Schwankend perfekt- Der Mensch.

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Ich bin ein schwankendes Boot auf dem Weg zum Hafen, schon bald angekommen aber noch ein paar Hürden, gibt es zu überwinden.

Aber sind wir Menschen das nicht alle, schwankende Boote auf der Suche nach dem Hafen? Versuchen wir nicht alle unser Mitte zu finden?

Der Mensch, irgendwie unvollkommen aber vollkommen zugleich und dadurch irgendwie perfekt.

Paradoxerweise ist keiner perfekt und keiner kann immer zu 100% wissen, ob sein Handeln zum „richtigen“ Ergebnis führt, auch wenn man es sich wünscht.
Wir befinden uns ein Leben lang im Lernprozess, ist es da nicht verzeihlich wenn einem hin und wieder Fehler passieren, ist es nicht sogar normal?
Warum gehen wir gleich an die Decke wenn man durch ein Missverständnis enttäuscht wurde, durch ein Unglück verletzt oder durch ein plötzliches Ereignis daran gehindert wird, sein Ziel auf die gewünschte Weise zu verfolgen?
Als würde das, Kritik an der kompletten Person bedeuten. Ein Fehler und der ganze Mensch, ist schlecht, verlogen und verdorben. Irgendwie voreilig und einseitig.

Es scheint mir eher als wäre es eine Panik, eine innerliche Panik, die dazu führt, das man anderen den Bruch von Werten vorwirft, um seine eigenen Fehler, Gefühle, Ängste und eigentliche Gedanken zu verdecken.
Schade, denn irgendwie ist es doch schön zu wissen, dass wir alle nicht perfekt sind. Dass, selbst eine vollkommene Person mit Macken zu kämpfen hat. Das gibt doch irgendwie Mut und treibt an. Während die immer andauernde Suche nach Fehlern, Makel und Enttäuschung nur zu Antriebslosigkeit führt…

… Darum schwimme ich weiter wankend auf dem Boot auf der Suche nach Fehlern, Ecken und Kanten um perfekt am Hafen anzulangen.

Peace and Love
&

Lasst es euch gut gehen und seht das Positive im Leben 

Das gibt viel mehr Kraft. Fokussiere dich auf die Dinge, die gut laufen, als auf die, die schon wieder nicht funktioniert. Es gibt immer zwei Seiten einer Medaille 

Sahra-Latifa Warrelmann

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Das verlassene Kind

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Eine Trennung ist für niemanden einfach und schon gar nicht wenn ein Kind im „Spiel“ ist.

Ich weiß noch als ich klein war, glaubte ich für die Probleme meiner Eltern verantwortlich zu sein. Gab es einen Konflikt war ich meist davon überzeugt die Schuld zu tragen. Gäbe es mich nicht würden Mama und Papa sich nicht streiten.  Frieden würde herrschen, wenn ich artiger wäre.

Wie sollte es auch anders sein? Die Erwachsenen sind schließlich unfehlbar. Von ihnen lerne ich. Sie sagen mir wie ich mich beim Essen benehmen soll, welche Kleidung ich tragen sollte um mich vor dem Wetter zu schützen. Sie brachten mir die Nahrungsaufnahme und das Laufen bei. Auf beinahe jede Frage wussten sie eine Antwort. So gab es für mich nur eine logische Konsequenz, meine Eltern waren unfehlbar und ich ein Störfaktor.

Als ich älter wurde verstand ich, dass auch meine Eltern und all die anderen Erwachsen, die für mich lange wie allwissende Riesen wirkten, auch nur Menschen sind. Menschen die Fehler begehen und Konflikte zu lösen hatten. Dabei war es vollkommen egal ob es sich um die leere Haushaltskasse, die Urlaubsplanung oder die Bewältigung des Alltags handelte. Ich verstand das mit dem Älter werden auch Probleme dazu kommen, die man als Kind nicht begreifen konnte.

Was es heißt „Erwachsen“ zu sein und welche Verantwortung das mit sich brachte begriff ich erst als ich selbst Mutter wurde.

Mit 15 stand ich da, schwanger und plötzlich trug ich Verantwortung. Die Tragweite konnte ich bis zur Geburt meines Sohnes nicht erblicken, doch eines war mir schon von Anfang an klar, mein Sohn sollte ohne Angst aufwachsen. Er sollte nie in den Genuss einer Bindungsstörung oder Verlassensängste kommen. Er sollte Liebe erfahren und sich nicht verantwortlich für meine Fehler fühlen.

