Es ist gut so wie es ist!

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Wenn ich daran denke, an was ich alles denken sollte, um ein ökologisches, soziales, politisch korrektes, Leben zu führen, ist mir der Versuch bereits zu mühsam.
Zu viel Verzicht. Kosten, die ich nicht decken kann. Komplizierter Einkauf. Recherchen im Vorfeld. Disziplin, Geduld und Durchhaltevermögen …
… All das für ein besseres Leben.

Wenn ich wirklich nur regional, fair, gesund und bewusst konsumieren möchte, sollte ich ein sehr einfaches & gleichzeitig hartes Leben führen. Die Wohnung wäre fast leer geräumt und meine Gewohnheiten müssten umgestellt werden. Zumindest wenn ich es zu 100 % ernst meine. Der Kauf von einem simplen Dekoartikel oder eines Hygieneartikel kann „falsch“ sein. Die Produktion, den Versand, die Lagerung. All die Ressourcen, die verbraucht wurden. All die Menschen, die mein Produkt in unterschiedlichen Stadien in der Hand hielten. All die Rechte, die verletzt wurden. Vollkommen faire Produkte sind eher Einzelfälle. Sie zu finden ist schwer und aufwändig.

Als Mensch gestalte ich mir schließlich alles so einfach wie möglich. Als Bewohner eines reichen Landes weiß ich, dass selbst die Harz-V-Empfänger relativ gut leben.
Ich breite mir keine Gedanken über die Herstellung meines Handys. Unmengen Verpackung an meinen Produkten stören mich gelegentlich. Der Müll interessiert mich nur dann, wenn ich ihn auf der Straße sehe oder den Hausmüll entsorgen muss. Beim leckeren Abendessen, Grillen mit Freunden oder Kaffee und Kuchen, denke ich auch nicht an Leute, die gerade an Hunger sterben. Wenn ich mit dem Auto zum Einkaufsladen um die Ecke fahre, interessieren mich die Umweltfolgen wenig.

Nachrichten, Videos und Bilder aus anderen Regionen konfrontieren mich mit der Realität. Für einen längeren Augenblick frage ich mich, wie der Mensch so leichtsinnig mit der Erde umgehen kann. Ich laufe durch das Zimmer. Ach ich kann ja nicht jedem helfen. Und außerdem schränke ich mich ja schon genug ein. Ist ja nicht meine Aufgabe für fairen Konsum (in allerlei Hinsicht) zu sorgen. Also fahre ich mit dem Auto zum Supermarkt um die Ecke. Ich kaufe mir ein paar Schokoriegel, Chips, ein paar Haargummis und Energiedrinks, damit ich fit bleibe. Zu Hause schalte ich den Fernseher und Laptop an. Damit ich in Verbindung stehe, stöpsel ich mein Handy an das Akkuladegerät. Der TV im Hintergrund raschelt. Ich genieße den wohltuenden Snack.

Muss ein faires Leben kompliziert sein? – Nein! Muss es nicht.

Bewusst Leben ist zu Beginn eine Umstellung. Ungewohnte Strukturen verunsichern und werden daher als anstrengend empfunden. Kein Wunder. Denn du handelst gegen deine Angewohnheiten. Alles Unbekannte muss kennengelernt werden. Das erfordert Zeit, Geduld, Interesse und Motivation. Eine Veränderung sollte bewusst passieren. Gerade wenn es etwas ist, von dem du genau weißt, dass es schwierig sein wird.
Wenn ich z.B. über Jahre hinweg rauche, eigentlich noch Spaß daran habe, dann ist es wenig sinnvoll von heute auf morgen aufzuhören. Ich muss mir im Vorfeld darüber klar sein, dass ich scheitern könnte. Mein Körper könnte das Nikotin einfordern. Also brauch ich Alternativen, falls es zum Suchtdruck kommt. Nicht nur der Körper verlangt das Nikotin. Über die Zeit entwickelte sich das Rauchen zu einem Ventil. Ich nutze es zum Verdauen nach dem Essen, als Beruhigung in Stresszuständen oder einfach wenn mir langweilig ist. Skills (Werkzeuge bzw. Fähigkeiten) helfen zur Überbrückung. Musik oder Meditation zur Stressbewältigung. Ein kleiner Spaziergang nach dem Essen u.v.m. .
Dasselbe gilt auch für ein bewusstes und faires Leben. Es ist hilfreich, einen Plan im Vorfeld zu entwickeln. Ein realistisches Ziel stecken. Wenn du es erstmal versucht hast, kannst du immer noch entscheiden, ob du weiter gehst oder nicht. Vielleicht reicht dir deine bereits gewonnene Veränderung.
Bewusst leben bedeutet für mich, mir mein eigenes Verhalten vor Augen halten. Es steht für Verantwortung.

Zum Beispiel:

Ich kaufe in einem Discounter für wenig Geld Fleisch ein. Sollte ich mich anschließend über die Haltung der Tiere empören?

Bei H&M, Primemarkt und Co kaufe leiste ich mir für 4.99€ 3 T-Shirts zum Preis von einem. Kann ich mich dann darüber wundern, dass in Bangladesch junge Frauen »gerne« 18 Stunden täglich arbeiten?

Ich bin keine Öko und auch nicht so naturverbunden. Ich liebe die Stadt und die Menschen. Ich mag die Technologie und ihren Fortschritt. Es gefällt mir in kürzer Zeit Wäsche waschen zu können, ohne wirklich dafür arbeiten zu müssen. Von A nach B mit relativ wenig Aufwand. Klimaanlagen, die das Leben erleichtern. Ich liebe es meine Haare färben zu können oder meine Kleidung nicht unbedingt nach Funktion aussuchen muss. Ich genieße den „Luxus“ und seine Annehmlichkeiten. Ich möchte auch nicht um jeden Preis darauf verzichten. Ich möchte Alternativen schaffen die es jedem ermöglichen sich an dem Wohlstand zu erfreuen.
Ich muss mich also fragen, müssen so viele Autos produziert und gekauft werden? Warum können nicht weniger Autos hergestellt werden? Warum muss das Autobahnnetz ausgebaut werden? Warum kann das gesparte Geld nicht in öffentliche Verkehrsmittel gesteckt werden. Damit sie zuverlässig sind. Damit ein Auto nur noch selten genutzt werden muss …
… Es gibt genug Alternativen, sie müssen nur geschaffen werden!

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2 Gedanken zu “Es ist gut so wie es ist!

  1. Der Kumpel von D.

    Alles schreit nach Wachstum! Die Politik, die Wirtschaft einfach alle. Nur der Planet wächst nicht mit. Die Ressourcen sind endlich. Du bist für weniger Autos? Wenn Firma XY letztes Jahr 10.000 Autos verkauft, in diesem Jahr aber auch wieder nur 10.000 Einheiten…. Dann ist das ökonomisch gesehen eine Katastrophe. Weil man nicht wachsen konnte! Das ist die perverse Logik des Kapitalismus.

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