einfach einen Mann, nein, den! Jasper, der Prinz von Heping! Wow, was für ein Elf. Niemand war so talentiert wie er es war, wenn es um Musik ging. Niemand hatte mich jemals so mit seinen Blicken anziehen können. Aber abgesehen davon, war ich in der Forschung gerade dabei einen Durchbruch zu erreichen. Mann, ich hatte Jahre in mein Studium investiert, ich hatte sogar auf meine Feenstaub Ration verzichtet, um meine Studie weiterhin am laufen zu halten. Es wäre nicht mehr viel nötig gewesen, dann hätte ich nicht nur das Heilmittel finden können, nein ich hätte damit…

Na ja ganz egal. Hätte, Hätte. Fakt ist. Ich liege hier in irgendeinem Grasloch. Warte mal, wie bin ich hier eigentlich her gekommen. Der Boden auf den ich viel war doch erdig und hart!

Bähm. Ein Schmerz durchfährt Leronas Kopf. Es fühlt sich an als hätte ihr gerade jemand ein Stein mit der Spitze, in einer Wucht auf den Hinterkopf geschlagen. Erneut fällt sie zu Boden. Dieses mal ist sie nicht nur ein paar Stunden bewusstlos. Drei Tage dauert es bis sie wieder ihre Augen öffnet, das allerdings nicht ohne Grund. Das wackeln und knarren eines alten Holzwagens hat sie geweckt. Ihr kleiner Körper, der durch die Anstrengung der letzten Tage sehr mitgenommen aussieht, rollt durch die Bewegung, des Wagens auf der Ablage hin und her. Sie bekommt gar nicht mit, dass sie von ein paar Waldelfen, die auf der Weide auf Jagd waren, gefunden wurde. Die Jäger sind mit samt Beute und Lerona im Gepäck auf dem Weg in die Stadt. Dort warten bereits elfische Heiler auf die verletzte Lichterfee.

In einer kleinen violette Hütten, die über den Bäumen schwebt und mit vielen Lichtern geschmückt ist, wird Lerona versorgt. Fünf Elfen mit unterschiedlichen Kräften stehen um das Bett aus Maisblättern, herum. Jeder von ihnen muss ganze drei Feenstaubrationen aufbrauchen, bis die geschwächte junge Feenfrau wieder zu Kräften kommt. Ihre Flügel waren so stark beschädigt, dass das Kräftezentrum im linken Gehirnareal ein biochemischen Kurzschluss verursachte. Das passiert dann, wenn Feen stark traumatisiert wurden, meist durch eine Beschädigung der Feenflügel. Sie sind quasi die Essenz der Feen und Elfen Kräfte und auch der Grund, weshalb sie letztendlich Feen/Elfen genannt werden. Ansonsten sind sie ja nur kleine Menschen. Zumindest fühlte sich Lerona, wie ein wertloser kleiner Mensch, als sie von einem der Heiler erfuhr, dass sie wohl nie wieder fliegen kann und das alles wegen ihrer Bestimmung. Wo war sie nun ihre Bestimmung? Soll es das gewesen sein, ist sie den weiten Weg in Richtung Winterland gereist, um ihren wahren Wert zu erfahren, dabei hat sie noch nicht einmal Winterland erreicht. Ohne die mahnenden Worte der Heiler zu beachten läuft sie einen kleinen Weg in Richtung Wald entlang. Sie sollte sich zur Ruhe legen, sich schonen und sich zu den hängenden Schlafhütten bewegen. Ohne Flügel ist das ein Weg der mindestens drei Tage andauert. Bis sie angekommen ist, stürzt sie bestimmt erneut ab, weil ihr Körper die Anstrengungen nicht mehr aushält. Klar sie hätte auf einen der Schmetterlinge reiten können, aber fliegen ohne selbst zu fliegen, ist als würde man nur beim Essen zu sehen als es selbst zu essen. Folter in Leronas Augen. Kurz bevor sie den Wald erreicht, kommt sie an einem von Blumen umringten Tümpel vorbei. Sie läuft zu einem großen Stein der am Wasserrand liegt. Für einen Moment hält sie inne und beobachtet die kleinen Wellen auf dem grünen Wasser, die von kleinen Wasserbewohnern geschlagen werden. Sie beschließt auf dem Stein für einen Augenblick auszuruhen. Eine kurze Weile hat sie die Wasserbewohner beobachtet, bis sie einfach nur noch einen Punkt fokussierte und ihn anstarrte. Würde man sie fragen, hätte sie keine Antwort darauf, was sie fokussierte. Sie war einfach nur weg und leer. Die innere Leere wurde unterbrochen, als sie durch ein hartnäckiges Stupsen an ihrer Schulter gestört wurde. Sie dreht sich um und erstarrt als sieht wer sie da gerade angestupst hatte. Ein Elf, dessen Flügel gestutzt wurden, schaut sie mit seinen mandelförmigen, großen brauen Augen tief an. „Wo bin ich?“ fragte Lerona ohne nachzudenken. Ich muss ins Winterland, so schnell wie möglich. Der Elf streckt seine Arme aus. Schau dich doch um, du bist im Winterland. Lerona blickt sich um, ein Lächeln huscht ihr das erste Mal seit langem übers Gesicht.

Es schneit.