Stress und Ruhe

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Es ist wieder soweit. Ich bin gestresst. Mein Körper ist müde und straft mein Verhalten mit einer Bronchitis die zu einer Lungenentzündung heranwächst. Eine Auswirkung des Stresses.

Ich bin müde. Alles in mir schreit danach mich unter die kuschelige Decke in meinem Bett zu legen. Meine Augen werden immer schwerer, mein Körper liegt nur noch lätschig da. Alle zehn Minuten zieht sich mein Zwerchfell zusammen und ein Geräusch das einem alten sterbenden Hahn gleicht, entflieht meinen Lippen. Ein Hustenanfall. Yeah. Das Gute ist, nach der Bronchitis werde ich stählerne Bauchmuskeln besitzen. Wie dem auch sei. Der Punkt ist, ich sollte mir Ruhe gönnen, doch ich sitze am PC und schreibe. Schwachsinnig nicht wahr? Warum handle ich entgegen meiner Bedürfnisse?

Was sollte schon passieren wenn, ich mich ins Bett lege. Ich verpasse doch nichts und es fördert den Heilungsprozess. Eine Win-Win Situation. Eigentlich. Wäre da nicht mein innerer übertriebener Ehrgeiz. Ich stelle ihn mir als kleine Version meiner selbst vor. Ich im Alter von dreizehn. Total nervig, eine Furie, zickig, stur und dickköpfig. Natürlich konnte ich damals auch lieb sein, doch das wollte ich nicht. Wer will mit dreizehn schon nett sein? Da will man rebellieren. Grenzen austesten. Die Welt entdecken, anders denken. Sich selbst finden. Frei sein. Man glaubt man könnte alles und man wüsste alles. Obwohl jeder Jugendliche im Grunde doch weiß, dass er nicht alles weiß und auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen ist. :) Oh, wie schön, Ehrgeiz, eine pubertierende dreizehn Jährige. Klingt nach verdammt viel Spaß. Ja und das ist es auch.
Mir fällt es schwer mich auszuruhen und an Schlaf zu denken, wenn ich weiß dass um mich herum noch 20 Dinge erledigt werden „müssen“. Das verzwickte an einem Haufen von Dingen die erledigt werden müssen ist, dass sie sich in einer wahnsinnig kurzen Zeit verdoppeln, wenn man sie liegen lässt. Ich hab echt keine Ahnung wie das passiert, aber es passiert. Einmal was liegen lassen und es ist am nächsten Tag doppelt so viel, das abgearbeitet werden muss. In derselben Zeit. Was nicht möglich ist! Wie soll das gehen?
Also müsste demnach immer dieselbe Leistung erbracht werden um nicht in überlasst zu geraten. Quasi rotierende Zahnräder. Immer im selben Takt laufend. Solange alle Zahnräder sich bewegen ist alles super. Ein kaputtes würde den Kreislauf unterbrechen und es würde zum Stillstand oder Chaos führen. Eine schreckliche Vorstellung. Denn das würde bedeuten dass, das Model nur besteht wenn ein ständiger Austausch der Zahnräder möglich ist. Nach dem Motto: „Der kann nemmer also muss er halt weg. Fertig. Geht halt net anerscht. Wenn, er net will kann er a net.“ Auf Deutsch: „Wer sich nicht an die Anforderungen der Gesellschaft anpassen kann und möchte wird selektiert!“

Weil ich kein Fan davon bin andere Schuld für meine Probleme zu geben bin, habe ich mich nach meinen Anteilen gefragt. Dabei kam ich auf die Frage wie viel Zeit bräuchte ich eigentlich, wenn ich tatsächlich bewusst nach meinen Bedürfnissen leben würde. Ich fing an mir aufzuschreiben was mein Körper alles so braucht und was die optimale Ausführung wäre. Siehe da, ich kann ja gar nicht innerlich ausgeglichen sein, denn die Zeit, die ich bräuchte um allem gerecht zu werden, steht mir nicht zur Verfügung. Wenn ich nur die Zeit bedenkte, die meine Haare benötigen. Ey das kostet bei mir Zeit!!! Ich wäre echt dafür, dass Menschen mit Locken spätere Arbeitszeiten bekommen. 🙂 Echt wenn ich meine Harre mal einen Tag nicht richtig kämme und das bedeutet bei mir 2 Stunden kämmen ja, 2 Stunden. Das ist hart. Echt hart. Und wenn, ich das dann mal nicht mache, was jeden Tag der Fall ist, dann sind die so verknotet, dass ich sie auch gleich abscheiden könnte. So nervig und total schwachsinnig. Mann, ich will mir doch net meine Haare abschneiden können, aufgrund mangelnder Zeit für die Pflege meines Körpers. Ziemlich dumm oder? Mir geht’s hier nicht um die Optik. Mir ist es egal wie das aussieht. Aber es ist doch voll unnötig. Die Leute die sich die Arbeitszeiten ausgedacht haben, haben die sich davor über ja Menschen Gedanken gemacht? Hat man sich gefragt, was wichtig ist. So, keine Ahnung, Ruhe, keinen Zeitstress, Pausen und so Zeugs
Ist nicht so dass der Mensch nicht 24h durcharbeiten kann. In Kombination mit Ruhe, Spaß und Abwechslung könnte ich mir durchaus vorstellen den ganzen Tag zu arbeiten*.)

