Die Gewohnheit und ihr Einfluss

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Nie zuvor habe ich mich wie jetzt gefühlt. Voller Vorfreude auf das Neue und Unbekannte. Was einst Angst und Unsicherheit in mir ausgelöst hat, schenkt mir nun Freiheit.

Bis vor wenigen Tagen glaubte ich, dass all meine Anstrengungen um sonst seien. Ich glaubte, dass ich nie in der Lage bin, mich und somit mein Leben zu verändern.

„Ich werde doch immer das Gleiche erleben. Es wird sich nie etwas verändern! Ich werde mich immer wieder in Situationen begeben, die mir schaden. Ich werde immer wieder von Null anfangen müssen.“

Wie sollte ich denn auch Verhaltensmuster verändern, die sich schon seit mindestens einem Jahrzehnt festigen konnten? Gerade jetzt. Jetzt in der Trennung. Jetzt wo es doch andere Prioritäten gibt. Wo es doch darum geht, dass ich mir wiedermal eine Wohnung suchen muss,einen Job brauche, um das zu finanzieren und die Verantwortung für meinen Sohn übernehmen muss. Zusätzlich stecke ich nebenbei in einer Therapie, welche mehr Kraft benötigt als mir gerade zur Verfügung steht. Viele große Bauprojekte, die auf einmal anstehen. Jedes braucht seine Zeit und Pflege. Wie soll ich da dann noch meine gewohnten Verhaltensmuster ändern?

Muss ich das überhaupt?

Jeder Mensch handelt nach antrainierten Mustern. Meist unbewusst, schon automatisch. Manche Strukturen behindern und führen zur permanenten Unzufriedenheit, wenn man sie nicht verändert. Ein Beispiel:

Remi 48 Jahre alt arbeitet gerne in ihrem Beruf. Sie ist Ärztin aus Leidenschaft und sehr qualifiziert. Mit ihrem Intellekt und ihrer Empathie könnte sie schon längst die Stelle ihrer verhassten Chefin übernehmen. Sie würde dann auch Vorträge halten, mehr Verantwortung übernehmen, Schulungen besuchen und vieles mehr. Stattdessen ist sie seit 20 Jahren Angestellte. Zu ihren Kollegen hat Remi eher ein distanziertes Verhältnis. Das ist auch kein Wunder, denn Remi lässt keine Gelegenheit aus Mitarbeiter die ihr zur Konkurrenz werden können zu schikanieren. Nicht etwa aus Boshaftigkeit, nein sondern aus Neid. Denn schließlich ist sie hier die Erfahrenste. Die Kollegen beschreiben sie zwar als begabt und freundlich im Umgang mit den Patienten, doch keiner möchte privat etwas mit ihr unternehmen.

Trotz ihrer Fähigkeiten besitzt Remi kaum Selbstbewusstsein. Sie schlägt immer wieder Möglichkeiten aus, die sie weiter bringen könnte. Nicht etwa weil sie nicht will, nein, weil sie glaubt, sie hätte es nicht verdient. Irgendeine Verletzung, die sie nicht richtig verarbeitet hatte, führte dazu, dass sie in sich das Gefühl verankerte, wertlos zu sein bzw. nie gut genug. Sie wusste zwar, dass sie durchaus in der Lage wäre, mehr zu erreichen. Doch das Gefühl blockierte sie. Mit dem Ablehnen von Erfolgsmöglichkeiten bestätigt ihr versagen.Sah sie dann, wie die Menschen um sie herum Schritte nach vorne gingen, während sie immer noch an einer Stelle stand, war es kaum für sie auszuhalten. Sodass sie die Spannung nur ertragen konnte, wenn sie sich feindlich gegenüber Konkurrenz verhielt.So musste sie sich nicht mit ihrem eigenen Versagen auseinandersetzen. Denn, das würde bedeuten, sie müsste sich mit diesem unangenehmen Gefühl beschäftigen, dass sie doch durch destruktive Muster glaubt zu dämmen. Wer beschäftigt sich denn schon gerne mit unangenehmen Gefühlen. Die müssen versperrt und vergraben werden. Wofür eine immense Energie verbraucht wird, die sie hindert ihre Fähigkeiten, zu nutzen.
Remi wird nie nähere Beziehungen eingehen können oder wachsen, wenn Sie nicht ihre Muster verändert. Dazu ist es wichtig die Muster zu kennen, die sie blockieren. Sie sollte in Erfahrung bringen, seit wann sie sich „schlecht“ fühlt. Welches Ereignis dazu führte.

