Ist die Seele krank, bist du raus!?

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Heute im Jahr 2016 ist die Geisteswissenschaft etabliert. Immer häufiger kommt es zu Diskussionen über psychische Erkrankungen und ihre Ursachen. Teams von Menschen unterschiedlichen Berufsgruppen beschäftigen sich mit den Problemen des Geistes, um nach den Hintergründen der Defizite zu suchen.

Wer heute erkrankt, kann mit mehr Toleranz in der Gesellschaft rechnen, doch noch immer fällt es den Betroffenen und Angehörigen schwer, offen über ihre Indisposition zu sprechen. Noch zu groß sind die Vorurteile, obwohl wir doch wissen, dass es jeden treffen kann. Dazu reicht ein traumatisches Ereignis, welches nicht „richtig“ verarbeitet wurde und schon befindet man sich im Strudel der schmerzenden Gefühle und Gedanken. Je nach Persönlichkeit ist es mühevoller, sich aus den Fängen zu ziehen, dafür bedarf es meist Hilfe.

Ich erlebe es noch sehr häufig, dass wenn ich von meinen Klinikaufenthalten berichte, ich gefragt werde, ob ich mich in einer Gummizelle aufhalten musste oder ob wir Patienten Zwangsjacken tragen mussten. Von den Medien gefördert und durch fehlende Aufklärung entsteht ein von der Realität abweichendes Bild.

Nein, in der Psychiatrie muss keiner in einer Zwangsjacke herumlaufen. Die Patienten werden auch nicht ständig fixiert und laufen auch nicht wie Zombies durch die Gegend und greifen alles an, was ihnen in den Weg kommt. Wobei das mit den Zombies nicht ganz stimmt. Die Medikamente (Antidepressiva, Neuroleptika und meiner Meinung nach anderer Mist! Das soll jetzt keine Abwertung sein. Es drück lediglich meine Skepsis aus.), die verteilt werden können schon dazu führen, dass man sich wie ein Gefühls- und – gedankenloser Toter fühlt. Aber das ist ein anderes Thema. In einer „Nervenklinik“ ist es eigentlich ziemlich ruhig und langweilig. Dort werden normale Programme angeboten, die helfen sollen, den Alltag wieder zu strukturieren. Da es den meisten seelisch Erkrankten schwerfällt, sich einen Tagesablauf zu erstellen und sich daran zu halten. Aufgrund der Emotionen gelingt es kaum sich auf Rechnungen, Job, soziale Kontakte, Haushalt etc. zu konzentrieren. Die Fähigkeit selbständig zu sein scheint verloren. Doch das ist sie nicht, sie ist nur verdeckt und das wird in der Psychiatrie wieder erlernt.

Eine Klinik kann gerade nach einem schmerzhaften Schicksalsschlag, einer Notsituation, bei einem dauerhaften destruktiven Zustand oder nach einer langen physischen Erkrankung hilfreich sein.

Ich bin der Meinung, dass das Bild das wir über psychisch kranke Menschen haben neu bedacht werden muss. Gerade auch die Darstellung in den Medien muss meiner Ansicht nach verändert werden. Denn, negativ behaftete Vorstellungen schaffen Barrieren. Eine Trennung der Gesellschaft zwischen „gesunden“ und „kranken“ Personen und erschwert den Betroffenen den Zugang in die Normalität.

Wir erwarten einen ehrlich Umgang, können es allerdings nicht annehmen, wenn jemand offen mit seinem Leiden umgeht.

Ich möchte mit diesem Blog eine Brücke errichten und zeigen, dass Personen mit einer Diagnose nicht weniger Wert oder liebenswert sind. Trotz des Fortschritts existiert noch immer eine verfremdete Sicht. Die nicht nur schädlich sonder auch nicht richtig ist. Die Konsequenzen dieser Haltung sind eine Beeinträchtigung im Wachstum eines psychisch Kranken. Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich um Lebewesen handelt, die meist einen robusten Charakter aufweisen. Das ist meiner Meinung nach nicht zu verurteilen, sondern zu bewundern. Ein Mensch, der trotz des innerlichen Leidensdrucks seine Ziele verfolgt und an sich arbeitet, beweist Stärke, das sollten wir anerkennen und schätzen.

Um die Mauern einzureißen, möchte ich euch zwei wundervolle Frauen vorstellen, die sich bereit erklärten, euch ihre Geschichte näher zu bringen.

Ich bin Stella, 25 Jahre alt zweifache Mama und seit Februar die Diagnose Borderline Typ impulsiv und depressive Episoden.

Am Anfang war es doch schwer damit zu leben aber es hat einiges erklärt. Mein Umfeld ist dadurch geschrumpft, weil die meisten nichts mit einer „Gestörten“ zu tun haben wollen. Aber jetzt stehe ich dazu. Durch SSV* habe ich Narben am Oberschenkel und werde oft angeschaut, aber mein Gott das gehört zu mir wie meine Krankheit.