*Kommt ganz auf die Definition und die persönliche Einstellung an. Jede von mir erbrachte Leistung ist durch das Arbeiten entstanden, da ich mich gerne Entwickle und somit „leiste“, empfinde ich arbeiten nicht als belastend. Was nichts bedeutet, dass ich jeder Handlung für sinnvoll erachte.

Oh Mann, wir erzeugen echt zu viel Stress. Vieles könnte so einfach sein.
Ich halte vieles einfach für so unnötig. Wie einfach wäre das Leben, würde man es einfach leben.
Beispiele. Joa. Das fängt damit an:

Wofür die ganze Bürokratie und die Papiere? Wozu drucken wir Geld? Weshalb werden unsere Kinder nicht von uns selbst erzogen? Warum verrotten unsere alten Menschen im Altersheim? Warum gehen wir alle arbeiten, obwohl es kaum einer möchte? Um dann in Facebook Montag morgens Bilder zu posten mit dem Spruch: „Ich hasse Montage“? Weshalb veranstalten wir Frühjahrsputz? Warum gehen wir wählen? Warum bekriegen wir uns? Warum hetzen wir uns in die Bahn? Warum schaffen wir nicht Autos ab und bauen ein gigantisches weltweites umweltfreundliches öffentliches Verkehrsnetz so ala Futurama oder mit Jetpacks? Warum dröhnen wir uns mit Zeugs zu welches uns vergiftet? Weshalb gefällt es uns auf kosten andere zu bespaßen? Warum lügen wir? Warum setzen wir uns unter Druck? Warum lassen wir Menschen vor unseren Grenzen ertrinken? Warum mobben wir uns? Was sollen all diese verstörenden Serien? Warum gibt es Castingshows? Was fasziniert einen an RTL und Co? Warum darf Donald Trump reden? Wie kommt es das Frauke Petrie von Frauen geschätzt wird? Warum regen wir uns über falsch Parker auf? Warum werden die Leute immer depressiver? Warum sind Medikamente schon Nahrungsergänzungsmittel? Weshalb suggeriert mir die Werbung eines berühmten Schmerzmittels das arbeiten selbst krank möglich ist, wenn nur die richtige Packung zur Hand ist? Warum werden Verpackungen mit Verpackungen verpackt? Was hat es eigentlich mit den heutigen Weihnachten auf sich? Weshalb glauben wir Europäer, das wir arm sind wenn ein Edeka, Rewe oder Kaufland in Deutschland locker ein Dorf in einem dritte Weltland ernähren könnte? Warum interessieren wir uns viel zu wenig für Politik, für die Gesellschaft und am allerwichtigsten für den Menschen und uns selbst? Warum reden wir uns ein das wir ja alle nur im Wohle der Gemeinschaft und der Umwelt handeln, wenn wir doch sobald wir hinter die Tür schauen sehen, dass wir uns doch nur selbst belügen. Die Welt ist nicht grausam und sie war es auch nie. Wir setzen uns selbst unter Strom mit Anforderungen die selbst den leistungsstärksten Menschen auf die Dauer umhaut. All das passiert, weil wir das selbst wollen. Weil wir es nicht in Erwägung ziehen auch andere Möglichkeiten zu betrachten.

