Trauer und seine Gesichter

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Gebe ich das Wort Trauer in die Suchmaschine ein, erscheinen zig Bilder die in schwarz weiß gehalten sind. Engel, tränende Augen und Abgründe. Wikipedia beschreibt Trauer als Gemütszustand, ausgelöst durch Verluste. Ebenso kann die Trauer bei der Überwindung von Schmerz und Leid entstehen.

Trauer,Schmerz und Leid all das wird oftmals negativ behaftet. Etwas das man so schnell wie möglich loswerden muss. Ein Zustand der unterdrückt werden muss.

Was passiert wenn, ich aber all das zulasse? Mich nicht durch einen Rausch in jeglicher Art beeinflusse? Wie werde ich darauf regieren, wenn ich mich vollkommen auf das Gefühl einlasse?  Werde ich mich dann „für immer“ grässlich fühlen? Bin ich dann noch fähig zu leben oder funktioniere ich dann nur?

Da ich neugierig bin, wagte ich den Schritt und durchlebte (Ich bin noch dabei. Ist halt immer wieder Übung) den Verlust, die Trauer, das Leid und den Schmerz.

Für zwei Tage glaubte ich, ich würde sterben. Es gäbe nichts das diesen Zustand jemals wieder verändern könnte. Ich fühlte mich gefangen in einem niemals endenden Schmerz. Natürlich kämpfte ich gegen das Gefühl und seine Symptome an, trotz jeder Bemühung es zuzulassen. Meditation, Sport, Arbeit, Abende mit Freunde nutzte ich als Werkzeuge um meinen Kopf frei zu bekommen. All das half nicht wirklich, im Gegenteil. Das schrecklich Gefühl in mir wuchs. Es schien als würde ich von Minute zu Minute immer tiefer in einen Abgrund gerissen, der aus nichts weiter bestand als graue, finstere, dreckige Leere voller Qualen. Ich spürte wie mein Körper immer mehr an Energie verlor. Eigentlich hätte ich mich ausruhen sollen. Doch wie sollte ich bei all dem was in mir tobt ruhig sitzen. Ich konnte nicht lange gegen die Trauer ankämpfen. Sie besiegte mich ziemlich schnell in dem sie mir mein Mittel zur Flucht nahm, meinen Körper. Durch Erschöpfung & Erkältung war ich nun an die Couch gebunden. Das widerstrebte mir. Und so versuchte ich mit aller Kraft weiterhin gegen sie anzukämpfen. Sie überwältigte mich erneut mit einem Heulanfall der gefühlt eine halbe Ewigkeit andauerte. Mein Kopf dröhnte. Ich gab mich geschlagen. Ich musste mir eingestehen, dass ich keine Waffe besaß um meine Trauer zu besiegen.

Alle Kraftreserven waren aufgebraucht, wodurch es der Trauer ein Leichtes war mich „einzunehmen“. Für einen Bruchteil einer Sekunde glaubte ich, an dem Gefühl sterben zu müssen. Überrascht war ich, als ich nach der Sekunde feststellen musste, dass ich nichts weiter empfand als Trauer. Schwer zu beschreiben. Es war kein Schmerz dabei. Es war einfach nur eine Art Traurigkeit, die zwar vollkommen spürbar ist, aber nicht lähmend.

Ne, ne keine so ne paranormale Sache oder so. Ich fühlte mich immer noch nicht super, schlecht ging es mir allerdings auch nicht. Nachdem der Schmerz mich nicht mehr gelähmt hatte, nutzte ich die Ruhe um mich zu sortieren.

Ich begann mir Fragen zu stellen wie: „Was macht die Trauer eigentlich so? Wann taucht sie auf? Wie bin ich dann? Von wem wird sie begleitet? Warum taucht sie jetzt auf? Wie macht sie bemerkbar? Zu was hätte ich jetzt Lust?“

Bei der näheren Betrachtung viel mir auf, dass die Trauer gar nicht sooo schlimm ist wie ich dachte. Sie ist durchaus in der Lage mich anzutreiben und zu motivieren, auch wenn sie lähmend erscheint. Trauer schützt vor Verletzungen, sie hilft schwere Ereignisse zu verarbeiten und in meinem Fall  ist foe zusätzlich eine Muse. Durch die Trauer können wir Beziehungen stärken, da sie uns sensibler und „zutraulicher“ werden lässt. Doch das sind nur ein paar Seiten der Trauer.

Die Trauer alleine ist schon ein schweres Kaliber, doch mit Freunden wie Leid und Schmerz ist sie ein schweres Geschoss. Arbeit wird es allerdings erst dann wenn, der Verstand auch noch zu Wort kommen möchte, denn  mit unseren Gedanken können wir den Schmerz verstärken, indem wir uns immer wieder schmerzhafte Situationen hervorrufen. Das wiederum empfinden wir automatisch, sofern nicht verarbeitet als äußerst unangenehm.

Über die Jahre habe ich es mir angewöhnt auf die körperlichen Symptome der Gefühle zu achten. Der Umgang ist dadurch um einiges einfacher. Denn ich kann schon früh erkennen, welches Gefühl auftaucht. Dementsprechend ist es einfacher zu agieren.

Die Trauer macht sich bei mir folgend bemerkbar:

  • Stechen im Bauch fast wie verliebt sein nur andersrum
  • Mein Herzschlag erhöht sich leicht doch rast nicht
  • Mein Körper fühlt sich schwerer an
  • Ich laufe langsamer
  • Ich bin träge
  • Ich möchte alleine sein
  • Gespräche vermeide ich
  • Meine Stimme wird ruhiger
  • Ich nehme die Welt lauter und größer wahr
  • und so weiter…

Hast du schon mal darauf geachtet wie sich deine Gefühle bemerkbar machen?

Ich sehe die Trauer, den Schmerz oder auch das Leid nicht mehr als negatives Gefühl, dass mich lähmt und blockiert. Loswerden möchte ich sie auch nicht mehr. Stelle ich fest, dass eines dieser Gefühle auftaucht, nutze ich den Zustand zum Malen, Zeichnen, Schreiben, für die Musik. Manchmal murmel ich mich auch einfach ein, allerdings in keinem dunklen Zimmer und heule einfach los und danach geht´s mir schon besser als vorher.

 

Ein kleiner Tipp:

Scheu dich nicht dir in schwierigen und schweren Zeiten etwas Gutes zu tun. Das heißt, nur weil du dich schlecht fühlst, musst du dich nicht schlecht behandeln. Geh raus in die Sonne, schnappe frische Luft, zieh dir frische Kleidung an und verbringe nicht den ganzen Tag im Bett. Steh hin und wieder auf, auch wenn es nur kurze Gänge durch die Wohnung sind. Beschäftige dich, lenke dich ab, was nicht bedeutet, dass es dir dadurch sehr gut gehen muss und wird.

Meine Gesichter der Trauer 🙂

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2 Gedanken zu “Trauer und seine Gesichter

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