Die Fehler unserer Eltern

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Wer hatte sich nicht gewünscht, seine Eltern austauschen zu können. Nervig, peinlich, unaufmerksam, verständnislos oder evtl. auch gewalttätig.

Unsere Eltern können wir nicht aussuchen und nicht immer sind wir zufrieden mit ihnen. Ein sensibles Thema. Denn, schließlich sind sie es die uns am meisten prägen. Sie legen Grundsteine und teilen ihre Gene. Ihr Einfluss auf unseren Werdegang und sein ist enorm.

Verletzungen und Enttäuschungen, die in der Kindheit gebildet werden, spielen im Erwachsenenalter eine große Rolle. Oftmals fällt es schwer zu verzeihen, sodass wir uns noch heute verletzt fühlen. Manchmal glauben wir sogar, dass sie Schuld am eigenen Versagen tragen. „Hätten sie sich anders verhalten, wäre ein erstklassiges ME entstanden..“

Ich habe lange lange einen Hass gegen meine Mutter gehegt. Einiges war für mich nicht entschuldbar. Ich hatte sie für ihr Scheitern verabscheut (Aus der Sicht eines Teenies). Schon früh beschloss ich, alles anders zu machen als sie. Ich wollte ihr beweisen, dass es besser geht. Dass ihre Art und Weiße das Leben anzugehen gänzlich falsch sei. Trotz meiner Wut liebte ich sie an jedem Tag und das missfiel mir. Ich wollte sie hassen, denn schließlich hatte sie mich gekränkt. Sie war an meiner Erkrankung, meinen Traumata, meinem Niedergang, komplett an allem schuld. Ich hätte niemals das Leid erfahren müssen, wäre sie eine bessere Mutter gewesen. So lief ich durch den Alltag. Habs mir dadurch ziemlich einfach gemacht.

Irgendwann begriff ich, dass meine Mutter auch nur ein Mensch ist. Eine Frau mit einer Vergangenheit und der Daseinsberechtigung. Diese Erkenntnis führte nicht etwa zu dem Verlust meines Grolls, mehr zu dessen Wachstum. Jetzt musste ich Verständnis aufbringen. Betrachtete ich mein Leben aus der Perspektive meiner Mutter, konnte ich nachvollziehen warum sie war wie sie war. Einsicht mochte ich dennoch nicht zeigen. Denn, sie oblag letztendlich der Mutterolle, nicht ich. Sie sollte MICH verstehen und nicht andersrum.

Der Gedanke hatte sich gefestigt. Es wuchs eine Sensibilität für die Geschichte meiner Mom heran. Sie hatte die ganze Zeit über nach besten Absichten gehandelt. Sie hatte ihre Möglichkeiten ausgeschöpft und täglich alles gegeben, was sie konnte. Für mich war es leider nicht immer genug. Aber das ist nicht ihr Fehler gewesen. Ich kann es ihr nicht verübeln. Warum auch? Ich kenne es selbst. An manchen Tagen ist mir einfach nach nichts. Ich habe keine Kraft oder Lust. Genauso ist mir nicht ständig nach Nähe. Als Kind ist man seltenst in der Lage das zu begreifen. Man empfindet es als pure Ablehnung seiner selbst und glaubt, das die Gott gleichen Wesen, bewusst einem schaden wollen, denn schließlich sind sie ja makellos.

Jeder der selbst in den Genuss gekommen ist Mutter oder Vater zu sein, weiß wie ambitioniert es ist, Fehler zu umgehen. Der Versuch das Kind frei großzuziehen ist schwer. Wir nehmen uns vor, nach anderen Werten zu messen, geraten aber schnell in die Wiederholung der geprägten Muster.

Deshalb seid dankbar für eure Eltern, trotz des Schadens, den sie hinterließen. Deine Eltern hauchten dir Leben ein und steckten den Grundstein. Ihr Einfluss muss nicht immer angenehm sein, doch wir können daraus wachsen. Ihre Aufgabe war es nicht uns zu perfekten Menschen zu machen. Das müssen wir alle selbst erreichen. Glaube nicht, dass du das Opfer der Missgeschicke deiner Eltern bist!

Es hilft, zu verzeihen. Denke daran, dass sie dich lieben egal, wie hasserfüllt ihr eigenes Herz zu sein mag. Du bist ein Teil von ihnen.

Eine Frage an all jene die den Genuss der Elternschaft erfahren: Hat sich die Beziehung zu euren Eltern seit eures Sprösslings verändert?

Liebe Grüße
Eure Sahra

Freu mich eure Meinung/Geschichte zu lesen 🙂
Bin gespannt 🙂

 

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