Wenn eine rasende Zeit nicht zum Erfolg führt, wäre da nicht ein Umdenken angesagt? Zeit und Veränderung.
Sitze ich in der Schule frage ich mich oft, wie soll ich all diese Informationen verarbeiten. Um die Prüfungen bestehen zu können und damit meinem Ziel näher zu kommen, sollte ich im Stande sein sie abrufen zu können. Ein schwieriges Unterfangen. Denn um eine Information in Wissen zu verwandeln benötigt es Übung. Übung bedarf Zeit. Ist Zeit nicht gegeben, kann aus der Information kein Wissen werden und Weisheit niemals erlangt. Also, wenn ich gelerntes nicht wiederholen kann, bildet mein Gehirn keine Verbindungen. Die aufgenommene Information verpufft wieder. Mit ein Grund weshalb sich die meisten nach geschriebener Klausur nicht mehr an den Unterrichtsstoff erinnern. Liegt auch daran, dass unser Gehirn bei der Informationsflut gezwungen ist immer wieder mal auszumisten und das rausschmeißt was wir nicht brauchen. Oder was es denkt, dass wir es nicht brauchen.

Ja Stress ist eine wirklich komplexe Angelegenheit oder nicht? Eigentlich nicht. Es ist simpel. Stress und Ruhe gehören zusammen. Die lassen sich nicht voneinander trennen, auch wenn wir das heute mit aller Gewalt versuchen. Das Resultat der Trennung ist Revolte. Zu viel Ruhe führt zu Stillstand, Müdigkeit, antriebslos, Schlafstörungen und so weiter. Zu viel Stress ist auch nicht so der bringen, Erschöpfung, Schlafstörungen, Überreizung, psychosomatische Erkrankungen und vieles mehr. Die Kunst ist, alles in Waage zu halten. Wir brauchen den Stress er ist unser Antrieb aber wir brauchen gleichermaßen Ruhe um den Stress aushalten zu können.

Die Auswirkungen von Stress in unserem Körper

Die Waage zu halten und die innere Balance zu finden ist nicht immer einfach. Zu viel, was sein muss. Auch wenn, es selbst auferlegt wurde. In einer Gesellschaft wie die westliche scheint es nahezu unmöglich die Ruhe zu finden. Zumindest glauben wir das.

Stress, ein Ausdruck der Überforderung, ganz egal in welcher Hinsicht. Wer sich gestresst oder überfordert fühlt, sollte ein Schritt zurück gehen und den Ursprung des Zustands hinterfragen.

Seit wann fühle ich mich gestresst?
Befinde ich mich schon länger in der Überlast?
– Kann ich den Stress vermeiden? – Wenn, nein: Wie kann ich ihn aushalten oder einen       Ausgleich schaffen? (Durch Hobbys, Gespräche, Sport, etc.)
– Warum fühle ich mich gestresst? Liegt es an meiner Arbeit, meiner Beziehung oder meinem wirtschaftlichen Status? Sind meine Bedürfnisse befriedigt oder lassen sich Defizite finden?
– Kenne ich diese Art von Stress?
– Brauche ich den Stress weil ich mich sonst leer fühle, antriebslos oder/und unausgelastet?

Kenne ich den Grund der Ursache, kann ich auch gegen die Symptome und den Ursprung vorgehen. Systematisch kann der Stressfaktor aufgelöst werden.
Beispielweise durch das Einbauen von Ruhephasen im Alltag, Veränderungen im Freundeskreis, neue Zielsetzung und so weiter.
Dabei ist es immer wichtig, auf sein eigenes Gefühl zu hören. Was tut MIR gut und wie belastbar bin ich?

Falls es dir schwer fällt, wende dich an deine Mitmenschen und bitte sie um ein Feedback. Frage sie zum Beispiel nach der Art und Weise, wie du dich im Zeitraum X aus ihrer Sicht verändert hast. Was ist ihnen aufgefallen? Was würden sie verändern oder empfehlen?

Hast du einen Plan ausgestellt und dir einen Überblick über dein Leben verschafft, kannst du ins Handeln übergehen. Beginne damit deine Vorsätze umzusetzen. Das ist nicht immer leicht. Denn, dass eigene ICH ist der stärkste Widersacher.

In dem Sinne bedeutet das für mich, schlafen gehen, ausruhen und Kräfte generieren. Auch wenn, es in mir schon wieder nach Aufbruch schreit. Ich weiß genau was ich brauche, aber irgendwie fürchte ich mich mir das zu nehmen, denn schließlich werden defekte Zahnräder ausgetauscht.

Die Frage ist, werde ich durch mein eigenes verschulden zum ramponierten Zahnrad oder ist es doch die Gesellschaft die den Verschleiß durch ihren unersättlichen Antrieb fördert. Oder ziehen wir alle an einem Strang und ziehen uns mit gleicher Kraft in die Erschöpfung?

Wie geht ihr mit Stress um? Wann merkt ihr, dass es zu viel war? Was sind eure Ruhepole?

Habt einen ruhigen und stressfreien Sonntag.

Liebe Grüße

Sahra

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