Die ersten drei Jahre schien es als würde sich mein Vorhaben erfüllen. Ich ging in meiner Rolle als alleinerziehende Mom auf. Kurz nach der Geburt meines Sohnes bestand ich meinen Hauptschulabschluss, zog mit meinem Sohn durch die Welt, schenkte ihm Aufmerksamkeit und Liebe. Ich besuchte die Realschule und bestand als Jahrgangsbeste meine mittlere Reife. Mein Sohn wuchs zu einem glücklichen und aufgeschlossenen Kleinkind heran. Das Abitur und unsere gemeinsame Entwicklung war mein nächstes Ziel. Ich war glücklich. Zumindest sollte ich es sein. Die Rechnung hatte ich allerdings ohne meine Vergangenheit aufgestellt.

Wenige Wochen vor dem dritten Geburtstag meines Sohnes veränderte sich unsere heile Welt! Das Gefühl von Einsamkeit breitete sich in mir aus. Es war zwar alles irgendwie toll aber nicht perfekt. Um alles abzurunden fehlte der Mann an meiner Seite. Ich selbst kenne meinen leiblichen Vater nicht und mein Ersatzvater war nicht unbedingt ein akzeptabler Ersatz im Gegenteil.

Mein Sohn sollte diese Lücke nicht kennen, schließlich braucht ein Junge einen männlichen Part. Auch wenn, ich versuchte ihm Vater & Mutter gleichzeitig zu sein. Vor Fußball, Kräftemessen in Form von „Spielkämpfen“ schreckte ich nicht zurück. Mir war es auch vollkommen egal, ob ich auf dem Spielplatz dreckig werde oder in die Rutsche passte, für meinen Sohn machte ich mich zur Hampelfrau. Auch wenn kein Mann in meinem Leben zu finden war, sollte mein Sohn dennoch Erfahrungen machen, die er eigentlich mit seinem Vater teilen konnte. Dass dies ein schwieriges Unterfangen war Begriff ich erst später.

Nun war ich 18 in der „Blüte“ meines Lebens, alles sollte nun steil aufwärts gehen.

Mein Wunsch nach einer stabilen Partnerschaft wurde immer stärker, mit ihm auch meine Depressionen, die sich von meiner Sehnsucht bis zur Erblindung (Blind im übertragenem Sinne) nährte. Scheinbar schlagartig veränderte sich mein Weltbild. Überall zogen glückliche Familien durch die Straßen. Alle waren glücklich nur ich nicht (glaubte ich in meiner blinden Unwissenheit). Dies musste sich ändern! Ein Partner musste her. Durch meine Sehnsucht verlor ich den Überblick und den Sinn für jegliche Vernunft und Verantwortung. Ich nahm keine Rücksicht auf die Gefühle meines Sohnes, denn letztendlich wollte ich alles zum Guten wenden, obwohl mein Leben schon perfekt war. Ich glaubte richtig zu handeln.

Nachdem ich mir in den Kopf gesetzt hatte das Projekt Mutter-Vater-Kind in Angriff zu nehmen vergingen zwei Monate bis ich die zweite Beziehung meines Lebens aufnahm. Die Gefühle spielten verrückt, Schmetterlinge im Bauch und die Euphorie überfraute mich. Mein Ziel schien erreicht zu sein. Gegen jegliche Vernunft und allen Bedenken von Freunden und Familie stürzte ich mich in eine Beziehung, die für mich und meinen Sohn gravierende Folgen mit sich trug. So schnell wie sie begann endete sie auch. Ich war noch nicht bereit und selbst unzufrieden. Wodurch die Beziehung von Anfang an zum scheitern verurteilt war. Wie sollte ein Mann, die Kluft in mir füllen, die ich nur selbst wieder schließen konnte? Nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass ich einen großen Fehler beging. Fernab von Familie und Freunden mussten mein Sohn und ich uns an ein neues Leben gewöhnen. Für meinen kleinen Wurm schien es kein Problem zu sein, im Gegenteil er freute sich an der zusätzlichen Aufmerksamkeit. Ein Mann, der mit ihm Zeit verbrachte, der ihn mochte und ihn gerne um sich hatte, der sich liebevoll um ihn kümmerte. Wunderbar.

Auf Grund meiner Probleme ging die Beziehung in die Brüche. Ich fühlte mich schuldig und schämte mich nicht auf die mahnenden Worte gehört zu haben. Da war ich nun, verlassen in einer fremden Stadt mit Kind. Eine komplette Veränderung zu meinem vorherigen Leben.  Von Sekunde zu Sekunde wuchsen die Schuldgefühle in mir heran. Wie konnte ich nur so etwas tun? Wie konnte ich meinen Sohn und mich in solch eine Lage bringen? Warum habe ich meinen sicheren Hafen für eine wage Liebe aufgegeben? Das Abenteuer wurde zum Albtraum.

Die Depressionen wurden schlimmer, es fiel mir schwer mich um meinen Sohn zu kümmern obwohl ich ihn überalles liebte, also dachte ich, ich würde das einzig Richtige tun indem ich ihn vor mir und meiner Zerstörung schütze. Ich brachte ihn in eine Wochenendobhut und legte somit den Grundstein seiner Bindungsstörung. Nachdem ich ihn abgegeben hatte prasselte alles ein. Vergangene Emotionen kamen ans Tageslicht und die Wut gegen mich verwandelte sich in Hass, wodurch ich nichts anderes als den Freitod im Kopf hatte und es somit unmöglich war meinen Sohn wieder zu mir zu holen. Dieser kleine Junge der innerhalb kürzester Zeit so viele Veränderungen und Schmerzen durchleben musste, von welchen ich ihn von Anfang an bewahren wollte…

… Weg von Mama irgendwo unter Menschen die er nicht kannte, ungewiss wann er seine Mutter wieder sehen konnte. Es zerriss mir das Herz in Einzelteile. Doch anstatt zu handeln vergrub ich mich in meiner Schuld. Zum Glück schritt meine Mutter ein und schenkte ihm Obhut und vertraute Gesichter. Ich ging zurück in meine Heimat und beschloss erneut mich meinen Fehlern zu stellen und Verantwortung zu übernehmen.

Mein starker kleiner Wurm hatte sich durch den liebevollen Umgang meiner Familie von den Traumatas erholt. Auch ich fand nach ein paar Downs wieder an Stärke und nahm mein Leben wieder in die Hand. Job, Ausbildung Wohnung und zu meinem zwanzigsten Geburtstag sollte mein Sohn wieder bei mir sein!

Wie das Leben so spielt geschah alles anders. Ich verliebte mich drei weiter Male bis heute und musste jedes Mal feststellen, dass ich nach den falschen Dingen suchte. Die „emotionalen Löcher“ sollten gefüllt werden. Mein krankhafter Wunsch nach einer intakten eigenen Familie trug zu weiteren Verletzungen im Leben meines Sohnes bei. Drei weitere Männer die er liebte, die er mochte und sich an sie gewöhnte waren genauso plötzlich da wie sie wieder weg waren. Keiner hatte auch nur eine Nachricht oder einen Anruf für ihn hinterlassen. Natürlich konnte ich verstehen, dass meine Ex-Partner nach dem heftigen Beziehungsaus, den ich verursachte keine Muse aufbringen konnten mit mir oder meinem Sohn Kontakt zu halten. Ich verstand es und sah auch keine Notwendigkeit darin sie auf meinen Sohn anzusprechen. Sie hatten genug um die Ohren, musste ihre eigenen Scherben wieder aufsammeln.

Die letzte Trennung war für meinen Sohn ein Schlag ins Gesicht. Ich habe Stunden damit verbracht ihm alles zu erklären. Er verstand es und schien irgendwie damit zu Recht zu kommen. Doch in Wahrheit ignorierte ich die Anzeichen, da ich es nicht ertragen konnte meinen Sohn leiden zu sehen und mich selbst nicht mit der Realität auseinander setzen wollte.  Die vermehrten Wutausbrüche, die Fragen über das Wohlergehen meines Verflossenen, die Versuche mich an die gemeinsame Zeit zu erinnern, mit Aussagen wie: „Mama, weißt du noch als wir hier waren und das und das gemacht haben?“ , ließen mich aufwachen. Also stieg ich in meine Mutterrolle, setzte mich mit meinen Sohn hin und fragte ihn nach seinen Gedanken und Gefühlen. Wie Elektroschocks durchzog es mich als mir die Realität ins Auge sprang. Er glaubte er sei für die gescheiterten Beziehungen verantwortlich! Er sah sich als Schuldigen. Wäre er nicht, dann hätte ich all die Probleme nicht.  „Niemand interessiert sich ob ich nicht mehr da bin! Ich vermisse deinen EX! Wie geht es ihm? Warum meldet er sich bei mir nicht?“, fragte mich mein Sohn. Mit diesen Worten begriff ich, dass in meinem Sohn ein Gefühl inne wohnt, das sich erst wieder lösen würde, wenn er alt genug ist um es zu verstehen. Doch bis dahin wird ihn immer wieder das Gefühl plagen im Stich gelassen zu werden.

Die Folgen einer Entscheidung können negativ und sehr gravierend sein wenn, man sich der Verantwortung nicht bewusst ist. Ich habe geglaubt das Richtige zu tun und meinen Sohn vor etwas zu bewahren. Ich wollte ihm eine intakte Familie schenken und meine Fehler nicht wiederholen. Er sollte andere Erfahrungen machen, er sollte vom Leid bewahrt werden.  Mit meinem krankhaften Versuch alles richtig zu machen habe ich Entscheidungen gefällt die zu Gegenteil führten.

Die Fehler sind passiert und lassen sich nicht rückgängig machen. Jedoch kann ich aus ihnen lernen. Das bedeutet, anstatt nach Perfektion zu streben, sollte ich mir der Realität und den Folgen meines Handelns bewusst werden. Agieren anstatt reagieren. Sehen was ich habe/bin und nicht was fehlt. Ich hätte, hätte, hätte…

… Nein ich kann. Ich kann jetzt die Wunden lecken und für ihre Heilung sorgen. Ich akzeptiere, dass ich mit meinem Sohn die beste Familie bin und nichts weiter brauche. Niemand kann mir das geben was  ich brauche und meinem Sohn das geben was ihn leben lässt- Meine Liebe! Darum nehme ich die Laster der Vergangenheit, packe sie in ein Bilderrahmen und hänge es an die Wand, als Mahnmal, das mich daran erinnert mein Ziel nicht aufzugeben…

… Das Ziel meinen Sohn glücklich zu sehen.

Es ist nicht immer einfach als Elternteil und natürlich kann man sein Kind nicht von all dem Unglück bewahren.

Aber liebe Eltern, macht euch bewusst, dass ihr für eure Kinder Götter seid und ihr die Grundsteine für ihre Zukunft legt. Auch die Frauen und Männer, die eine Partnerschaft mit einem Vater oder einer Mutter eingehen oder bereits in einer befinden, ihr habt das Kind nicht gezeugt, allerdings habt ihr es in eurer Leben gelassen.

Seid euch bewusst, dass auch ihr einen entscheidenden Beitrag leistet und die Entwicklung des Kindes beeinflusst. Ihr seid nicht nur Partner! Ihr geht nicht nur eine Beziehung mit einer Frau oder einem Mann ein! Nein es ist auch eine Beziehung zu einem kleinen Menschen, der die Probleme der Erwachsenen noch nicht verstehen kann. Für das Kind bedeutet es Ablehnung ganz egal, wer schuld an der Trennung oder den Konflikten trägt! Ein Kind ist ein Kind, unschuldig, unwissend und verdammt verletzlich! Es lernt von uns, den Erwachsenen. Es nimmt unsere Fehler auf! Es weiß noch nicht, wie es mit den Problemen umgehen soll und muss sich mühselig Skills erarbeiten. Wenn ihr leidet fragt euch, wie es wohl eurem Kind/euren Kindern ergeht!

Passieren Fehler, versucht ein offenes und ehrliches Gespräch zu führen, ganz egal wie unangenehm und anstrengend es ist. Lernt daraus und seid ein Vorbild! Zumindest versucht es!

Seht meine Geschichte als Beispiel dafür wie es nicht laufen sollte. Vielleicht könnt ihr somit Fehler verhindern, die ihr eventuell später bereuen werdet.

Zeigt euren Kindern, dass ihr sie liebt und sie keine Schuld an euren Problemen tragen!

Auf die Verantwortung und Veränderung!

Liebe Grüße

Sahra

Die Fehler unserer Eltern

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Wer hatte sich nicht gewünscht, seine Eltern austauschen zu können. Nervig, peinlich, unaufmerksam, verständnislos oder evtl. auch gewalttätig.

Unsere Eltern können wir nicht aussuchen und nicht immer sind wir zufrieden mit ihnen. Ein sensibles Thema. Denn, schließlich sind sie es die uns am meisten prägen. Sie legen Grundsteine und teilen ihre Gene. Ihr Einfluss auf unseren Werdegang und sein ist enorm.

Verletzungen und Enttäuschungen, die in der Kindheit gebildet werden, spielen im Erwachsenenalter eine große Rolle. Oftmals fällt es schwer zu verzeihen, sodass wir uns noch heute verletzt fühlen. Manchmal glauben wir sogar, dass sie Schuld am eigenen Versagen tragen. „Hätten sie sich anders verhalten, wäre ein erstklassiges ME entstanden..“

Ich habe lange lange einen Hass gegen meine Mutter gehegt. Einiges war für mich nicht entschuldbar. Ich hatte sie für ihr Scheitern verabscheut (Aus der Sicht eines Teenies). Schon früh beschloss ich, alles anders zu machen als sie. Ich wollte ihr beweisen, dass es besser geht. Dass ihre Art und Weiße das Leben anzugehen gänzlich falsch sei. Trotz meiner Wut liebte ich sie an jedem Tag und das missfiel mir. Ich wollte sie hassen, denn schließlich hatte sie mich gekränkt. Sie war an meiner Erkrankung, meinen Traumata, meinem Niedergang, komplett an allem schuld. Ich hätte niemals das Leid erfahren müssen, wäre sie eine bessere Mutter gewesen. So lief ich durch den Alltag. Habs mir dadurch ziemlich einfach gemacht.

Irgendwann begriff ich, dass meine Mutter auch nur ein Mensch ist. Eine Frau mit einer Vergangenheit und der Daseinsberechtigung. Diese Erkenntnis führte nicht etwa zu dem Verlust meines Grolls, mehr zu dessen Wachstum. Jetzt musste ich Verständnis aufbringen. Betrachtete ich mein Leben aus der Perspektive meiner Mutter, konnte ich nachvollziehen warum sie war wie sie war. Einsicht mochte ich dennoch nicht zeigen. Denn, sie oblag letztendlich der Mutterolle, nicht ich. Sie sollte MICH verstehen und nicht andersrum.

Der Gedanke hatte sich gefestigt. Es wuchs eine Sensibilität für die Geschichte meiner Mom heran. Sie hatte die ganze Zeit über nach besten Absichten gehandelt. Sie hatte ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und täglich alles gegeben, was sie konnte. Für mich war es leider nicht immer genug. Aber das ist nicht ihr Fehler gewesen. Ich kann es ihr nicht verübeln. Warum auch? Ich kenne es selbst. An manchen Tagen ist mir einfach nach nichts. Ich habe keine Kraft oder Lust. Genauso ist mir nicht ständig nach Nähe. Als Kind ist man seltenst in der Lage das zu begreifen. Man empfindet es als pure Ablehnung seiner selbst und glaubt, das die Gott gleichen Wesen, bewusst einem schaden wollen, denn schließlich sind sie ja makellos.

Jeder der selbst in den Genuss gekommen ist Mutter oder Vater zu sein, weiß wie ambitioniert es ist, Fehler zu umgehen. Der Versuch das Kind frei großzuziehen ist schwer. Wir nehmen uns vor, nach anderen Werten zu messen, geraten aber schnell in die Wiederholung der geprägten Muster.

Deshalb seid dankbar für eure Eltern, trotz des Schadens, den sie hinterließen. Deine Eltern hauchten dir Leben ein und steckten den Grundstein. Ihr Einfluss muss nicht immer angenehm sein, doch wir können daraus wachsen. Ihre Aufgabe war es nicht uns zu perfekten Menschen zu machen. Das müssen wir alle selbst erreichen. Glaube nicht, dass du das Opfer der Missgeschicke deiner Eltern bist!

Es hilft, zu verzeihen. Denke daran, dass sie dich lieben egal, wie hasserfüllt ihr eigenes Herz zu sein mag. Du bist ein Teil von ihnen.

Eine Frage an all jene die den Genuss der Elternschaft erfahren: Hat sich die Beziehung zu euren Eltern seit eures Sprösslings verändert?

Liebe Grüße
Eure Sahra

Freu mich eure Meinung/Geschichte zu lesen 🙂
Bin gespannt 🙂