Aus der Zerstörung zum Leben

Eine junge Mutter ist am Ende ihrer Kräfte. Nichts in ihrem Leben scheint ihr Freude zu bringen, nichts scheint sie am Leben zu halten. Der Alltag ist geprägt von Selbstmordversuchen, blutigen Rasierklingen und Ausbrüchen der Zerstörung. Ihr letzter Versuch aus dem Leben zu scheiden, legt den Grundstein ihrer neuen Persönlichkeit.            – Von Sahra-Latifa A. Warrelmann

Alles ist ruhig, nur durch den Fernseher wird der Raum beleuchtet. Dennoch ist das Chaos durch das schwache Licht erkennbar. Auf dem Boden liegen Kleidungsstücke, manche sind zerschnitten, manche zerrissen. CD-Hüllen sind überall verteilt und Papier bedeckt den Boden. Die Luft riecht nach kaltem, abgestandenem Rauch und Schweiß. Die Fenster sind geschlossen und die Rollläden heruntergelassen, sodass kein Licht von außen das Wohnzimmer erhellt. Ein schriller Schrei unterbricht die Stille. Im Film, der nur nebenbei läuft wird gerade ein Mann umgebracht, der schon seit Stunden von seinem Angreifer verfolgt wird. Ein passender Film, zu der Szene, die sich in der Realität abspielt. Unberührt von dem Schrei sitzt eine Frau zusammengekauert in der Ecke und sticht mit einem Messer auf Bilder in einem Bilderrahmen und Kuscheltiere ein. Ihre Haare sind zerzaust, das Gesicht und die Hände voller Blut. Aus ihrer Nase läuft Sekret und ihre Augen sind durch Tränen feucht. „Alles muss weg! Alles muss raus! Ich brauche gar nichts! Ich bin gar nichts! Was weiß der schon, was wissen die schon?! Wozu soll ich all den Scheiß hier brauchen. Wozu soll ich all die Erinnerungen brauchen?! Ich will sowieso nicht mehr, verdammt ich kann doch nicht mehr!“, sagt sie leise schon beinahe im Mantra vor sich hin. Um so öfter sie die Sätze wiederholt, desto  energischer sticht sie auf alles ein, was sie um sich herum finden kann. Wieder hallt ein Schrei durch den Raum, dieses Mal stammt der Schrei nicht aus dem Fernseher, sondern von der jungen Frau in der Ecke. Während sie sich mit beiden Händen an den Haaren zieht, den Kopf zu Boden senkt und ihren Mund weit aufreißt, versucht sie immer wieder Schreie loszuwerden, doch sie verstummen schon in ihrer Kehle. „Ich kann nicht mehr, bitte erlöse mich! Bitte ich kann nicht mehr!“, murmelt sie, während sie immer noch fest an ihren Haaren zieht. Vollkommen verzweifelt und erschöpft sinkt sie in das vor ihr liegende Chaos. In Embryonalstellung liegt sie auf Glassplittern, zerrissenen Bildern, geköpften Teddybären, zerschnittenen Kleidungsstücken und schaut dabei auf ihre Unterarme, die sie mit einer Rasierklinge wenige Minuten zuvor aufgeschnitten hat. Noch immer fließt das Blut langsam aus ihren Adern. Auch wenn sie weiß, dass die Schnitte sie nicht töten, beruhigt es sie ihr Blut zu sehen, denn es ist ihr Blut: ein Ausdruck des Hasses, Hass der sich gegen sie selbst richtet und im ganzen Raum spürbar ist. 
Jeder der diesen Raum betritt, kann sofort die Essenz der Verwesung, des Leids und des Hasses wahrnehmen. Die Frau, die in dem Wohnzimmer liegt, das auch aus einem Horrorfilm entspringen könnte versucht mit aller Gewalt sich selbst und ihre Vergangenheit auszulöschen. Sie möchte nichts mehr von sich übrig wissen, nichts von ihr in Erinnerung behalten und sich selbst in einem Albtraum verwandeln, der in irgendeinem Kopf hin und wieder herumspukt. Nichts darf von ihr übrig bleiben, nicht einmal sie selbst, auch wenn sie dazu noch nicht den Mut hat. Den Mut, die Klinge so tief zu ziehen, dass so viel Blut aus ihren Adern strömt, dass sie einfach nur noch für immer schlafen kann. Auch wenn es nichts gibt, wonach sie sich in diesem Moment mehr sehnen würde. Wobei, vielleicht doch. Denn tief in ihr steckt ein Wunsch, ein Wunsch, von dem sie glaubt, dass sich, wenn er in Erfüllung geht alles ändern wird und sie endlich glücklich wird. Doch sie glaubt nicht daran, dass er wahr werden könnte. Sie glaubt nicht daran, dass tatsächlich jemand durch die Tür treten würde, der sie in den Arm nimmt und ihr sagt: „Du bist gut so wie du bist! Ich verstehe deinen Schmerz, ich verstehe dein Leid! Steh auf und wir schaffen es gemeinsam.“ Sie hat schon lange aufgegeben, schon lange den Glauben an die Wand genagelt und darüber eine Decke gehängt.
Seit beinahe 10 Jahren findet sie sich fast täglich am Ende ihrer Kräfte wieder. Es vergeht kaum eine Woche in der sich nicht versucht, sich auf irgendeine Weise das Leben zu nehmen. Drei Jahre zuvor hatte sie die wohl heftigste Selbstmord-Versuch-Phase hinter sich und eigentlich hatte sie sich danach geschworen, nie wieder so mit sich umzugehen.
Es war in Berlin und es war Sommer. Ein grauenhafter Sommer, indem sie die einzige Entscheidung fällte, die sie noch heute bitter bereut. Nach einer kuriosen Beziehung, die so schnell ihr Ende gefunden hatte, wie sie auch begonnen hatte, traf sie einen verheerenden Entschluss: ihr Sohn sollte in eine Inobhutnahme. Sie hatte sich natürlich lange darüber Gedanken gemacht und eigentlich wollte sie ihn nur für ein Wochenende abgeben, da sie mit ihren Nerven durch all die Strapazen fertig war und einfach mal etwas Ruhe brauchte, um durchzuatmen. Sie hatte keine Verwandten oder Freunde in Berlin, weil sie gerade erst in die große Hauptstadt gezogen war, also sollte eine vorübergehende Inobhutnahme ihres Sohnes, ihr wieder Kraft schenken. „Einfach mal durchatmen, einfach mal auf andere Gedanken kommen und den Kleinen nicht mit meinen Tränen und meiner Leere konfrontieren. Klar habe ich mich um ihn gekümmert und auch alles für ihn stehen und liegen gelassen, es hat ihm an nichts gemangelt, aber ich war fertig. Einfach nur fertig und wollte nicht, dass er unter meiner Depression leidet. Ich wollte nicht, dass er mich weinen sieht, dass er sich um mich sorgt. Also habe ich ihn in die Wohngruppe gebracht.“, erzählt sie unter Tränen. Auch wenn es nur eine vorübergehende Unterbringung sein sollte, wusste sie schon bereits auf dem Weg, dass sie ihren Sohn so schnell nicht wieder sehen würde. „Er schrie, er weinte und er sah mich an mit einem Blick, den ich noch heute zu verdrängen versuche, weil er mir mein Herz aufreißt und mir Tränen in die Augen schießen lässt. Er konnte nicht verstehen was passiert und wollte nur bei mir bleiben. Ich aber ging.“, sagt sie mit gebrochener Stimme. Auf dem Nachhauseweg kam sie an einem Geschäft vorbei und kaufte sich für 100 Euro Alkohol und Rasierklingen. Das ganze Wochenende betrank sie sich und versuchte, sich das Leben zu nehmen, doch sie konnte nicht, weil sie wusste, dass sie sich am Montag wieder um ihren Sohn kümmern sollte. Doch dieser sollte nicht mit so einer Mutter zusammenleben, einer Mutter die in ihren Augen auf allen Ebenen versagt hatte. Also rief sie das Jugendamt an und sagte, dass sie nicht kommen könne und ihr Sohn dort bleiben müsse. Mit Absicht versäumte sie alle Termine, die in den kommenden Tagen vereinbart wurden, damit sie als unzuverlässig galt und eine Rückführung ausgeschlossen wurde. Denn auch wenn sie ihren Sohn über alles liebte, hasste sie sich noch mehr und dieser Hass, war Gift für ihren Sohn. Kein Kind der Welt, sollte erleben wie seine Mutter leidet. Kein Kind der Welt sollte die Depressionen einer Mutter miterleben müssen, davon war sie überzeugt. Sie glaubte nicht daran, dass sie von der psychischen Krankheit geheilt werden würde, sie glaubte nicht daran, dass sie irgendwann doch noch die Kurve bekommen sollte, so wie sie es mit der Geburt ihres Sohnes geschafft hatte.