Sie könnte sich Fragen stellen wie:

– Was fühle ich wenn ich einen Vortrag halten darf?
– Warum möchte ich den Vortrag nicht halten?
– Wovor fürchte ich mich?
– Warum beneide ich meine Kollegen?
– Warum bewerbe ich mich nicht auf andere Stellen für neue Erfahrungen?
– Warum muss ich meine Kollegen bei der Chefin schlecht machen?

Findet sie auf diese Fragen Antworten, wird sie schnell erkennen, dass sie bewusster handelt. Sie wird nach und nach bemerken, wenn sie sich selbst schadet. Doch es zu erkennen reicht leider nicht aus. Um Muster zu verändern, gehört leider mehr dazu. Emotionen. Emotionen lassen sich schwer kontrollieren. Es scheint, als würden sie nach ihren eigenen Regeln spielen. Mit der Auseinandersetzung ihrer Verhaltensmuster öffnet Remi Stück für Stück ihre Mauer, die sie über ihre Emotion gebaut hatte. Das ist grundsätzlich für jeden eine sehr schmerzliche Angelegenheit. Denn schließlich ist hinter der Mauer das vergraben, das überhaupt zu diesen Verhaltensmustern führte.Um so länger ein Mensch seine Gefühle versteckt, unterdrückt, ignoriert um so schmerzhafter wird die Konfrontation. Um den Schmerz auszuhalten, wird das Gehirn automatisch versuchen, auf allen Wegen den gewohnten Zustand wieder herzustellen. Das heißt, ob sie will oder nicht Remi wird trotz ihres neu gewonnen Wissens dennoch wieder in ihre alten Gewohnheiten fallen. Sie wird weiterhin versuchen besser neben ihren Kollegen zustehen. Sie wird weiterhin Angebote abschlagen, die sie auf der Karriereleiter etwas nach oben bringt.

Wozu sich dann Mühe geben und Schmerzen ertragen, wenn sich doch eh nichts ändert?

Ganz einfach. Veränderung bedeutet arbeitet. Sich zu verändern geht nicht eben in ein paar Tagen, Wochen und Monaten. Gewohnheiten verändert man nicht, nur weil man ein Buch ließt oder sich seinen Gewohnheiten bewusst ist. Warum? Ein Raucher, der nach Jahren von heute auf morgen damit aufhört, überwindet meist die Sucht, doch nicht die Gewohnheit, die hinter der Sucht versteckt ist. Die Gewohnheit wird durch etwas anderes ersetzt. Wird sie durch etwas Positives ersetzt, beispielweise eine gesündere Ehrnährung, ist es kein Problem.

Wird die Gewohnheit ( Rauchen) allerdings durch etwas ähnlich Destruktives ersetzt, hilft eine genauere Betrachtung. Für jene, die wissen was es bedeutet eine Sucht abzulegen, euch kann ich sagen, dass es noch einmal mind. das 100fache an Energie, Kraft, Zeit, Geduld und Disziplin braucht, um eine Gewohnheit oder Struktur zu verändern.

Klingt zwar erschreckend und wenig motivierend aber ganz so schlimm ist es auch nicht. Vor allem wenn einem die richtigen Tipps und Tricks, die richtige Form von Begleitung an der Seite steht, der Willen, das Wissen, das es eben Zeit, Geduld und Rückschläge braucht, die richtige Vorbereitung vorhanden ist.
Man könnte es mit dem Laufen lernen vergleichen. Die erste Zeit ist mit Schmerzen und vielen Stürzen verbunden. Es ist schwierig und anstrengend. Doch mit der Zeit wird es einfacher. Die Stürze werden weniger, die Schritte länger, schneller und feiner. Bis es irgendwann automatisch passiert.

