Freunde, die vorhersehbaren Spiegel deiner Persönlichkeit!

Ist Freundschaft vorhersehbar und was sagen unsere Freunde über uns aus?

Ein Freund ist ein Mensch, der die Melodie deines Herzens (er)kennt und sie dir vorspielt, wenn du sie vergessen hast. – Albert Einstein –

Boah! Mein Kumpel nervt mich total. Immer muss er mit seinem „Egoverhalten“ anecken. Er stellt sich immer in den Vordergrund und muss immer an erster Stelle stehen. Das dachte ich nach einem Besuch bei einem Kumpel. Er ging mir mit seiner Überheblichkeit auf die Nerven. Die Gespräche waren Monologe und die Toilette konnte ich auch nicht aufsuchen. Jedes Mal, wenn ich aufstand, kam er mit einer neuen Geschichte auf mich zu und weil wir gerade schon standen konnte er mir ja auch gleich etwas zeigen. Man, warum hat man solche Menschen in seinem Freundeskreis? Der passt doch gar nicht zu mir und gestresst bin ich auch total oft, wenn wir Zeit miteinander verbringen. Komischerweise habe ich dennoch häufig mit ihm Kontakt. Merkwürdig.

Wir sind niemals unter den falschen Menschen, wir sind uns lediglich ihrer Funktion noch nicht bewusst.

Freunde sollen eine Funktion haben? Ist das nicht zu funktionell gedacht? Schließlich verbinden wir mit ihnen oftmals starke Gefühle in jeglicher Richtung, oder?

Wir wollen uns alle weiterentwickeln, Wünsche erfüllen und Ziele erreichen. Wir haben alle diese eine Vorstellung, von der wir hoffen, dass sie eines Tages in Erfüllung geht. Denken wir an sie, empfinden wir Freude, ganz gleich wie lange das Gefühl andauert.
Im Alltag allerdings nehmen wir die Menschen in unserer Umgebung eher unterbewusst wahr oder halten sie womöglich noch für überflüssig, obwohl sie alle eine Rolle spielen. Auch wenn wir das vielleicht nicht auf den ersten oder zweiten Blick erkennen, helfen sie uns, unsere Ziele zu erreichen. Das erkennen wir meist erst dann, wenn sie nicht mehr Teil unseres Alltags sind. Wir beginnen sie zu vermissen, mehr noch wir vermissen das, was sie in uns auslösen. Das, was wir in ihrer Gegenwart empfanden und wie dies, auf irgendeine Weise unser Leben beeinflusste.
Wie die alte Dame im Café, die jeden Tag einen kurzen Moment Mitleid hervorruft und einen daran erinnert, dass man alles daran setzt, später nicht alleine seine Stunden verbittert im Café absitzen zu müssen, wie sie es jeden Morgen, an der gleichen Stelle sitzend und schon fast blind aus dem Fenster schauend, macht. Oder die Gute-Nacht-Nachricht eines Freundes, die einen irgendwie mit einem warmen Gefühl einschlafen lässt. Aber auch der Kumpel erfüllt seinen Zweck, den, dass er pausenlos von sich spricht und es einem somit ermöglicht still zu sein. Durch ihn kann man einfach mal zuhören und muss nicht von sich sprechen, wenn einem sowieso gerade nicht danach ist, sondern Gesellschaft Vorrang hat.
Fallen diese schon gewohnten Figuren weg, erkennen wir ihre Bedeutung, sei ihre Rolle noch so klein in unserem Lebensfilm. Wir verstehen, dass er oder sie auf irgendeine Weise in unserem Leben gewirkt hat und uns in diesem Moment ein Stückchen näher an die Ziele gebracht hat.
Schließlich sind wir, egal wo wir uns gerade befinden, deshalb dort, weil wir dort sein wollen und es uns ein Stückchen näher an diese eine Vorstellung bringt.