Ich persönlich betrachte es nicht als Krankheit, habe halt mehr Gefühle als andere.
Als Mama ist es sehr schwer. Jedoch nicht wegen meinen Kindern. Es sind mehr die, die von meiner Diagnose wissen. Die Leute haben halt keine Ahnung, was es heißt Borderline zu haben und was es für ein täglicher Kampf ist. Denn, die meisten bringen es nur mit ritzen in Verbindung.
Ich kann zum Glück sagen, dass ich stabil bin und keine Medikation brauche. Ich lebe ein normales Leben, klar hab ich Schwierigkeiten mit meiner Impulsivität usw. aber ich gehe offen mit allem um und wem´s nicht passt, kann gehen. Ich habe durch die Gesellschaft sehr große Selbstzweifel und ganz ehrlich ich würde mir mehr Aufklärung wünschen, das wir normale Menschen sind einfach mit mehr Gefühlen als „Normale“ ausgestattet sind. Aber was gilt heutzutage schon als normal 🙂

Ich bin stolz Borderliner zu sein, ich möchte jeden Mut machen, geht raus und stehe dazu! Wir sind toll und sind besonders.

Das ist Stella

Ich heiße Justyna, bin 25 und habe die Diagnose Bipolare -affektive -Störung mit gemischten Episoden . Anfangs wusste ich es natürlich nicht, dass ich krank bin . Ich dachte das ich halt so bin . Erst als die Probleme größer waren habe ich mir Hilfe geholt . Ich habe in meinen Manie Phasen sehr viel Geld ausgegeben, Fremde Menschen angesprochen und sogar zu mir nach Hause eingeladen . Als ich dann wieder depri war, habe ich mich zu Hause eingeschlossen und nur gelegen. Alles hat mich genervt und ich habe mich sehr einsam gefüllt . Während der Manie tut man Sachen die man später sehr bereut . Man braucht auch nicht so viel Schlaf , deshalb ist man nach der Manie Phase erschöpft und einfach scheiße drauf . Dazu schämt man sich für all die Dinge die man während der Manie getan hat . Die schlechten Erinnerungen kommen hoch und man könnte nur heulen . Ich habe eine Therapie begonnen , da habe ich meine Diagnose gekriegt . Seit der Therapie geht es mir viel besser . Ich habe einen tollen Partner der mir immer zur Seite steht und kann mich gut ertragen 🙂 Ich nehme jeden Tag Medikamente , Stimumgsstabilisierer 🙂 ich arbeite auch wieder . Natürlich habe ich meine Phasen und es ist sehr schwer sich zu beherrschen, wenn die Manie kommt, aber mein Partner holt mich dann wieder an die Erde zurück . Wenn ich depri bin warte ich einfach ab bis es vergeht . Komisch ist nur immer noch, dass man während der Phasen alles anderes sieht oder hört . Alles klingt lauter und man füllt sich wie auf Speed und dann wieder auf Schlaftabletten . Ich versuche mal das Beste aus meinem Leben zu machen obwohl ich krank bin . Der Kampf ist nicht leicht aber ich kenne die Krankheit und weiß mit mir selber umzugehen .

Und wie jeder andere Mensch verbringe ich meine Freizeit mit meinen Hobbys. Musik, Zumba, Kino und einfach mal mit Freunde Zeit verbringen.

Ich habe eher keine negativen Erfahrungen mit meiner Erkrankung gemacht. Aber die Menschen verstehen es nicht, wenn ich sage dass ich in der Psychiatrie war stellen sie sich vor dass man da angekettet wird und mit Medikamente vollgepumpt wird. Das ist es was mich stört, dass die Gesellschaft so etwas denkt. Und dass es unterschätzt wird aber beleidigt hat mich noch niemand. Ich schätze aber auch mal, dass es daran liegt, dass ich so offen damit umgehe und mich nicht verstecke.

Das ist Justyna

Danke ihr zwei für eure Geschichte und euren Mut das zu veröffentlichen 🙂

Was denkt ihr über psychische Erkrankungen? Seit ihr selbst oder einer eurer Liebsten erkrannt? Wie geht ihr damit um?

Ihr könnt mir auch gerne eure Geschichte zusenden, wenn ihr mögt 🙂

So euch allen einen schönen Tag und denkt daran wir sind alle nur Menschen. Jeder macht Fehler, keiner ist perfekt und wir lernen alle dazu.

Liebe Grüße

Eure Sahra

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6 Gedanken zu “Ist die Seele krank, bist du raus!?

  1. Ehrlich? Ja es ist kein schlechter Beitrag.Wer scih aber in seiner Diagnose gefangen nimmt, und sagt, ich bin Stolz xy zu sein, der hat etwas nicht verstanden. ich habe jetzt 15 Jahre benötigt den Scheiß zu durchbrechen, mal gelingt es mehr mal weniger, aber die Psychologen haben mir letztes Jahr alle (Es waren 4) gesagt, ich bin von „Borderline“ geheilt, natürlich muss ich achten, dass ich nicht versehentlich in die alten Muster purzel, aber das möchte ich auch jedem anderen raten, nicht in die Diagnose fallen lassen, sondern an sich arbeiten.

    Kleiner Tipp, tragt Borderline aber lasst nicht Borderline euch tragen.

    Geklaut aus dem Zitat aus der Eisernen Maske: Ich trage die Maske, die Maske trägt aber nicht mich.

    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Nicole,
      danke erstmal für dein Kommentar und meinen Glückwunsch für deinen Erfolg. War und ist sicherlich anstrengend dich von alldem zu befreien. Um so toller dass du es geschafft hast und das auch kontinuierlich 🙂

      Ich stimme dir zu. Sich mit der Krankheit zu identifizieren führt letztendlich dazu, dass man nie lernt andere Muster zu entwickeln. Denn man ist ja die Krankheit.

      Aber ich denke auch, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss mit seinen Defiziten umzugehen.
      Wenn jemand damit glücklich ist, ist es doch vollkommen okay.

      Liebe Grüße

      Gefällt mir

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