Als sie mit 15 Jahren schwanger geworden war, hatte sie alle schlechten Angewohnheiten beiseite gelegt, wieder die Schulbank gedrückt und diese als Jahrgangsbeste abgeschlossen. Nach der mittleren Reife hatte sie das Gymnasium besucht und das alles als alleinerziehende junge Mutter. Von diesem Ehrgeiz war in Berlin allerdings nichts mehr zu spüren oder zumindest nicht mehr in einer positiven Form. Aus einem Wochenende ohne Sohn, wurden zwei Wochen. Nun stand für sie fest, dass es kein zurück mehr gab. Sie hatte sich für den Weg entschieden, also wollte sie ihn auch gehen. Den Weg der Selbstzerstörung. Innerhalb von drei Monaten tat sie Dinge, die sie eigentlich hätten töten sollen, doch sie starb nicht. All ihr Geld investierte sie in Schlaftabletten, Alkohol, Drogen (diese konsumierte sie dort zum ersten Mal), Rattengift, Waschpulver, Rohreiniger und Spritzen. Jeden Tag zog sie sich alles rein, was sie nur fand und war nichts zur Hand spritzte sie sich Waschpulver und Alkohol. Die Venen wären dabei jedes Mal beinahe geplatzt. Es brannte als würde sie gerade Feuer verschlucken, doch der Schmerz war nichts gegen den Schmerz, den sie in sich spürte. Dennoch wachte sie nach Tagen, Stunden oder Minuten der Ohnmacht wieder auf. Sie zog sich Plastiktüten über den Kopf, sprang von Brücken und wurde immer wieder in die psychiatrische Notaufnahme gebracht. Dort konnte sie aber meist nach einem kurzen Gespräch wieder gehen, weil sie den Psychologen vormachte, sie hätte ja Ziele, sie wolle ihren Sohn bald wieder zu sich holen und hätte sich nur von einer Brücke gestürzt, die Medikamente genommen oder was auch immer getan, weil ihre Emotionen übergelaufen waren. Ihr wurde geglaubt, aber vielleicht hatte man sich auch nicht dafür interessiert. Also wurde sie mit einer Empfehlung, zu einem Ambulanten Psychologen zu gehen, wieder nach Hause geschickt. In das Zuhause, dass sie schon vollgekotzt hatte, die Raten nicht mehr zahlen konnte und Männer ein und aus gingen, welche sie für Sex bezahlten, weil sie das Geld versoffen hatte und die Erniedrigung am ganzen Leib spüren wollte. Sie hoffte, dass irgendwann einer dabei sein würde, der in Wirklichkeit ein Serienkiller war oder den sie solange Provozieren konnte, bis er sie tot prügelte. Aber das war nie der Fall. Ganze drei Monate dauerte die Phase der Selbstzerstörung an, ganze drei Monate in welchen sie 30 Tage lang nichts aß, 7 Tage lang keinen Schluck trank und dazu noch jeden Tag Löffel mit Salz schluckte, was sich anfühlte, als würde ihr Hals aus Schmirgelpapier mit Glassplittern bestehen. Schrecklich. Jeder Schluck, war eine Qual. Selbst als sie es nicht mehr aushielt und an den Wasserhahn an der Badewanne kroch, weil sie kaum noch Kraft hatte zu laufen, konnte sie die Tropfen nur einzeln und dosiert durch ihre Kehle herunterlaufen lassen, da es sich anfühlte, als würde sie Metall mit einer scharfen Kante schlucken. Nach den drei Monaten waren ihre Arme übersät mit Narben, ihre Beine zwei mal gebrochen und ihr Gewicht auf 43 KG reduziert. Es hätte nicht mehr viel gefehlt und sie hätte ihr Ziel erreicht. Doch es sollte nicht so sein. Nachdem sie zum X-ten Mal einen Sturz über 30 Meter, manchmal auch mehr je nach Brücke, überlebt hatte, obwohl sie sich fallen ließ, gab sie auf. „Es sollte nicht sein. Egal was ich tat und ich tat wirklich alles, nichts funktionierte. Ich lebte weiter. Unter Schmerzen, aber ich war am Leben. Also rief ich meine Mutter an, erzählte ihr, die Situation und bat sie meinen Sohn zu sich zu holen. Gott sei dank, tat sie das auch. Es vergingen noch ein paar Wochen, bis mein Sohn und ich wieder in Baden-Württemberg lebten, doch seither ist nichts mehr wie es vorher einmal gewesen war. Ich bin zwar nicht in Berlin gestorben, also mein physischer Körper, aber einen Teil von mir, einen sehr wichtigen Teil von mir, habe ich dort begraben.“, erzählt sie während sie dabei ins Leere starrt.
Noch immer ist der Fernseher, das einzige was den Raum beleuchtet, doch die Frau mit dem zerzausten Haar ist mittlerweile in die aufrechte Position gewechselt. Sie schaut in den Spiegel, der an der Wand hängt und betrachtet sich wie eine fremde Person. Das Blut an ihrem Unterarm ist schon getrocknet. „Nein, so möchte ich nicht mehr leben! So möchte ich nicht mehr sein! Ich hatte mir geschworen, mir nie wieder auf diese Weise zu schaden!“, sagt sie zu sich selbst. Sie öffnet die Fenster. Kalte Nachtluft durchströmt den Raum, sodass sie das erste Mal seit Stunden wieder das Gefühl hat lebendig zu sein. Noch geschwächt räumt sie das ganze Chaos zusammen, öffnet die Wohnzimmertür und läuft in die Küche um eine Mülltüte zu holen. Mit der Mülltüte in der Hand geht sie zurück ins Wohnzimmer und wird beim eintreten von ihrem eigenen Geruch der Verwesung eingehüllt. Sie verzieht ihr Gesicht und hält sich vor Ekel die Hand vor die Nase. Es dauert ein paar Stunden, bis von dem Chaos nichts mehr zu sehen ist und sie in die Badewanne steigen kann um auch sich selbst rein zu waschen. Frisch gebadet und in bequemer Kleidung setzt sie sich in das Wohnzimmer, das noch immer leicht nach kaltem Rauch riecht aber schon einladender wirkt. Aus der Kommode holt sie sich einen Block und einen Stift. Den Fernseher schaltet sie aus und dafür ihr Handy ein, um ihre Lieblingsmusik laufen zu lassen. Auf einem leeren Blatt notiert sie sich ihre Ziele, Wünsche und Träume und schreibt in fetten und großen Buchstaben: „Es kann nicht mehr so weiter gehen! Ich brauche Hilfe!“
Dies war der Tag an dem ich für mich erkannte, dass ich nur dann glücklich werde, wenn ich beginne mich selbst zu lieben. Wenn ich anfange, mir selbst meine beste Freundin zu werden und endlich mir selbst verzeihe. Dieser Tag ist nun über drei Jahre her.Alle 11 Monate regenerieren sich die Körperzellen, bis auf Zähne und bestimmte Knochenteile. Das Ich, welches Zerstörung und Auslöschung lebte, ist heute nicht mehr existent. Alles was noch von der Frau von vor drei, zwei oder einem Jahr übrig ist, zeichnet sich auf meinem Unterarm ab oder ist noch in meinen Träumen real, der Rest hat sich zu dem geformt was ich heute bin. Sahra-Latifa Anita Warrelmann, die positive Lebensfrau, die sich selbst liebt und für ihren Sohn endlich die Mutter sein kann, die er schon immer verdient hat.

 

 

Artikel aus dem Magazin „THECRAZYLIFE“ mehr auf: www.thecrazylife.de

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In der Rolle einer Mutter – Interview mit Maren Albers (Name geändert)

In vielen Frauen wächst irgendwann einmal der Wunsch heran, Mutter zu werden. Dabei stellen sie sich vor wie es ist, ihr kleines Baby zu füttern, es durch die ersten Entwicklungsjahre zu begleiten und immer wieder ein Lächeln ihres Kindes für ihren Einsatz zu ernten. Sie malen sich aus wie es ist, mit ihrem Fleisch und Blut zu spielen und ihm schöne Kleider anzuziehen. Eine Vorstellung, die der eines Kindes gleicht, wenn es gemeinsam mit seinen Kindergartenfreunden in der Puppenecke Mutter-Vater-Kind spielt, denn die Realität sieht meist doch ganz anders aus. Mutter sein ist schon während der Schwangerschaft eine Herausforderung und nach der Geburt ein Kraftakt. Was es bedeutet Mutter zu sein, erzählt Maren Albers (Name geändert) (44) aus Schwäbisch Hall. Sie ist vierfache Mutter und bereits Oma eines zehn jährigen Enkels, den sie seit einigen Jahren auch mit erzieht.

Ich treffe Maren in einem gemütlichen Café am Ende der Stadt. Es ist Dienstag und Fasching. Die Bedienung begrüßt uns freundlich in einem Clownskostüm.

CrazyLife: Hallo Maren, schön, dass du trotz deines turbulenten Alltags Zeit für das Interview findest. Mit 18 Jahren wurdest du das erste Mal Mutter und mit 34 Jahren das erste Mal Oma. Wie war es für dich erstmalig in die Rolle der Mutter zu schlüpfen und das relativ jung?

Maren Albers: Ich habe mich bereits in der Schwangerschaft auf meine Mutterschaft vorbereitet. Dazu habe ich mir viele Gedanken gemacht, mir vorgestellt, wie mein zukünftiges Leben als Mutter sein könnte. Allerdings war die Rolle der Mutter keine wirkliche Umstellung, da ich schon immer ein sehr fürsorglicher Mensch gewesen bin. Eine Umstellung wurde die Mutterrolle erst mit dem zweiten Kind. Auch wenn ich wusste, was auf mich zukommt, war es eine Herausforderung, zwei Kindern die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken. Jedes für sich ist anders und hat andere Bedürfnisse, das war schon schwierig. Vor allem, weil das erste Kind zunächst mit Ablehnung und Eifersucht auf den Familienzuwachs reagiert hatte.

CrazyLife: Das ist sicherlich ein Spagat, den man täglich leistet und unterschiedliche Aufgaben, die man täglich meistern muss. So schlüpfst du in die Rolle der Streitschlichterin, der Entertainerin und in viele mehr. Respekt, dass du all das in deinem jungen Alter gemeistert hast.
Was hat sich für dich als Mutter verändert? Trat etwas unvorhersehbares ein, etwas mit dem du so gar nicht als Mutter gerechnet hättest?

Maren Albers (lächelt): Mein Schlafverhalten hat sich geändert, so dass ich wegen jeder Kleinigkeit wach werde. Vor der Geburt meiner ältesten Tochter hatte ich sorge, dass ich sie nachts nicht hören würde, da ich eine Tiefschläferin war. Es gab nichts, was mich wecken konnte, wenn ich es nicht wollte. Diese Bedenken haben sich aber schnell erübrigt. Meine Tochter erblickte das Licht der Welt und mein Tiefschlaf verabschiedete sich. Außerdem habe ich das Leben als „Nicht-Mutter“ weniger ernst gesehen, als ich es heute empfinde. Bzw. früher habe ich die Dinge mit einer Leichtigkeit betrachtet. Alles kommt und geht, wenn ich etwas heute nicht schaffe, kann ich es morgen noch immer erledigen. Seit meiner Mutterschaft ist das ein wenig verändert. Natürlich sehe ich vieles immer noch leichter, gehe meine Aufgaben allerdings gewissenhafter an, aber das kann auch mehr mit dem menschlichen Reifeprozess zusammenhängen, als mit der Mutterrolle. Ansonsten konnte ich mit der Mutterrolle die Worte und Erziehungsmethoden meiner eigenen Mutter nachvollziehen. Als Kind konnte ich nicht verstehen, warum es wichtig ist regelmäßige Schlafenszeiten einzuhalten oder warum ich jetzt nicht noch das x-te Stück Kuchen verputzen sollte, heute als Mutter allerdings, kann ich es nachvollziehen. Kinder testen immer wieder Grenzen aus und zeigen einem auch die eigenen Grenzen, das ist richtig und wichtig. Dennoch gehören konsequentes Handeln und auch mal einen Punkt setzen, zur Erziehung dazu, das habe ich erst als Mutter realisiert.

CrazyLife: Ja, manchmal darf man erst in den Schuhen eines anderen Laufen, um zu verstehen, was es bedeutet seine Schritte zu gehen. Wie ist es bei dir, verhältst du dich in deiner Mutterrolle anders, als in deiner Rolle als Maren?

Maren Albers (schüttelt den Kopf): Nein, ich bin als Mutter dieselbe wie auch als Maren, meine Charaktereigenschaften sind dieselben. Das liegt vielleicht daran, dass ich schon früh Verantwortung für meine jüngeren Geschwister übernommen habe, die fünf und zehn Jahre jünger als ich sind. Ich wurde auch früh mit in die Alltagsaufgaben mit einbezogen und habe mich um den Haushalt gekümmert, weshalb ich es gewohnt war für andere da zu sein.

CrazyLife: Wie sieht es mit deiner Persönlichkeit aus, hast du das Gefühl als Mutter einen Teil deiner Persönlichkeit zu verlieren oder sie sogar zu erweitern?

Maren Albers: Sowohl als auch. Obwohl ich sagen würde, dass sich die Prioritäten verschieben. Zum Beispiel war ich, bevor ich Mutter wurde gerne künstlerisch tätig. Ich beschäftigte mich viel mit Zeichnen und Malen, wie auch mit dem Modedesign. Außerdem singe ich leidenschaftlich gerne und hätte mir auch eine professionelle Ausbildung in diesem Bereich gewünscht. Durch die frühe Schwangerschaft hieß es allerdings umdenken und mich an die neuen Umstände anpassen. Jede, die Mutter geworden ist kann, glaube ich, verstehen, dass man die ersten Monate fast ausschließlich mit der Versorgung seines Kindes beschäftigt ist. Kommt dann eines, zwei oder wie in meinem Fall drei dazu und das in kurzen Abständen, ist es kaum noch möglich seinen Talenten oder Fähigkeiten nachzugehen. Zumindest nicht mehr auf die Art und Weise, wie man sie vorher ausgelebt hatte. Also ja, ein Teil meiner Persönlichkeit oder das was mich früher ausgemacht hat, hat sich geändert. Es hat sich aber vielmehr verändert. Kreativ bin ich noch heute nur auf eine andere Art und Weise. So habe ich mich bei den Kindergeburtstagen ausgetobt, bei der Freizeitgestaltung und der Bewältigung des Alltags mit vier Kindern. So wurde aus der Kreativität und Kunst, die sich auf dem Papier ausdrückte, eine Kunst die sich in meinem Leben manifestierte und mich zur Überlebenskünstlerin formte. Ich habe durch meine Kinder meine Persönlichkeit entwickeln können, zwar nicht so wie ich es mir selbst als Kind ausgemalt habe, doch so wie es richtig ist. Wenn ich mein Leben so ansehe, dann gleicht es einer Autobahn, einer Lebensautobahn. Mit unzähligen Abzweigungen, Ausfahrten, die ich irgendwie alle genommen habe, aber dennoch bin ich immer wieder auf meiner Lebensspur gelandet.

CrazyLife: Das ist eine schöne Art seine persönliche Entwicklung zu betrachten. Nun hast du dich lange um die Erziehung deiner Kinder gekümmert und ihre Bedürfnisse in den Vordergrund gestellt, bis zum Jahr 2009. In diesem Jahr hast du begonnen deinen Wünschen nachzugehen und hast im Alter von 35 Jahren noch einmal die Schulbank gedrückt und eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin begonnen. Wie war es für dich dieses Kapitel zu beginnen? Wie konntest du diese neue Herausforderung meistern? Schließlich waren deine Kinder selbst in der Pubertät und deine älteste Tochter ist mit 15 selbst zur Mutter geworden.

Maren Albers: Es war ganz und gar nicht einfach. Meine älteste Tochter, die in der Pubertät sehr schwierig war, hat glücklicherweise in einer Mutter-Kind-Einrichtung gelebt, weshalb ich mich um sie und meinen Enkel weniger sorgen musste, auch wenn man das als Mutter immer tut. Meine drei anderen Kinder befanden sich mitten in der Pubertät und brachten typische Probleme mit, die Kinder in der Pubertät mitbringen. Türen knallen, wenn man wütend ist, sich über zu wenige Klamotten in Kleiderschrank beschweren, die Musik bis nachts aufdrehen, weil man eben gerade in der Stimmung ist und so weiter, man weiß bei pubertären Kindern nie was in der nächsten Stunde passiert. Zum Glück waren derartige „Ausbrüche“ bei den Dreien, die zu Hause lebten im Rahmen. Die meiste Zeit haben sie sich an die Regeln des Haushalts gehalten und sind respektvoll miteinander umgegangen. Sie haben mich auch immer wieder unterstützt. In der Schule war es eine Umstellung für mich wieder lange zu sitzen und mich dabei mehrere Stunden auf den Unterricht zu konzentrieren, schließlich war ich es nun mehr als 16 Jahre gewohnt ständig in Bewegung zu sein und auf die Ereignisse zu reagieren. Mein Leben war turbulent und abwechslungsreich, da waren ruhige Stunden sitzend, eher die Ausnahme. Auch an die Zusammenstellung der Klasse musste ich mich erst gewöhnen, da der Großteil im Alter meiner Kinder war. Meine Mitschülerinnen und Mitschüler hatten ganz andere Prioritäten, als ich sie hatte und legten einen anderen Fokus auf den Unterricht. Von den Meisten wurde der Ausbildungsgang nur deshalb gewählt, damit sie eine Ausbildung in der Tasche haben, was sie genau wollten oder wohin es sie in ihrem Leben führt, war einigen nicht klar. Aber wie soll man das auch in dem Alter wissen. Es war interessant zu sehen wie sich das Alter und die Lebenserfahrung auf eine Person auswirken. Dennoch war die Ausbildung kein Zuckerschlecken für mich, was man in meinem Alter meinen könnte. Ich war lange aus dem Schulalltag draußen, musste mich neu ans lernen, an Klausuren gewöhnen und die ein oder anderen alten Fertigkeiten auffrischen.

CrazyLife: Bewundernswert. Zwei Jahre nachdem du deine Ausbildung begonnen hattest und dich an die Rolle der Auszubildenden gewöhnen konntest trat eine weitere ungeplante Herausforderung in dein Leben. Du hast deinen drei jährigen Enkelsohn zu dir aufgenommen, nachdem er von seiner Mutter, deiner Tochter nicht mehr versorgt werden konnte. Er lebt bis heute bei dir. Mittlerweile ist er schon beinahe zehn Jahre alt, du hast deine Ausbildung mit sehr guten Noten beendet und deine Kinder sind schon junge Erwachsene im Studium und in der Ausbildung. Nun übst du als Oma die Rolle der Mutter aus, wie geht es dir damit?

Maren Albers: Die Anfangszeit war sehr schwierig, vor allem, weil mein Ekelsohn unter der Trennung von seiner Mutter und den neuen Umständen litt. Es dauerte Monate ihn an sein neues Leben zu gewöhnen und es ist, ehrlich gesagt, heute noch ein Kraftakt. Am Anfang hatte ich mir sogar überlegt meine Ausbildung zu beenden und mich nur auf den Kleinen zu konzentrieren, denn er tat mir leid und brauchte einfach volle Aufmerksamkeit. Natürlich machte mich das traurig und ich war auch enttäuscht, schließlich habe ich so lange für die Ausbildung gekämpft, die ich für mich tat, um nicht nur als Hilfskraft durchs Leben zu gehen. Zum Glück unterstützten mich mein Mann und meine anderen drei Kinder, die zu dieser Zeit alle im Haushalt lebten. Jeder von ihnen steckte zurück, packte mit an und trug zu einem fast reibungslosen Alltag mit bei, sonst wäre die Situation wohl nicht möglich gewesen. So hatte ich die Möglichkeit meine Ausbildung erfolgreich zu beenden. Auch als es danach um die Anstellung ging, hatte ich das Glück im ambulanten Bereich einer Einrichtung beginnen zu können, wodurch ich meine Arbeitszeiten relativ flexibel gestalten konnte und somit meine Arbeit auf die neuen Umstände anpassen konnte. Das ist für sich schon eine Herausforderung, doch für mich persönlich liegt die Schwierigkeit im sozialen Alltag. Bei der Erziehung meiner Kinder, war ich alleine für sie verantwortlich. Die Verantwortung für alle Angelegenheiten, die meine Kinder betrafen, lag bei mir. Die Entscheidung was sie tragen, welche Nahrung sie zu sich nehmen, wann sie zu Bett gehen, wie ich bei Krankheit auf sie zugehe, doch bei meinem Enkelsohn gibt es ja noch Mama und Papa. Beide sind im Alltagsgeschehen nicht beteiligt, doch sie sind die Eltern und sehen die ein oder anderen Dinge anders als ich. Das heißt für mich, in fast jeder Situation abzuwägen, was die Eltern wohl dazu sagen würden. Natürlich entscheide ich heute freier und mehr aus meinem Bauch heraus, als noch am Anfang. Letztendlich trage ich die Kämpfe bei Diskussionen aus, tröste ihn, wenn er geärgert wurde, lerne mit ihm auf Tests und Arbeiten und kümmere mich bei Krankheit um ihn. Dennoch sind seine Eltern immer präsent. Hat er warme Kleider an? Passt er auf, wenn er irgendwo hinaufklettert? Trägt er seinen Helm? Hoffentlich passiert dem Jungen nichts wenn er… tut, denke ich mir täglich. Mehr, als ich es bei meinen eigenen Kindern tat. Bei ihnen hatte ich die Haltung: Geht raus und lebt! Ihr müsst Fehler machen merken, dass die Kochplatte heiß ist, um aus euren eigenen Erfahrungen lernen zu können. Bei meinem Enkel hingegen fällt es mir schwer diese Leichtigkeit zuzulassen. Schließlich kommen die Eltern dann auf mich zu, wenn er sich bei einem Sturz verletzt oder in der Schule nicht die Leistung erbringt, die sie sich vielleicht wünschen. Ich trage also die Verantwortung anderer zu meiner eigenen, das ist die Schwierigkeit. Ich würde lieber die Rolle der Oma einnehmen, wie sie beispielsweise meine Tochter gerade ausübt. Sie ist da, schenkt ihm für eine bestimmte Zeit volle Aufmerksamkeit, unternimmt mit ihm, die aufregendsten Dinge, was sie auch kann, weil sie die Besuchszeiten auf ihn abstimmt. Sie muss sich wenig mit Diskussionen auseinandersetzen oder Konflikte lösen. Sie bekommt auch nicht den Ärger des Jungen ab, denn er hat, weil er nicht in einer klassischen Familiensituation lebt oder wenn er mal keine Lust auf das Gericht hat, das ich gekocht habe, weil er wie jedes Kind halt jetzt lieber Pizza essen möchte. Doch diese Rolle kann ich derzeit nicht ausüben, weil mein Enkel das von mir fordert, was er von einer Mutter fordert. Er braucht Grenzen, er braucht Struktur und einen geregelten Alltag, den ich ihm biete. Ich mache all das nicht, weil ich gerne noch einmal in die Rolle der Mutter wollte, sondern weil ich meine Tochter unterstütze, weil es für mich keine Option war, das ein Teil unserer Familie in einer Pflegefamilie kommt oder in einer Unterbringung aufwächst. Meine Motivation dabei, ist die Liebe zu meiner Familie.

CrazyLife: Ich bin gerührt von deiner Aufopferung, die es ja irgendwo auch ist und beeindruckt von deiner Stärke, die in dir lebt. Meinen Respekt an deine Leistung. Eine Frage aber bleibt mir noch: Woher nimmst du deine Kraft und wo bleibst du?

Maren Albers: Für mich gibt es wenig Zeit, daher bin ich um jedes Zeitgeschenk dankbar, das ich erhalte. Meine Kraft? Ich denke, die war schon immer in mir enthalten und ich bin überzeugt, dass ich sie von Gott bekommen habe. Schon in der kleinen jungen Maren war dies erkennbar. Wenn ich etwas möchte, dann muss ich mein Bestes tun um es zu erreichen. Ich möchte, dass es meiner Familie gut geht und ich möchte auch für mich, am besten noch bevor ich in Rente gehe, ein erfülltes und glückliches Leben. Daher setze ich alles daran, dass es auch so passiert.

Artikel aus dem TheCrazyLife Magazin mehr auf: www.thecrazylife.de

Simona Aurelia Maier Ein Strahlemensch, der nicht nur innerliche Barrieren bezwang

Blonde Locken, rote Lippen und ein Lächeln, das jeden in den Bann zieht. Simona Maier ist eine großgewachsene, sympathische Frau, die mit ihrer vielschichtigen Persönlichkeit überzeugt.

Die 27 Jahre junge Kurpfälzerin ist Winzermeisterin und Inhaberin ihrer eigenen Weinmanufaktur am Heiligenstein. Täglich arbeitet sie auf ihrem fünf Hektar großem Weinberg. Manchmal hilft ihre Mutter beim Pflegen und Kultivieren der Weinreben, doch den Großteil der Aufgaben, darunter die Herstellung und Vermarktung des Weines, übernimmt die taffe Frau alleine.

Ein eigenes Unternehmen zu führen ist nicht einfach. Es bedarf einer Menge Disziplin, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und einem eisernen Willen. Dass diese Eigenschaften in ihr vorhanden sind, beweist sie täglich und das nicht nur als Winzermeisterin, denn die einfühlsame Frau wurde im Körper eines Mannes geboren. Erst seit einem Jahr lebt sie amtlich als Frau.
Es dauerte 25 Jahre bis Simona ihre wahre Persönlichkeit, ihr wahres Ich nach außen tragen konnte und als die Person leben konnte, die sie im Inneren schon immer gewesen ist.

„Vor noch einem Jahr hättest du mich nicht so glücklich und strahlend vor der Kamera stehen gesehen.“, sagt sie während den Fotoaufnahmen und spielt damit auf die Strapazen der letzten Jahre an. Die Zeit vor und nach ihrem Outing, die hormonellen Veränderungen, die Suche nach passenden Ärzten und die alltäglichen Vorurteile gegenüber Transgender-Menschen zerrten an ihren Nerven.
Sie musste sich ein dickes Fell zulegen und sich darunter ihrer selbst ganz und gar bewusst werden. Das heißt: Zu ihrem wahren Ich zu stehen. Damit sie nicht nur ihrem Traum der vollkommenen Frau näher kommt, sondern auch in der noch immer konservativen Winzerbranche etabliert wird.

Simona Aurelia Maier gibt nicht auf und positioniert sich mit starkem Auftreten in der Gesellschaft. „Ich bin ich! Ich fühle mich als Frau und bin es auch. Durch meine Transsexualität bin ich keine andere Person, ich passe meinen Körper lediglich an meine Persönlichkeit an!“

Nicht viele Menschen wissen, wer sie sind, Simona Aurelia Maier aber hat sich ihr Leben lang mit ihrer Identität auseinandergesetzt und kann sich, nach kostspieligen Investitionen und innerem Bergeversetzen, ganz klar zu sich selbst positionieren. Somit ist sie nicht nur Vorbild für Transgender-Menschen, wie in der Jugendgruppe, die sie betreut, sondern vielleicht auch für alle anderen, die an sich zweifeln.

Photo by: Sahra-Latifa A. Warrelmann

Der Artikel stammt aus dem neuen „THE CRAZYLIFE MAGAZIN“. Mehr dazu auf: www.thecrazylife.de

Simona Maiers Homepage: http://weinmanufaktur-heiligenstein.de/presite/

Hochmut kommt vor dem Fall

Portrait der fiktiven Theresia Melina

Selbsternannte Heilige Theresia Melina bricht an Überforderung zusammen

Stuttgart – 19.01.2018: Theresia Melina galt über zwei Jahre als Heilige in der Stuttgarter Region, da sie all ihre Einnahmen in wohltätige Zwecke investierte. Sie organisierte Spendenaktionen, engagierte sich in Flüchtlingsunterkünften, gab Sprachkurse, beriet psychisch Kranke und half ihnen aus den Depressionen heraus.

Als wäre das nicht genug, ließ sie Obdachlose bei sich wohnen. Unzählige Menschen, die aufgrund von starken Drogenkonsum und Desinteresse gegenüber der Gesellschaft die Obdachlosigkeit wählten, gingen in ihrer kleinen Wohnung ein und aus. Das nahm manchmal so starke Ausmaße an, dass die junge Bäckereifachverkäuferin in ihrer Dusche anstatt in ihrem eigenen Bett nächtigen musste.

Noch vor wenigen Monaten glaubte Theresia Melina dies gerne und aus freien Stücken getan zu haben, schließlich sei sie gesegnet mit einer warmen Unterkunft, genug Nahrung und Wissen, das sie gerne mit anderen teilte. Sie wollte die Welt retten, da sie das Gefühl hatte, außer ihr kümmere sich kaum einer bzw. noch zu wenige um das Wohl der Welt.

Heute ist die ehemalige Heilige anderer Meinung. Sie sitzt zusammengekauert in einer Ecke ihres Wohnzimmers, die Fenster sind geschlossen und die Rollläden unten. Sie möchte ihr Zimmer am liebsten nie wieder verlassen und keinen Menschen mehr sehen. Sie hatte sich nicht nur übernommen, nein, sie hat sich vollkommen aufgeben. Das nicht für die Rettung der Welt, sonder für ihr Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Erst ihr Konto, das ein fettes Minus anzeigt, ihr Körper, der sie vor Schmerzen kaum schlafen lässt, ihre stündlichen Stimmungsschwankungen und ihre Selbstmordgedanken, ließen sie erkennen, dass sie an einem Abgrund steht und nur noch hinabstürzen kann.

Theresia Melina, eine junge Frau, die sicherlich Gutes bewirken wollte musste erst fallen, um zu erkennen, dass naive Gutmütigkeit nicht mit reinem Altruismus vergleichbar ist.

Fazit: Gebe dich nicht auf, um anderen zu helfen. Schaue erst nach dir, denn erst wenn es dir vollkommen gut geht, kannst du als Vorbild eine größere Hilfe für andere sein. Sei Lehrer, nicht Samariter.

Habt eine schöne Zeit, lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf.

Peace and Love ❤

Sahra-Latifa A. W.

Du interessierst dich für die Entwicklung deiner Persönlichkeit und brauchst Hilfe bei der Umsetzung. Ich biete Selbst-Coaching an. Online und vor Ort. Schau einfach auf meiner Homepage vorbei: Zum Coaching

Mit Visionen zum Erfolg!

Visionen, Anblicke oder Erscheinungen sind Träumereien, welche die Zukunft erstellen.

Hallo ihr Lieben, wie geht es euch? Hattet ihr einen schönen Start in den Tag?

Ich habe mich vor ein paar Tagen an die Visualisierung meiner Träume gesetzt. Denn im letzten Jahr habe ich die Erfahrung gemacht, das ich zwar Ziele hatte aber es mir schwer fiel diese auch konstant zu verfolgen. Schließlich waren sie nur in meinem Kopf. Außerdem habe ich als Kind mir immer sagen lassen, das man so viel träumen kann wie man will, das aber nicht unbedingt heißt, das die Träume wahr werden.

Wie meine Träume werden nicht wahr? Das passt mir ganz und gar nicht, denn sie sind es, die mich doch durch den Tag bringen, mich antreiben und mir Hoffnung schenken. Die mich verändern und prägen. Also habe ich versucht meine Träumereien in die Tat umzusetzen. Das natürlich total chaotisch und einfach mal drauf los 

Am Ende von 2017 musste ich dann feststellen: Jap, nicht alle Träume werden wahr und jap, man kann so viel träumen wie man will. ABER, jeder Traum kann werden, wenn man sich nur richtig organisiert und strukturiert und ganz wichtig, sich Zeit nimmt!

Denn nur weil ich mir etwas vorstellen kann, heißt es nicht, das es morgen vor meiner Tür steht. Nein, manche Dinge und vor allem Visionen brauchen Zeit. Sie dürfen Schritt für Schritt erarbeitet werden und reifen.

Also gehe ich das Ganze nun Schritt für Schritt an. Der erste Schritt ist die Visualisierung, denn was man verinnerlicht setzt man um. Eine Studie hat ergeben, das Leistungssportler, die ihr Ziel visualisierten und die Abläufe im Kopf immer wieder durchgingen zu 30% erfolgreicher waren als jene, die es nicht taten.
Das bedeutet unserer Training passiert nicht nur im realen Leben sondern auch im Kopf.

Daher habe ich mir ein Visionboard erstellt, mit all den Dingen, die ich dieses Jahr erreichen möchte, damit ich zum einen niemals aufgebe und meine Ziele immer vor Augen habe 

Seit 11 Tagen ist es nun Teil meines Lebens und ich darf sagen, es hat schon erste Wirkungen gezeigt. Ich bin motiviert und habe Pläne wie ich all das erreichen kann 

Wie sieht es mit euch aus? Was sind eure Ziele? Eure Wünsche für das Jahr 2018 oder für euer Leben?
Habt ihr auch schon einmal so ein Visionboard ausprobiert?

Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag  Lasst es euch gut gehen und passt auf euch auf 

Das Streben nach Perfektion (lat. Perfectio)

Lesezeit 6 -10 Minuten ❤

Das Streben nach Perfektion oder auch Vollkommenheit/Unfehlbarkeit ist schon immer ein Traum des Menschen. Sich selbst optimieren und das Beste aus sich herausholen strebt ein Großteil der Menschheit an. Was aber bedeutet es, perfekt zu sein?

Geht es um Schönheit, haben sich Wissenschaftler aller Epochen auf die Suche nach der wahren Schönheitsformel begeben. Mit Hilfe von aufwändigen Berechnungen sollen Richtlinien entstehen, nach welchen sich die Schönheit einer Person ablesen lässt. Das Ziel von Schönheitsformeln ist es Standards zu schaffen um sich vergleichen oder einstufen lassen zu können. Forscher und Ärzte wie der amerikanische Schönheitschirurg Steven Hoefflin versuchen durch Winkel, Zahlen und Formen das Rätsel um die Schönheit zu lösen. Was wirkt ansprechend, was gilt allgemein als schön?

Derartige Schönheitsformeln können in uns zweierlei auslösen. Sie können unsere Schönheit bestätigen oder uns glauben lassen, nicht attraktiv genug zu sein. Schönheitsformeln, ein Versuch Standards zu schaffen, wo keine sind.

Was bedeutet es eigentlich, perfekt zu sein und welche Auswirkungen hat das Streben nach Perfektion für den Menschen?

Der perfekte Mensch, wie würde er aussehen, wenn du ihn in deiner Vorstellung zeichnest? Wäre der Körper athletisch, kurvig, groß oder klein? Welche Sexualität besäße er und nach welcher Lebensphilosophie verhielte er sich? Wie agiert er in Konfliktsituationen und wie ist sein Erscheinungsbild? Tritt er introvertiert, also zurückhaltend auf oder ist er ein extrovertierter Draufgänger, der kein Blatt vor den Mund hält? Welches Geschlecht wird ihm zu Teil? Ist er intelligent? Was macht ein perfekter Mensch eigentlich so den ganzen Tag? Existiert er, um bewundert zu werden? … So ein Mensch, der alles kann und alles weiß, was wäre seine Aufgabe?

Stelle ich mir einen perfekten Menschen vor, sehe ich eine freundliche, aufgeschlossene Person, die reflektiert ist, seine Mitmenschen toleriert und im Einklang mit sich selbst und der Umwelt ist.

Diese Person ist sportlich und aktiv und frei von Beschwerden jeglicher Art. Der perfekte Mensch! – Zumindest für mich, ich kann mir gut vorstellen, dass deine Vorstellung vom perfekten Menschen von meiner abweicht, oder?

Perfektion bedeutet Vollendung. Etwas ist fertig, es muss nicht mehr geformt, verändert oder aufgebessert werden, denn so wie es ist, ist es zeitlos, perfekt und wunderschön.

Die perfekte Schönheit wäre daher ein vollendetes Kunstwerk. Ein Abbild gleich der David Statue, geschaffen von Michelangelo Buoanrroti. Michelangelo war in der italienischen Hochrenaissance ein künstlerisches Multitalent und beschäftigte sich unter anderem mit der Schöpfung von perfekten Werken. Seine geschaffene David-Statue fasziniert noch heute mit seinem perfekt konstruierten Körper. Für eine Statue oder ein Gemälde ist es einfach, das immer gleiche Aussehen beizubehalten und somit vollendet zu sein. Ein Mensch hingegen verändert sich sekundlich, bedeutet das nun, dass wir nicht perfekt sein können, da wir nie wirklich vollendet sind? Ist es demnach utopisch nach Perfektion zu streben?

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Ich habe im Laufe meines Lebens einen inneren Perfektionismus entwickelt, der mich glauben lässt, ständig perfekt sein zu müssen, also das Beste aus mir herauszuholen. Immer und zu jeder Zeit wollte ich die Idealvorstellung meiner Selbst verkörpern. Ich hatte geglaubt, nur akzeptiert werden zu können, wenn ich perfekt bin, also tat ich auch alles dafür. Empfand ich lange Haare als Ausdruck einer perfekten Frau, lief ich in den Afroshop und kaufte mir künstliches Haar, um mein eigenes zu verlängern. Hatte ich dann meine Traumfrisur, fühlte ich mich für eine Weile perfekt und zufrieden mit mir selbst. Aber wie alles im Leben verändern sich Meinungen und so waren die langen schwarzen Haare nach einer Zeit nicht mehr so perfekt und eine andere Frisur musste her. Und wieder investierte ich meine Zeit mit der Suche nach neuen Ideen für eine neue Frisur.

Irgendwann stellte ich fest, dass meine Vorstellung von Perfektion temporär und stimmungsabhängig ist. Ich könnte jetzt in diesem Augenblick meinen Körper mehr definieren wollen und am Abend sagen: „ Hey, ich bin doch ganz zufrieden mit mir selbst!“. Ich könnte in einem Werbeclip ein Model mit Tattoos sehen und deswegen einen Monat später selbst eines tragen. Meine Einstellung zu mir selbst ändert sich ständig.

Weil ich mich ständig verändere, befinde ich mich in einem lebenslänglichen Entwicklungsprozess, ich bin also nie ganz vollendet, oder? Bin ich also niemals perfekt? Macht dann das Streben nach Perfektion oder der perfekten Schönheit überhaupt einen Sinn?

Ich denke Perfektion ist ein Antrieb, sich selbst zu entwickeln. Die Vorstellung in der Realität einem Ideal zu entsprechen motiviert, an sich zu arbeiten, was aber nicht bedeutet, dass man in dem Augenblick der Veränderung nicht perfekt ist.

Auch wenn wir nicht wie die David-Statue immer gleich aussehen, sind wir dennoch immer vollendet. In jedem Augenblick sind wir die Summe unserer Erfahrungen, Gefühle, Gedanken und Eindrücke und somit eine Vollendung unseres bisherigen Lebens. Das macht uns in jedem Moment perfekt.

Das Streben nach Perfektion oder der perfekten Schönheit ist nur dann eine Motivation, wenn man erkennt, in jedem Augenblick vollendet zu sein. Nur dann ist die Idealvorstellung im Kopf ein Ziel, das man mit Freuden anstrebt. Glaubt man allerdings, wie ich vor einiger Zeit, dass Perfektion bedeutet, nicht perfekt zu sein, so ist der Perfektionismus ein Indikator für Selbstzweifel, einen geringen Selbstwert und Unzufriedenheit. Denn wer glaubt nicht perfekt zu sein, wie er ist, legt den Fokus auf seine Fehler und Makel. Ich habe jahrelang nur gesehen, was ich nicht habe oder nicht kann. Wo etwas zu viel und etwas zu wenig ist. Ich war unzufrieden mit mir selbst und habe geglaubt, dass jedem Menschen dem ich begegne, zunächst meine Makel ins Auge springen würden, weil ich so sehr davon überzeugt war nicht perfekt zu sein. Ich sah die Perfektion als Last und beneidete offengestanden auch jene die in meinen Augen perfekt waren und all das, weil ich nicht erkennen wollte, dass ich selbst perfekt war/bin. Das ist irgendwie schade, da man nie seine ganzen Talente entdeckt und feststellt, was eigentlich alles in einem steckt. Man ist den ganzen Tag nur damit beschäftigt herauszufinden, wie man seine Makel kaschieren kann, dass gar keine Zeit mehr für die Talente und Vorzüge übrig bleibt.

Ist das nicht irgendwie traurig? Das Gefühl nicht perfekt zu sein ist nicht nur für das eigene Selbstwertgefühl ein Genickbruch, es lässt auch eine gesunde Eifersucht, die als Motivator dienen kann, zu Neid heranwachsen.

Wie ich schon zuvor erwähnte, beneidete ich Frauen und Männer, die das perfekte Leben führten, das ich mir wünschte. Perfektes Aussehen, perfekte Charaktereigenschaften und einen perfekten Alltag, all das beneidete ich und fühlte mich dadurch ständig unwohl. So sehr, dass ich davon überzeugt war, dass mein Sein im Vergleich zu anderen wertlos war. Bis ich erkannte, dass der Neid und die Eifersucht vollkommen überflüssig sind. Ich bin zwar nicht perfekt wie Naomi Cambel, gleiche auch nicht Stars wie Rihanna, dafür bin ich aber die perfekte Version von mir selbst. Mein Weg wird niemals dem Weg eines anderen gleichen, meine Geschichte, wird niemals die Geschichte einer anderen Person sein. Selbst eineiige Zwillinge unterscheiden sich, weil jeder von ihnen seinen Weg geht. Selbst wenn sie im Kleinkindalter mal kurz in gegensätzliche Richtungen laufen, haben sie bereits unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, was sie wiederum voneinander unterscheidet.

Wenn ich also niemals den selben Weg gehe, wie die Person, die ich beneide, ist es dann nicht hirnrissig, das zu wollen, was ein anderer hat? Sollte ich mich nicht lieber auf mich selbst fokussieren, beginnen mich anzunehmen und meine Vorzüge nach außen zu tragen?

Ich habe begonnen, mich und meine Schönheit zu akzeptieren und in meinen Makeln sehe ich heute Besonderheiten, die mich ausmachen. Mich stören meine schwarzen Punkte im Gesicht nicht mehr, die durch Akne entstanden sind. Im Gegenteil, irgendwie wirken sie wie Sommersprossen, süß und interessant. Auch meine kleinen, durch die Schwangerschaft hängenden Brüste stören mich nicht mehr, obwohl ich mit ihnen noch bis letztes Jahr zu kämpfen hatte und jahrelang eine Brustvergrößerung in Betracht zog. Noch heute gibt es Tage, an welchen ich in den Spiegel schaue und mich frage, was zum Henker gerade mit mir los ist, weil ich kaum etwas an mir toll finde. Meine Haare stören mich, meine Lippen und einfach alles ist dann zum kotzen. Das ist auch okay und normal, solange man sich dennoch bewusst ist, dass es ein vorübergehendes Gefühl ist und man selbst in diesem Gefühlszustand perfekt ist. Zum kotzen aber perfekt, nicht wahr?

Schaust du das nächste mal in den Spiegel, dann sei nicht so streng mit dir. Du bist wunderbar, wie du bist. Um perfekt zu sein musst du nichts weiter tun, als dich selbst anzunehmen. Viel Freude dabei, dich selbst zu lieben.

Kapitel 3. aus meinem Buch „Natürliche Schönheit, weil perfekt nicht makellos bedeutet.“ Es ist ab sofort im Handel und kann entweder direkt bei mir erworben werden und dazu gibt es eine persönliche Widmung oder für ein paar Euro weniger in vielzähligen Online-Shops.

Das Buch ohne Signatur

Das Buch mit Sigantur

Viel Spaß beim Lesen :*

Peace and Love

Sahra-Latifa Warrelmann

Probleme gibt es immer, Lösungen aber auch!

Problembehandlung und kreative Ansätze (Lesezeit 6 -10 Minuten)

„Das gibt es doch nicht! Jetzt habe ich mich mit meinem besten Freund verkracht. Man, und das Ganze ist so eingefahren, dass es einfach keine Lösung gibt. Egal was ich mache, egal was ich sage oder denke, führt einfach zu nichts. Wenn es nur so viele Lösungen wie Probleme gäbe!“,brummelt Macey vor sich hin.