Geht man nicht deshalb zur Arbeit, weil man schon lange von einer Reise träumt, eine größere Wohnung beziehen möchte oder sich das Konzert des Lieblingskünstlers leisten möchte? Nimmt man nicht deshalb Kontakt zu anderen Menschen auf, weil wir glauben, mit ihnen unsere Ziele erreichen zu können oder ein Bedürfnis durch sie gestillt werden kann? Bedürfnisse wie das nach Liebe, Nähe, Austausch oder das der Motivation in Form eines Trainingspartners.

Das unsere Freunde einen Grund in unserem Leben haben glauben auch die US-Forscher Nicholas A. Christakis von der Universität Yale und James H. Fowler von der Universität Kalifornien. Sie haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass die DNA unserer Freunde, der DNA unserer Familienangehörigen ähnelt. Freunde sind uns genetisch ähnlich, so wie wir zu unseren Cousins und Cousinen vierten Grades. Ein Mensch, der nicht mit uns verwandt ist, den wir auch auf dem anderen Teil des Globus kennenlernen könnten, kann eine hohe genetische Schnittmenge mit uns aufweisen. Auch die DNA-Sequenzen, die für die Geruchswahrnehmung verantwortlich sind, stimmen bei Freunden überein, was die Studie der Forscher zeigt.

Freunde können sich demnach nicht nur riechen, sie sind auch in ihrer DNA ähnlich.

Nach Meinung der US-Forscher steckt die Evolution dahinter. Bei der Bildung des Sozialverhaltens haben sich wahrscheinlich auch Freundschaften entwickelt. Als die ersten Menschen das Feuer nutzten, war es hilfreich sich mit den Artgenossen zusammenzuschließen, die dasselbe Ziel verfolgten, nämlich das der Wärme und des Schutzes. Jemand, der ohne Licht und warmes Feuer auskam und vielleicht noch ein ausgezeichneter Krieger war, sah keine Notwendigkeit darin Holz zu hacken, Steine zu sammeln und ein Feuer zu entfachen. Andere aber brauchten das Feuer, schlossen sich zusammen und unterstützten sich, um ihr Ziel zu erreichen und die Chance ihr Überleben zu sichern, zu erhöhen.

Also doch alles funktionell?! Unsere Freunde, nur ein Abbild unserer Sehnsüchte, Erfahrungen und Zeile! Haben wir dann überhaupt in der Hand wer in unser Leben tritt?

Anhand der Ergebnisse konnten Christakis und Fowler Freundschaften auch prognostizieren. Sie konnten aus der DNA herauslesen, wie zwei Menschen zueinander stehen oder welche Verbindungen sie miteinander haben könnten, sollten sie noch keinen Kontakt zueinander gehabt haben. Die Erfolgsprognose der Quote war so hoch wie etwa die der Krebsprognose.

Wer in unser Leben tritt, beziehungsweise, wem wir gestatten darin wirken zu dürfen, scheint bereits in unserer DNA vorbestimmt zu sein. Vielleicht riechen wir unsere potenziellen Freunde in einem Raum voller Unbekannter, noch bevor es uns bewusst ist, welche Rolle sie in unserem Leben einnehmen werden. Noch bevor wir mit dem Verstand einem Menschen eine bestimmte Funktion zusprechen, hat unsere DNA bereits die Verbindung zu ihm oder ihr erkannt oder sie womöglich bewusst gelegt. Auch wenn die Wissenschaft noch nicht weiß, wie der menschliche Organismus dies bewerkstelligt, scheint doch eines immer deutlicher zu werden: keine Begegnung ist falsch und geschieht ohne Grund. Wir können nur noch nicht verstehen, welcher Grund dahinter steckt. Wie auch ich erst verstehen musste, dass mein Kumpel mein Bedürfnis nach einfacher Gesellschaft stillt.

Ein Artikel aus dem THECRAZYLIFEMAGZIN mehr auf: www.thecrazylife.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: