Die Welt, die ich nicht verstehe!

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Sieben Uhr morgens, alles sollte noch schlafen. Schlaf. Ich sehe die Sehnsucht nach einem warmen Bett in den Augen der Menschen die mit mir ein Schicksal teilen, berufstätig (Schüler, Studenten, Ehrenamt und andere beschäftigte mit eingeschlossen).

Leer Blicke kreuzen sich, die starr in der Luft ausharren. Was wohl die junge schwarzhaarige Frau, mit meiner Meinung nach viel zu leichter Bekleidung für diese Jahreszeit, auf dem Sitz gegenüber denkt? Meine Haltestelle wird aufgerufen. Ich muss aussteigen. Zügig erklimme ich den Berg auf meinem Arbeitsweg, dabei kreisen meine Gedanken um meine Mitfahrer in der Bahn. Nur die wenigsten schienen erfreut über den frühen Beginn Ihres Tages. Warum sitzen wir eigentlich im frühen Boot? Was treibt uns an? Sollten wir diesen Zustand nicht schon längst gewohnt sein? Schließlich ist es der frühe Vogel, der den Wurm fängt. Zumindest behaupten das die Verfechter des frühen Morgens.

Ich verstand nie, warum wir Dinge ausführen, die wir gar nicht wollen, um etwas zu sein, was wir nicht sind.

„Es ist so! Du wirst niemals eine Veränderung erwirken! Nichts wird sich ändern, die Menschen sind so!“, das sagte mir heute ein Kollege, während wir über Gesellschaftsthemen diskutierten. Zu oft durchdrängten Worte wie seine mein Ohr. Als wäre es unmöglich sich vorzustellen, wie es anders laufen könnte. „Wie willst du das anstellen? Wie willst du dafür sorgen, dass wir ohne Geld leben oder in Frieden? Da macht doch keiner mit. Keiner würde ohne Geld arbeiten gehen oder seine Zeit für etwas investieren, wenn er dafür nicht entlohnt wird. Wir brauchen Geld, wir brauchen das System, weil es anders nicht möglich ist. Es funktioniert einfach nicht.“ Meine Antwort darauf viel knapp aus, denn ich bin nicht im Besitz einer Musterlösung für die Probleme der Welt und gewiss nicht in der Lage den perfekten Entwurf zu erstellen. Zumal ich mir das auch nicht anmaßen möchte. Doch wie schön wäre es wenn, wir mehr Interesse für gesellschaftliche Fragen aufbringen könnten.  Natürlich sind Umstellungen in den aktuellen Systemen unserer Zeit schwierig bis unmöglich. Deswegen sollten wir weiter denken. Ist es, nicht möglich Bestehendes zu verändern, kann man es so lassen oder Alternativen finden! Eine unbefriedigende Situation muss nicht dauerhaft ausgehalten werden.  Keiner muss darin verharren und unglücklicher werden.

Aber was soll´s? uns geht es doch gut oder? Konflikte treten nicht auf, Kriege sind nichts weiter als eine Erfindung der Gamingindustrie, Ungerechtigkeit eine Fabel, Gewalttaten sind Märchen und Dokumentationen über Hungersnöte nur die wahnwitzigen Ideen eines Fantasy-Autors. Es ist doch alles gut. Warum etwas ändern?

Ich verstehe die Menschen nicht und schon gar nicht den Lauf der Welt. Ich verstehe nicht, wie man täglich in seinem Trott leben kann, ohne nach rechts uns links zu schauen, um mit dem Eintritt in die Schule seinen Verstand in der Schultüte verrotten zu lassen. Beschweren ohne etwas zu Leisten unser täglich Brot. Die von uns geschaffene Einfachheit muss in vollen Zügen genutzt werden, ob das nun sinnvoll ist oder nicht, ist eine andere Frage.  Wir sehnen uns nach Freiheit, Unabhängigkeit und der Möglichkeit die eigenen Interessen ausleben zu können, doch dafür zu arbeiten… Nö! Die Sehnsüchte müssen schon auf einem Silbertablett präsentiert werden, damit ich mich bewege. Einfach soll es sein, ohne Anstrengung und Mühen.

Wann sehen wir ein, dass unsere Art zu leben für niemanden einfach ist. Nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung zieht einen Nutzen aus unserem derzeitigen Verhalten. Dass, die Vielen die keinen Profit von den Politischen und Gesellschaftlichen Strukturen tragen stumm das Ganze ertragen, ist für mich noch immer ein Mysterium.
„Sprich mit den Politikern darüber oder geh zu den Firmenchefs“, wurde mir vorgeschlagen. Typische Aussagen. Die Bevölkerung möchte sich beschweren, Verantwortung möchte sie allerdings keine übernehmen. Wir (Bürger, Mensch, Politiker, CEO`S. Lehrer, ALG2 Bezieher und so weiter)sind Teilnehmer des Lebens, wir können nicht so tun als würde es uns nicht angehen und wie stille unbeteiligte Beobachter am Rand stehen. Gesetze, Politik, Wirtschaft, Humanismus, Ethik, etc. betrifft jeden von uns. Wie können wir sagen, dass Politik eine Sache der Politiker ist oder die Gründung eines neuen Systems die Angelegenheit der Obrigkeit?

Ich bin den ganzen Tag ausgelastet. Arbeit, Kind/er, Schule, Studium, Freizeit, Papierkrams und/oder sonstiges nimmt mich ein. All das beansprucht Zeit, da kann ich mich nicht noch mit der Welt befassen. Außerdem, was geht es mich an wenn, die Bevölkerungen der „Entwicklungsländer“ ausgebeutet werden. Ist ja nicht meine Schuld. Es sind die Entscheidungen der Politiker, CEO`s und anderen patriarchalischen Personen. Ich mache da doch gar nicht mit. Ich will einfach nur günstige und qualitativ hochwertige Konsumgüter. Wie das Zeugs her kommt, ist mir egal. Hauptsache ich kann in den Laden gehen und das Kaufen was ich möchte oder?

Zumindest ist das die Meinung ZU vieler Personen! (Ich weiß, jeder Deutschlehrer bekommt jetzt ein Anfall)

Was wollen wir eigentlich? Was sind unsere persönlichen Ziele? Etwa jeden Tag überleben? Schaffen bis zum Umkippen? Einmal im Jahr Urlaub oder doch das neue Auto oder Smartphone?

Interessiert uns das Leben und dessen Bedeutung so wenig? Ist uns all das egal? Soll wirklich nur das eigene Ego von Bedeutung sein?

Mir scheint als wären wir Anhänger einer suizidalen Gemeinschaft. Alle laufen blind auf den Abgrund zu, selbst jene die aufgewacht sind, werden mitgerissen. Was für ein ernüchterndes Trauerspiel, in dem wir alle Akteure und Kritiker zugleich sind.

Macht etwas aus eurem Leben und zeigt, dass ihr nicht länger fremdgesteuerte Marionetten seid. Tragt Verantwortung für euch und das Leben.

Liebe Grüße und viel Erfolg beim Sein 🙂

Sahra

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3 Gedanken zu “Die Welt, die ich nicht verstehe!

  1. Keiner würde ohne Geld arbeiten gehen oder seine Zeit für etwas investieren, wenn er dafür nicht entlohnt wird

    Genau. Alle Ehrenamtler sofort nach Hause gehen. Die Ehrenamtler, bitte!

    Wir brauchen Geld, wir brauchen das System, weil es anders nicht möglich ist

    10.000 Jahre Zivilisationsgeschichte. Noch vor 200 Jahren haben Menschen gelebt, die ihr Leben lang so gut wie nie Geld zu sehen bekamen. Aber natürlich geht es nicht anders und das System ist so, wie es ist. Es bringt uns alle um, aber wir brauchen es.

    Manchmal möchte ich solche Leute schlagen. Sehr.

    Ach ja – was die von dir angesprochene Hektik angeht: Hast du den zweiten Teil gelesen? 😉

    Gefällt 1 Person

  2. Das ist so ein witziges Argument „Keiner würde ohne Geld arbeiten gehen oder seine Zeit für etwas investieren, wenn er dafür nicht entlohnt wird.“
    Das höre ich auch immer wieder… während gleichzeitig Abend für Abend Menschen ihre Zeit ins Fernsehen investieren, ohne dafür entlohnt zu werden. „Das ist ja was anderes“, sagen sie dann.
    Also mehr Beispiele: Während sie mit anderen Menschen sprechen, ohne dafür entlohnt zu werden. Sich in Vereinen engagieren, demonstrieren gehen, lamentieren, diskutieren und so weiter… alles ohne entlohnt zu werden.
    Und das meiste davon sogar ohne Freude.
    Mein Argument dagegen ist, dass die Menschen sehr gerne bereit sind, ihre Zeit in Dinge zu investieren, die ihnen Freude bereiten und von denen sie sich in irgendeiner Weise eine Besserung ihrer Situation erhoffen. Man muss sie nur anstecken, sie mitreißen und ihnen Optionen geben…
    Es ist z.B. so leicht zu sagen, dass Kinder ja nur vor den Medien sitzen wollen. Wer sich Zeit nimmt, Kinder zum Hüttenbauen mit in den Wald zu nehmen, wird erleben, dass denen die Medien herzlich egal sind, wenn man ihnen begeistert eine Beschäftigung bietet, die sie begeistert. Bei Erwachsenen ist das nicht anders… gib ihnen etwas, an das sie glauben und sie werden es tun. Selbst unter Schmerz und Verzicht – siehe das aktuelle System, indem viele „glauben“, es müsste so sein.
    Liebe Grüße
    Matthias

    Gefällt mir

    • Lieber Matthias. Sehr schön geschrieben und ich kann dir das nur zustimmen! Ich sehe das genauso. Würde der Kampf ums Überleben im Sinne von Obdach,Nahrungsbeschaffung, soziale Interaktion etc. nicht mehr stattfinden, bliebe Zeit für und Kraft für andere Dinge. Ich denke wir Menschen würden uns „besser“ entwickeln, würden wir den gedanken vom Zwang verlieren.

      Eine Menge an Spekulationen 🙂
      … die Realität werden, wenn wir beginnen unsere Perspektiven zu wechseln.

      Gefällt 1 Person

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