Nachdem Remi nun weiß, warum sie sich verhält, wie sie sich verhält und auch erkennt, wenn sie sich in belastende Situation manövriert, kann sie nun nach Alternativen suchen.

Wenn ich mich noch nicht traue, einen Vortrag zu halten, könnte ich mit kleinen Verantwortungen anfangen. Wenn ein Kollege erfolgreicher in etwas ist, könnte ich ihn nach Tipps fragen. Wenn ich merke, dass ich jemanden beneide, könnte ich mich fragen, warum ich ihn beneide. Ich könnte mich fragen, warum ich nicht daran arbeite, denselben Erfolg zu erzielen? Sie könnte versuchen ein Gespräch mit ihrer Chefin zu führen. Ihr erklären, dass sie gerne andere Aufgaben übernehmen würde, allerdings noch unsicher ist. Sie könnte anfangen, positive Ereignisse zu fokussieren. Und so weiter.
Mit kleinen Veränderungen im Verhalten kann Remi trainieren. Sobald sie Erfolge sieht, werden sich die positiven Werkzeuge auf ihr Verhalten und Gefühl übertragen. Sie wird Selbstsicherheit entwickeln. Mit der neu gewonnen Stärke, wird sie in der Lage sein, größere Veränderungen in Angriff zu nehmen. Das passiert solange, bis sie keine Werkzeuge mehr braucht, da alles von alleine läuft. Und Schwub die Wub ist die Gewohnheit verändert.
Jap! Wenn´s nur so einfach wäre.

Und warum möchte ich mir das jetzt bei all dem Stress antun? Reicht mir nicht der Stress noch nicht?

Man könnte meinen, ich wäre masochistisch veranlagt. Aber… nein! … Vielleicht?…Ehm, nein! 🙂
Durch meine bisherigen Gewohnheiten geriet ich bereits mehrfach in Situationen, wie die Aktuelle . Damit ich nicht erneut solch eine Situation erleben muss, möchte ich meinen Kreislauf unterbrechen.Ich stehe an einem Punkt, mit der Möglichkeit eine komplett andere Richtung einzuschlagen. Ich kann ein leeres Blatt auf den Tisch legen. Die Gestaltung steht mir frei. Keine Grenzen sind gesetzt. Emotional durch die Trennung. Zeit durch die Arbeitslosigkeit. Keine Verantwortung, da mein Kind erstmal nicht bei mir lebt. Ich bin gerade an nichts gebunden. Auch, wenn das alles sehr schmerzhaft ist, ist es gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, mir in den Arsch zu treten und an mir zu arbeiten. Nicht für andere Menschen, sondern für mich. Ich möchte eine Veränderung! Egal wie anstrengend sie ist.  Weil ich selbst sein möchte. Frei von Ängsten oder Hindernissen im Kopf die mich einschränken und behindern. Frei von Destruktivität. Frei von Wertung, Stress, Leistungsdruck, Abhängigkeit in jeglicher Form, negativen Gedanken.

Bis vor 3 Tagen glaubte ich das meine Sicherheit von Job, Wohnung, Beziehung, Geld und was auch immer abhängig ist. Dass, ich dies und das brauche, damit es mir besser gehen wird. Wenn ich das und das hätte dann könnte es endlich vorangehen. Dann…

… Doch jetzt weiß ich, dass ich nichts brauche für meine innere Sicherheit. Denn, ich kann sie mir selbst geben. In dem ich mich meinen Gewohnheiten stelle, meine Ängste überwinde, meine Träume und Ziele fokussiere und meinen Weg nicht aus den Augen verliere.

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Ein Gedanke zu “Die Gewohnheit und ihr Einfluss

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