Macey befindet sich im Streit mit ihrem guten Freund Luciano. Sie ist vollkommen aufgelöst, da der Streit eskaliert ist und sie sich vollkommen voneinander distanziert haben. Macey ist eine sensible harmoniebedürftige Person, weshalb ihr der Konflikt sehr nahe geht. Am liebsten würde sie ihm alles sagen, was gerade in ihr vorgeht und mal so richtig ihre Emotionen rauslassen. Das ist allerdings nicht wirklich zielführend. Also was jetzt? Handeln, Ignorieren, einfach vergessen oder doch versuchen, den Streit irgendwie zu schlichten. Aber wie? Sie hat keine Ahnung wie sie jetzt vorgehen soll, auch wenn es in ihr brodelt und sie gerne handeln würde. Wie ganz egal. Hauptsache irgendwas, denn das Gefühlschaos bringt sie um den Verstand.

Macey und Luciano im Streit

Stopp Macey!!„, rät eine Freundin, die gerade ihr Psychologiestudium beendet hat. „Du solltest erst mal herausfinden, um welches Problem es sich handelt und dir Lösungsansätze überlegen. Denn aktuell befindest du dich im Problemdruck und der Stagnation. Außerdem ist es ratsam, wenn du dich ein wenig zurück ziehst und dich entspannst. So kannst du mit Distanz an das Problem herangehen. Es eröffnen sich mehr Optionen außerdem bekommst du dadurch einen kühlen Kopf. Du weißt doch was passiert, wenn du dir zu viel Stress machst.“, erklärt die frischgebackene Psychologin während sie auf eine Grafik der TKK-Studie zeigt. „Du siehst, zu viele ungelöste Probleme führen nur zu Stress, senken deine Konzentrationsfähigkeit und lösen psychische wie physische Krankheiten aus.“, sagt die Absolventin mahnend.

 

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Die ganze TKK-Studie zu Stress findest du hier.

Sechs Wochen später ist Macey nicht mehr ganz so aufgelöst, als sie im Park auf Benjamin trifft, der als Neurologe gerade an einer Studie zur „Kreativen Lösungsfindung im Alltag“ arbeitet. Sie berichtet von der Ruhe, die sie sich genommen hat und von ihren bisherigen Gedanken. „Okay, die Emotionen konnten bereits runter fahren, zurückziehen zeigte Wirkung. Die „paar“ Gedanken, die ich mir gemacht habe, scheinen auch plausibel, konkret ist das Ganze dennoch nicht.“, gesteht Macey. Während Benjamin überlegt fährt Macey aufgebracht fort: „Irgendwie bringt das doch alles nichts. Jetzt hab ich schon so viel Distanz von der Situation und auch von ihm geschaffen, dass ich mich fürchte, er könnte mich vergessen haben. Vielleicht glaubt er auch, dass er mir nicht wichtig ist oder ich einfach keine Lust auf eine Klärung habe. Schlimmer noch, er könnte bereits von mir Abstand genommen haben. Ja vielleicht hat er mich bereits vergessen!“

Stress führt zu

Benjamin legt seine Hand auf ihren Oberarm und besänftigt sie mit einer ruhigen Stimme: „Ganz ruhig liebe Macey. Jetzt wieder aus der Haut fahren bringt gar nichts. Auch vernunftwidriges Denken und Handeln führt nur zu weiteren Konflikten. Dieses möchtest du allerdings vermeiden, hab ich Recht?“ Er schaut ihr dabei in die Augen. Sie nickt nur wortlos. „Deshalb …“,fährt er fort „… lass deine Kreativität, nicht deine Angst für dich arbeiten. Du hast Recht! Du hast schon eine ganze Weile „inkubiert“. Wie wäre es mit einem Szenenwechsel.

Geh raus unter Menschen. Lenke dich ab und mach mal wieder etwas ganz anderes. Etwas was gar nichts mit ihm zu tun hat. Etwas was du nur mit dir oder vielleicht anderen Freunden verbindest. Denn, meistens bekommen wir in Momenten Geistesblitze, die gar nichts mit unserem Problem gemein haben. Du kennst das sicherlich: Gerade noch bist du völlig im putzen deiner Wohnung vertieft, als dir eine geniale Idee in den Kopf fährt.

Manchmal folgt die Einsicht erst durch unterbewusste Prozesse im Gehirn, die du am Anfang bei der Problembearbeitung ausgelöst hast. Ist dein Gehirn fertig mit dem Sammeln von Lösungen und der Abwägung von Handlungsmöglichkeiten, schickt es dir einen Geistesblitz, den du im passenden Moment entdeckst. Beispielweise beim Gespräch in einer Gruppe, wo du durch das Wort eines anderen auf die ultimative Lösung kommst. Um nicht mit einem unausgereiften Geistesblitz vor der Tür von Luciano zu stehen, wäre eine Elaboration, also eine Ausarbeitung deiner Idee vorteilhaft. Entwickle deine Idee weiter und prüfe sie auf mögliche Schwachstellen. Sei dir auch deiner Intention und Motivation sicher, um weiter Konflikte zu vermeiden.“

Default Mode Network

Bericht Geistesblitze   Hier findest du die Studie in der Originalsprache (Englisch)

Mehr Infos zu: Default Mode Network hier.   

Ein Freund der beiden stößt zu, der das Gespräch von einer nahegelegenen Bank verfolgte.

Entschuldigt, ich habe euer Gespräch belauscht. Liebe Macey, Benjamin hat Recht.“, sagt er während er neben ihr Platz nimmt.

„Es gibt für alle Probleme Lösungen, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Egal welches Problem gerade in deinen Alltag geschlittert ist, kann immer eine Lösung gefunden werden. Vor allem dann, wenn man sich des Vier-Phasen-Modells bedient. Das heiß zuerst beginnt man mit einer intensiven Problembearbeitung, dann folgt die Inkubation ( = Wirkung psychischer Prozesse ). Nach einer von deinem Geisteszustand abhängigen Zeit tritt die Illumination ( = Erleuchtung ) ein, welche für die Elaboration ( = Ausarbeitung ) genutzt werden kann.

Nicht nur die bewusste Anwendung der vier Phasen kann ein Problem lösen, sondern auch deine Herangehensweise und persönliche psychische Verfassung ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche Lösung deiner Probleme.

4 Phasen-Modell

Probleme sind nämlich nicht einfach nervige, belastende Ereignisse, die dir das Leben schwer machen wollen. Nein, sie können auch als Chancen gesehen werden. Chancen, die dir dabei helfen, dein Leben zu bereichern. Denn ein Problem setzt Unzufriedenheit voraus und wie lässt diese Unzufriedenheit sie am besten in Zufriedenheit verwandeln? Ganz genau, indem man handelt und beginnt das Problem umzuwandeln. Probleme sind ein Teil des Lebens und treten in allen Formen und Schwierigkeitsgraden auf, sie zu lösen ist eine Kunst, die wir verstehen und lernen dürfen.“

Macey denkt noch nach, während die beiden Männer bereits das Thema wechselten. Sie unterhalten sich über die aktuellen Sportergebnisse. Als sie gerade die Spielweise des letzten Spiels analysieren, steht Macey wie vom Blitz getroffen auf und ruft: „Heureka! Ich habe eine Geistesblitz. Tschüss ihr Lieben, ich gehe nach Hause und mache mich an die Elaboration.“

Bleib gechillt

In welcher Phase der Problembehandlung befindest du dich?

Weitere Möglichkeiten wie du kreativ Lösungen finden kannst sind:

– Brainstorming

– Erstellen einer Mindmap

– Versetze dich in die „Was wäre wenn…“ Situation also Spekulation

– Kneten (knete einen Ball oder Knetmasse das fördert die Denkprozesse)

– Zeichnen

– Blick in die Vergangenheit/Zukunft

(versetze dich in eine andere Zeit und überlege wie du reagiert hättest oder reagieren würdest.)

Viel Spaß und Ruhe wünsche ich dir in deiner kreativen Phase der Problembearbeitung.

Peace and Love und vergiss dein Lächeln nicht ❤

Sahra-Latifa Warrelmann